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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Osmerus; Osmĭum; Osmologīe; Osmōse; Osmunda; Osmundaceen; Osnabrück

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Osmerus - Osnabrück.

stillstandes von Adrianopel aus der Kriegsgefangenschaft entlassen wurde. Nach seiner Rückkehr in Konstantinopel von den Türken glänzend empfangen und als der "Löwe von Plewna" gefeiert, erhielt er den Oberbefehl über die zur Besetzung der Hauptstadt zusammengezogene Armee und erlangte maßgebenden Einfluß auf den Sultan. Am 4. Dez. 1878 ward er zum Kriegsminister ernannt und behauptete sich in dieser Stellung, obwohl er sie aus unersättlicher Geldgier zu seiner Bereicherung durch Unterschleife und Bestechung mißbrauchte.

Osmerus, Stint.

Osmĭum Os, eins der Platinmetalle, findet sich gemeinschaftlich mit Platin, namentlich legiert mit Iridium (als Osmiumiridium), und wird aus den sogen. Platinrückständen gewonnen. Man erhält das O. durch Glühen von Ammoniumosmiumchlorid in schwammförmigem und durch Schmelzen des amorphen Metalls mit Zinn in kristallinischem Zustand. Es ist bläulichweiß, härter als Glas, vom spez. Gew. 22,477 und mithin der schwerste aller bekannten Körper. Das Atomgewicht ist 198,6. Bei sehr hoher Temperatur verdampft es ziemlich schnell, ohne zu schmelzen, und beim Erhitzen an der Luft verbrennt fein verteiltes O. zu Überosmiumsäureanhydrid OsO4 ^[OsO_{4}]; mit Salpetersäure und Königswasser gibt es Überosmiumsäure; nach starkem Glühen widersteht es den Säuren, gibt aber mit schmelzendem Ätzkali und Salpeter osmiumsaures Kali. In trocknem Chlor verwandelt es sich in dunkelrotes Osmiumchlorid OsCl4 ^[OsCl_{4}], welches mit Chlorammonium ein kristallisierbares, schwer lösliches, braunes Doppelsalz bildet. Überosmiumsäureanhydrid OsO4 ^[OsO_{4}] bildet farblose Prismen, riecht höchst stechend (daher der Name O., v. griech. osmē, Geruch), wirkt äußerst heftig entzündend auf die Schleimhäute, besonders die Augen, und erzeugt auch auf der Haut schmerzhaften Ausschlag, schmeckt scharf brennend, nicht sauer, schmilzt unter 100°, siedet bei wenig höherer Temperatur, verflüchtigt sich auch mit Wasserdampf, löst sich langsam, aber reichlich in Wasser und wird durch Metalle und organische Körper leicht reduziert. Man benutzt die Überosmiumsäure in der Mikroskopie als Reagens und Färbemittel. Auch das Osmiumamid, ein orangegelbes, in Wasser lösliches, geruchloses, kristallinisches Pulver, färbt alle tierischen Gewebe erst braun, dann schwarz und kann ebenfalls in der mikroskopischen Technik benutzt werden. Das Osmiumiridium dient zu Stahlfederspitzen.

Osmologīe (griech.), Geruchlehre, besonders Lehre von den Riechstoffen.

Osmōse (Diosmose), s. v. w. Endosmose (s. d.) und Exosmose; auch das Diffusionsverfahren in den Rübenzuckerfabriken und ein auf Dialyse beruhendes Verfahren zur Verarbeitung der Melasse.

Osmunda L. (Traubenfarn, Rispenfarn), Farngattung aus der Familie der Osmundaceen, charakterisiert durch die dünnhäutigen, nur an einer Seite mit einem rudimentären Ring versehenen, an der andern Seite der Länge nach aufspringenden Sporangien. Es sind krautartige Farne mit dickem, oft knolligem Wurzelstock und zweierlei Blättern oder Blattteilen, fruchtbaren rispenähnlichen und sterilen. Von den sieben meist in Asien vorkommenden Arten findet sich in Europa nur: O. regalis L. (Königsfarn), mit 30-90 cm hohen, doppelt gefiederten sterilen und eine dreifach gefiederte Rispe bildenden fruchtbaren Blattabschnitten, in feuchten Gebüschen und Wäldern. Wurzelstock und Fruchtrispen wurden früher arzneilich benutzt.

Osmundaceen, Familie der Farne (s. d., S. 54).

Osnabrück, ehemals reichsunmittelbares Bistum, wurde von Karl d. Gr. nach der Besiegung der Sachsen, wahrscheinlich erst 810, gestiftet. Sein Sprengel umfaßte die Länder zwischen der Ems und Hunte und war der Erzdiözese Köln unterstellt. Unter den Bischöfen Osnabrücks im Mittelalter ist am bedeutendsten Benno II. (1068-88), ein treuer Anhänger Heinrichs IV. Unter Franz, Graf von Waldeck (1532-1553), der zugleich Bischof von Minden und Münster war, fand die Reformation Eingang. In dem Westfälischen Frieden 1648 wurde festgesetzt, daß O. abwechselnd einen katholischen und evangelischen Bischof und zwar letztern aus dem Haus Braunschweig-Lüneburg haben solle. Während der Regierung des evangelischen Bischofs sollte die Ausübung der geistlichen Gerechtsame über die Katholiken jedesmal dem Kurfürsten von Köln als Metropoliten übertragen werden. Der letzte evangelische Bischof war der Herzog Friedrich von York. 1802 ward das Hochstift säkularisiert und kam an Hannover; das Domkapitel ward aufgehoben und die Diözese in geistlicher Hinsicht mit dem Bistum Hildesheim vereinigt. Nach dem Tilsiter Frieden ward das Land zum Königreich Westfalen geschlagen, 1810 zum französischen Kaiserreich, in dem es einen Teil des Departements der Oberems ausmachte, und 1815 zu Hannover. Im April 1857 ward O. als exemtes Bistum wiederhergestellt. Sein Sprengel umfaßt die preußischen Regierungsbezirke O. und Aurich, ferner gehören dazu die apostolische Präfektur für Schleswig-Holstein und das apostolische Vikariat "Nordische Missionen Deutschlands". Das Domkapitel zählt 7 Mitglieder. Nach dem am 30. Juli 1878 erfolgten Tode des Bischofs Johann Heinrich Beckmann (seit 1866), der geschickt den Konflikt mit der Regierung zu vermeiden wußte, blieb das Bistum mehrere Jahre unbesetzt; gegenwärtig ist Dr. Höting Bischof. Vgl. Stüve, Geschichte des Hochstifts O. (Jena 1853-82, 3 Bde.); Möller, Geschichte der Weihbischöfe von O. (Lingen 1887).

Osnabrück, Hauptstadt des gleichnamigen Regierungsbezirks und Stadtkreis der preuß. Provinz Hannover, in einem fruchtbaren Thal an der Hase, Knotenpunkt der Linien Löhne-Rheine, O.-Brackwede, Wanne-Bremen und O.-Piesberg der Preußischen sowie Oldenburg-O. der Oldenburgischen Staatsbahn, 65 m ü. M., hat in seinem alten Kern meist enge, winkelige Gassen und Mangel an stattlichen öffentlichen Plätzen, von denen nur der Domhof und die Domfreiheit mit dem Standbild Justus Mösers (von Drake), der Markt mit der Marienkirche, dem Rathaus und dem 1882 errichteten Stüvedenkmal sowie der Neumarkt mit dem neuen Justizpalast und dem 1880 enthüllten Kriegerdenkmal Erwähnung verdienen. Die neuen Stadtteile dagegen zeigen durchweg breite und freundliche Straßen; die niedergelegten Festungswerke zieren schöne Anlagen. Die Straßen der Stadt sind fast durchgehends kanalisiert. Von hervorragenden Gebäuden sind zu nennen: das ehemalige bischöfliche Residenzschloß, das Rathaus (aus dem 15. Jahrh.), mit den Porträten der 44 Friedensunterhändler und andern Erinnerungen an den Westfälischen Frieden, sowie eine Anzahl von Holzgiebelbauten aus dem 16. und 17. Jahrh. Von den Kirchen

^[Abb.: Wappen von Osnabrück.]