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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Orakelblume; Oral; Orale; Oran; Orang; Orange; Orangeade; Orangeat; Orangebäckchen; Orangeblüten; Orangeblütenöl

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Orakelblume - Orangeblütenöl.

bei allen wichtigen Unternehmungen, Einrichtungen u. dgl. den Rat der O. einholte. Neben ihrer Wirksamkeit für Hebung der religiösen Kultur, die sich in älterer Zeit nicht wegleugnen läßt, sorgten die O. aber auch für die Beförderung der Landeskultur, für Aussendung von Kolonien etc.; sie besorgten also auch staatsökonomische und politische, ja soziale Zwecke. Das älteste O. befand sich zu Meroe in Ägypten, dem die im ägyptischen Theben und zu Ammonium, an welchen Orten der Dienst des Jupiter Ammon herrschend war, der Zeit nach am nächsten standen. In Griechenland erlangte das O. zu Dodona, später das zu Delphi den größten Einfluß. Außerdem hatten Zeus zu Elis, zu Pisa und auf Kreta, Apollon auf Delos und in Klaros unweit Kolophon eigne O.; das der Branchiden zu Milet war ebenfalls dem Apollon und der Artemis geweiht. Heroenorakel waren: das des Amphiaraos, des Trophonios und das des Herakles zu Bura in Achaia. Außerdem sind noch zu erwähnen die Totenorakel (am See Aornos in Thesprotien und zu Heraklea in der Propontis). Zu den Orakeln zu rechnen sind auch die Sprüche der sogen. Sibyllen (s. d.), besonders der erythräischen und in Italien der cumäischen. Die Römer hatten, die Sibyllinischen Bücher (s. d.), das O. des Faunus und der Fortuna zu Präneste abgerechnet, keine einheimischen O.; sie befragten die bekanntern griechischen und ägyptischen, weshalb sie oft weite Reisen unternahmen. In Griechenland verloren die O. erst nach dem völligen Untergang der Freiheit und Selbständigkeit ihr Ansehen; doch fristeten sie nur ein kümmerliches Dasein, bis sie unter der Regierung des Theodosius für immer geschlossen wurden. Vgl. F. A. Wolf, Beitrag zur Geschichte des Somnambulismus im Altertum (in den "Vermischten Schriften", Halle 1802); Clavier, Mémoire sur les oracles des anciens (Par. 1819); Wiskemann, De variis oraculorum generibus (Marb. 1835); Döhler, Die O. (Berl. 1872); Karapanos, Dodone et ses ruines (Par. 1878); Hendeß, Oracula graeca (Halle 1877); Bouché-Leclercq, Histoire de la divination dans l'antiquité (Par. 1879-81, 4 Bde.).

Orakelblume, s. v. w. Chrysanthemum, auch Bellis perennis ("Liebt mich, liebt mich nicht").

Oral (lat.), mündlich; Oralfideikommiß, s. Legat; Oralsubmission, mündlicher Nachsatz oder Anhang zu einem Erkenntnis.

Orale (lat.), s. Fanon.

Oran, 1) Hauptstadt der gleichnamigen Provinz in Algerien, welche 86,103 qkm (1563 QM) mit (1881) 767,322 Einw. umfaßt, liegt im Hintergrund des Meerbusens von O. und ist die bedeutendste Handelsstadt Algeriens sowie eine wichtige Festung mit mehreren Forts, deren Werke zum Teil schon die Spanier anlegten. Der eigentliche Hafen von O. war bis vor kurzem das 8 km nordöstlich gelegene Mers el Kebir, einer der besten an der ganzen nordafrikanischen Küste; jetzt hat man durch bedeutende Hafenbauten vor O. selbst eine sichere Ankerstätte geschaffen. Die Stadt, welche einen fast ganz europäischen Charakter zeigt, ist Hauptort der Provinz und einer Militärdivision, hat eine Handelskammer, ein Collège und (1881) 59,377 Einw., wovon 28,225 Fremde (Spanier), 20,070 Franzosen und Juden, außerdem Araber, Berber, Neger, deren fast ausschließliche Beschäftigung der Handel ist. Der Schiffsverkehr betrug 1883: 4094 Fahrzeuge von 1,231,024 Ton., und 173 Fischerboote erzielten einen Ertrag von 732,000 Frank. Eine Eisenbahn führt nach Algier. O. ist Sitz eines deutschen Konsuls. Vielleicht schon im Altertum (als Quiza?) von einer Römerkolonie besetzt oder gegründet, war O. im Mittelalter eine ansehnliche maurische Stadt. 1509 bemächtigten sich ihrer die Spanier, welche O. auch noch behaupteten, als alle andern Besitzungen längs der Küste verloren gingen (1535). 1708 wurde es von den Mauren belagert und durch Hunger zur Übergabe gezwungen, aber 1732 von den Spaniern wieder erobert, die nun hier bedeutende und ausgedehnte Festungswerke anlegten. Ein furchtbares Erdbeben verwandelte in der Nacht des 9. Okt. 1791 die Stadt fast in einen Trümmerhaufen. Kaum waren Besatzung und Einwohner in die Stadt, die sie verlassen, zurückgekehrt, als der Bei Mohammed von Mascara die Belagerung begann, die im März 1792 mit der Kapitulation der Belagerten endigte. Die Franzosen, in deren Gewalt die Stadt 1831 kam, stellten die verfallenen Forts wieder her und vermehrten sie durch neue Werke. So wurde O. der wichtigste Punkt des Westens der französisch-nordafrikanischen Besitzungen. Vgl. Derrien, Les Français à O. depuis 1830 (Aix 1887). - 2) Stadt in der argentin. Provinz Salta, 10 km von Rio Bermejo, 210 m ü. M. mit (1869) 2345 Einw., wurde in der Nacht vom 22. zum 23. Okt. 1871 und abermals am 6. Juli 1873 durch Erdbeben zerstört. Die Wälder der Umgegend sind reich an Zedernholz.

Orang, s. v. w. Orang-Utan.

Orange (spr. -angsche), die Frucht des Orangenbaums, s. Citrus. O. von Quito, s. Solanum.

Orange, 1) (spr. -angsch) Arrondissementshauptstadt im franz. Departement Vaucluse, an der Eisenbahn von Lyon nach Marseille gelegen, hat eine alte romanische Kathedrale, Standbilder des Grafen Raimbaud II. von O. und des Grafen Gasparin, ein Collège, eine Bibliothek und (1886) 6065 Einw., welche Weinbau, Braunkohlenbergbau, Seidenzucht und Seidenspinnerei, Schafwollweberei, Gerberei und Färberei sowie lebhaften Handel mit Obst, Wein, Trüffeln, Honig, Wachs etc. betreiben. O. ist berühmt durch seine Denkmäler aus der Römerzeit, darunter ein wohlerhaltenes Theater und einen schönen Triumphbogen. O. ist das alte Arausio im narbonensischen Gallien, die Hauptstadt der Kavaren, wo 105 v. Chr. die Cimbern über Servilius Cäpio und Manlius siegten und später Julius Cäsar eine römische Kolonie anlegte (Colonia Saecundanorum). Im Mittelalter gehörte die Stadt erst zum burgundischen Reich und bildete vom 11. Jahrh. an eine eigne Grafschaft, die nacheinander vier Familien besaßen (darunter 1530-1702 das Haus Nassau, das davon den Beinamen Oranien [s. d.] führt) und Ludwig XIV. 1713 mit der Dauphiné vereinigte. Die von Kaiser Karl IV. in O. errichtete Universität wurde in der französischen Revolution aufgehoben. Vgl. Bastet, Histoire de la ville et de la principauté d'Orange (Orange 1856). -

2) (spr. órrendsch) Stadt im nordamerikan. Staat New Jersey, dicht bei Newark, mit kath. College (Seton Hall), großem Park (Llewellyn), zahlreichen Villen und (1885) 15,231 Einw.

Orange, s. Azofarbstoffe.

Orangeade (spr. orangschad), namentlich in Frankreich sehr beliebte Limonade aus Orangen- und Zitronensaft und auf Zucker abgeriebener Orangen- und Zitronenschale.

Orangeat (spr. -angschat), s. Citrus, S. 147.

Orangebäckchen, s. Astrilds.

Orangeblüten, s. Citrus, S. 146.

Orangeblütenöl (Neroliöl), s. Pomeranzenblütenöl.