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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Oskisches Spiel; Oskol; Oskulation; Osma; Osman; Osman Digma; Osman Nuri Pascha Ghazi; Osmanbazar; Osmānen; Osmanisches Reich; Osmanje-Orden

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Oskisches Spiel - Osman Nuri Pascha Ghazi.

Leipz. 1850) und Inschriften (vgl. Lepsius, Inscriptiones umbricae et oscae, das. 1841; Zvetaieff, Sylloge inscriptionum oscarum, Petersb. u. Leipz. 1878) auf uns gekommen, unter denen der Stein von Abella und die bantinische Tafel (vgl. Kirchhoff, Das Stadtrecht von Bantia, Berl. 1853) die namhaftesten sind. Vgl. Huschke, Die oskischen und sabellischen Sprachdenkmäler (Elberf. 1856); Fabretti, Glossarium italicum (Tur. 1858-60); Bruppacher, Versuch einer Lautlehre der oskischen Sprache (Zürich 1869). Als das Volk verschwunden war, nannte man den römischen Bauerndialekt Oskisch. Die oskische Schrift, gleichen Ursprungs mit der griechischen und lateinischen, wurde von der rechten zur linken Hand geschrieben und entbehrte des Zeichens für O und der weichen Konsonanten, B ausgenommen. Über das Oskische im allgemeinen vgl. Grotefend, Rudimenta linguae oscae (Hannov. 1839); Mommsen, Oskische Studien (Berl. 1845, Nachträge 1846); Derselbe, Die unteritalischen Dialekte (Leipz. 1850). Die spätern Römer gebrauchten den Namen O., der wohl ursprünglich s. v. w. Bauern bedeutete, um das Plumpe, Pöbelhafte (s. Atellane) zu bezeichnen.

Oskisches Spiel, s. Atellane.

Oskol, linker Nebenfluß des Donez im südlichen Rußland, entspringt im Gouvernement Kursk, mündet unterhalb Isgum im Gouvernement Charkow nach einem Laufe von 318 km Länge. Er ist wasserarm.

Oskulation (lat., "das Küssen"), in der Geometrie die Berührung einer ebenen Kurve durch einen Kreis (Oskulationskreis, s. Krümmung) oder einer Kurve doppelter Krümmung durch eine Ebene (Oskulationsebene), wenn im Berührungspunkt drei gemeinsame Punkte beider Gebilde zusammenfallen.

Osma, uralte, jetzt herabgekommene Stadt in der span. Provinz Soria, am Ucero, mit (1878) 1142 Einw., seit dem 6. Jahrh. Bischofsitz. Hier 938 Sieg des Königs Ramiro von Leon über die Sarazenen unter Abd ur Rahmân von Cordova. Gegenüber, am Ucero, El Burgo de Osma, mit (1878) 3141 Einw.

Osman (Othman), 1) O. I., mit dem Beinamen Al Ghasi (der Eroberer), erster Sultan der Türken, Sohn des Hordenfürsten Ertoghrul, geb. 1259 zu Sukut in Bithynien, folgte seinem Vater 1288 in der Herrschaft über die türkische, in Phrygien angesiedelte Nomadenhorde, die nach ihm den Namen Osmanen annahm, und ward Gründer des türkischen oder osmanischen Reichs, indem er 1299 sich für unabhängig erklärte, den Titel Sultan annahm und das ganze westliche Kleinasien eroberte; starb 1326.

2) O. II., Sohn Achmeds I., geb. 1605, mutig und unternehmend, bestieg 1618 den Thron an Stelle seines abgesetzten Oheims Mustafa I., kämpfte unglücklich gegen die Polen und ward im Mai 1622 bei einem Janitscharenaufstand ermordet.

3) O. III. folgte 1754 seinem Bruder Mahmud I. und regierte bis 1757.

Osmanbazar (Osmanpasar), Stadt in Bulgarien, südwestlich von Schumna, Kreuzungspunkt von fünf großen Straßen, mit (1881) 3846 meist türk. Einw.

Osman Digma, Feldherr des Mahdi (s. d.), befehligte die Araber zwischen dem Nilgebiet und der Küste des Roten Meers, schlug 4. Febr. 1884 ein ägyptisches Heer unter Baker Pascha beim Brunnen El Tib (bei Suakin), wurde zwar 13. März bei Tamanieb von den Engländern unter Graham besiegt, machte denselben aber noch viel zu schaffen und brachte ihnen 22. März 1885 bei Tamai noch einen größern Verlust bei. Er befehligte dann die Truppen des Mahdi in Berber.

Osmānen (Osmanli), offizieller Name der Türken, nach Osman I., dem Gründer ihres Reichs.

Osmanisches Reich, s. v. w. Türkisches Reich.

Osmanje-Orden, türk. Orden, gestiftet vom Sultan Abd ul Asis bei seiner Thronbesteigung 1861 zur Belohnung wichtiger dem Staat geleisteter Dienste. Das Ordenszeichen besteht in einem sechsspitzigen goldenen, grün emaillierten Stern mit silbernen, brillantierten Strahlen in den Ecken. Im rot emaillierten, grün umsäumten Mittelschild stehen in Gold die türkischen Worte: "Der Erwählte durch die Gnade Gottes unsers Herrn Abd ul Asis Chan, Beherrscher des osmanischen Reichs, als Zeichen besondern Verdienstes"; auf der Rückseite befindet sich für die drei ersten Klassen in Gold, für die vierte in Silber das Reichswappen. Der Orden hängt an einem Halbmond mit Stern und an grünem, rot gerändertem Bande. Der Bruststern, den die erste auf der Linken und zweite Klasse auf der Rechten trägt, ist achtspitzig, brillantiert und von Silber; im Mittelschild befindet sich die Legende mit einem Halbmond. Die dritte Klasse trägt den Orden am Hals, die vierte im Knopfloch.

Osman Nuri Pascha Ghazi, türk. Feldherr, geb. 1837 zu Amasia in Kleinasien, trat frühzeitig in die Armee, zeichnete sich im Krimkrieg aus, nahm an der Unterdrückung des kretischen Aufstandes teil, befehligte dann in Asien, ward 1874 Brigade- und 1876 Divisionsgeneral. Er erhielt 1876 im Kriege gegen Serbien den Oberbefehl über das Widdiner Korps, mit dem er die Serben 18. Juli und 7. Aug. bei Veliki-Izwor und Saitschar besiegte, ward im November zum Muschir ernannt und stand 1877 beim Ausbruch des Kriegs mit Rußland mit 35,000 Mann in Widdin. Mit diesen warf er sich zu Anfang Juli, als die Russen bis zum Balkan vordrangen, plötzlich in deren linke Flanke, besetzte Plewna, schlug 20. Juli die Angriffe der Russen unter Schilder-Schuldner und, nachdem er am 27. Lowatz genommen, 30. Juli auch den verstärkten Angriff der russischen Generale Krüdener und Schachowskoi siegreich zurück. Er schuf darauf seine Stellung bei Plewna durch vortrefflich angelegte und ausgeführte Erdbefestigungen in eine starke Festung um, vermehrte seine Armee auf 60,000 Mann und zwang so die Russen, ihr weiteres Vordringen einzustellen, bedeutende Verstärkungen heranzuziehen und ihre Hauptmacht gegen Plewna zu versammeln, das mehrere Monate Mittelpunkt der ganzen Kriegführung war. Am 3. Sept. ging Lowatz an die Russen verloren; aber ein mit der russischen Hauptmacht nach einem mehrtägigen Bombardement 11. Sept. unternommener Angriff auf die Schanzen von Plewna brachte nur einige derselben in die Gewalt der Russen und Rumänen, denen sie O. 12. Sept. durch einen energischen Gegenstoß alle bis auf die Grivitzaschanze wieder entriß. Ein Angriff der Rumänen 19. Okt. ward ebenfalls blutig zurückgewiesen. O. war jetzt der gefeiertste Held der türkischen Armee; der Sultan erteilte ihm den Titel Ghazi (der Siegreiche). Ende Oktober aber gelang seine völlige Einschließung. Da kein Entsatzversuch von den Türken gemacht wurde und O. die Lebensmittel ausgingen, machte er 10. Dez. einen Ausfall, um sich den Weg nach Widdin zu öffnen. Doch traf derselbe auf energischen Widerstand; während desselben besetzten die von allem vorher unterrichteten Russen die von O. verlassenen Werke von Plewna, und so mußte sich O., selbst verwundet, mit seinem Heer auf Gnade und Ungnade ergeben. Von den Russen ehrenvoll behandelt, ward O. nach Charkow gebracht, von wo er bereits im Februar 1878 nach Abschluß des Waffen-^[folgende Seite]