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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Ostasien - Osteologie.

punkt der Eisenbahnen Petersburg-Moskau und O.-Rshew, mit 6 Kirchen (darunter die durch ihren Silberreichtum sich auszeichnete Tropische Kathedrale), 2 Klöstern, einer öffentlichen Bibliothek, Stadtbank, Baumwollspinnerei, Gerbereien, Fabrikation von Schmiede- und Schuhmacherwaren, die einen bedeutenden Ausfuhrartikel bilden, und (1880) 9905 Einw.

Ostasien, Gesamtbezeichnung der Länder an der Ostküste Asiens (Anam-Tonking, China, Korea, russische. Küstenprovinz) und des ihr vorgelagerten Inselreichs Japan.

Oste, linker Nebenfluß der Elbe, entspringt unweit Tostedt im hannöverschen Kreis Harburg, wird bei Spreckens schiffbar, verstärkt sich durch mehrere kleine Zuflüsse und mündet nach 135 km langem Lauf bei Bellini, über 180 m breit. Mit der Hamme, einem Quellfluß der Lesum, ist die O. durch den 16 km langen Oste-Hammekanal verbunden.

Ostealgīe (griech.), der (nervöse) Knochenschmerz.

Osteïtis (griech., Knochenentzündung), s. Knochenfraß.

Osten (Ost), s. Morgen.

Osten, Dorf im preuß. Regierungsbezirk Stade, Kreis Neuhaus, an der Oste und der Eisenbahn Harburg-Kuxhaven, hat eine evang. Kirche, ein Amtsgericht, Branntweinbrennerei, Schiffahrt, Pferde- und Viehmärkte und (1885) 821 Einw.

Osténde, Hauptstadt eines Arrondissements in der belg. Provinz Westflandern, an der Nordsee, durch Kanäle mit Gent, Nieuport und Dünkirchen sowie als Endpunkt der großen Eisenbahnlinie Köln-Lüttich-Mecheln-O. mit sämtlichen größern Städten Belgiens, Hollands, des nordöstlichen Frankreich und der deutschen Rheinlande verbunden. O. ist der zweite Seehafen Belgiens, hat schöne, regelmäßige Straßen, 2 Kirchen, ein schönes Stadthaus (1711 erbaut), ein Handelsgericht, eine Börse, Schiffahrtsschule, ein Schauspielhaus, eine Schiffswerfte, Leinwand-, Segeltuch-, Spitzen-, Tabaks- und Kerzenfabrikation, Taudrehereien, Bierbrauereien, Salzsiedereien, bedeutende Seefischerei (195 Fahrzeuge), Schiffahrt (1884 liefen 558 Schiffe von 189,382 Ton. ein), lebhaften Handel mit Großbritannien, Deutschland, Norwegen (Einfuhr von Holz, Steinkohlen, Wolle, Rohseide etc., 1884 zusammen im Wert von 13¼ Mill. Mk.; Ausfuhr besonders von Butter, Fleisch und Flachs), eine Industrieschule, bischöfliches Seminar und (1887) 22,602 Einw. O. ist Sitz eines deutschen Konsuls. Die ehemaligen beträchtlichen Festungswerke sind in den letzten Jahren geschleift worden. Von höchster Bedeutung für die Stadt sind die vortrefflich eingerichteten Seebäder, die jährlich von 15-20,000 Menschen (meist Deutschen) besucht werden. Die Küste entlang zieht sich, die Stadt vom Meer trennend, ein gewaltiger Steindamm (digue), ca. 1 km lang, 3-4 m breit, der Korso von O., mit großartigen Hotels und Restaurants. Nordöstlich schließt sich an den Damm die sogen. Estakade, zwei weit ins Meer hineinragende Doppelreihen eingerammter Pfähle mit darüberliegenden Bohlen, die zum Schutz des Hafens dienen und ebenfalls als Spaziergang benutzt werden. Der Hafen besteht aus dem Vorhafen, dem Handelshafen, mit Kaianlagen zum Verladen, und dem Binnenhafen. Die meisten Hafenanlagen wurden unter Joseph II. erbaut; Napoleon I. ließ das großartige Bassin de retenue mit mächtigen Schleusenthoren anlegen, dessen bei der Flut zurückgehaltene Wassermassen hinausstürzend das Fahrwasser vertiefen. Jenseit der Hafeneinfahrt, die 150 m lang ist, steht der Leuchtturm, 52,5 m hoch. Regelmäßige Dampfschiffahrt verbindet O. mit London sowie mit den wichtigsten Seehafen der Nordsee und des Landes. 13 km westlich davon liegt das Dorf Westende. - O. war lange ein unbedeutende Fischerdorf, das 1072 von Robert von Friesland zum Flecken erhoben, 1445 von Philipp dem Guten von Burgund mit Mauern umgeben ward. Berühmt wurde O. durch die Belagerung vom 7. Juli 1601 bis 20. Sept. 1604, die mit der Übergabe des Platzes an die Spanier unter Spinola endete. Im spanischen Erbfolgekrieg wurde O. 1706 von den Alliierten belagert und zur Kapitulation genötigt. Im österreichischen Erbfolgekrieg ward es 1745 von den Franzosen erobert, kam aber im Aachener Frieden wieder an die Österreicher. Nachdem Joseph H. O. 1781 zu einem Freihafen erklärt hatte, erhob es sich in kurzer Zeit auf Unkosten der Holländer zu einem der blühendsten Handelsplätze Europas. Im französischen Revolutionskrieg fiel O. durch die Schlacht von Fleurus (1793) mit dem übrigen Belgien in die Hände der Franzosen; 1814 kam es an die Niederlande und 1830 an das Königreich Belgien. Während der beiden folgenden Jahre, in denen Antwerpen von den Holländern besetzt blieb, nahm der Handel von O. einen erstaunlichen Aufschwung, sank jedoch nach dem Frieden so sehr, daß gegenwärtig sein Schiffsverkehr nur ein Zehntel desjenigen von Antwerpen beträgt. Neuerdings macht ihm Vlissingen als Überfahrtsort nach England gefährliche Konkurrenz. Vgl. Verhaeghe, Das Seebad O. (Ostende 1872).

Osten-Sacken, s. Sacken.

Ostensībel (lat.), zum Vorzeigen geeignet; oft verwechselt mit "ostensiv" (s. d.).

Ostensĭon (lat.), das Zeigen, Vorzeigen, besonders das Ausstellen von Reliquien; Ostensionstheater, s. v. w. anatomisches Theater.

Ostensīv (lat.), etwas anschaulich darstellend, z. B. ostensiver Beweis (Gegensatz: apagogischer); ostensive Methode, s. v. w. zeigende (nicht erklärende) Lehrweise; in einem tadelnden Sinn heißt o. auch s. v. w. etwas zur Schau tragend, damit prunkend.

Ostensorĭum (lat.), s. v. w. Monstranz.

Ostentation (lat.), absichtliches Zurschautragen, Prunken; ostentiös, auf O. gegründet, darauf berechnet, die Augen auf sich zu ziehen.

Osteocarcinōm (griech.), s. v. w. Knochenkrebs.

Osteogangrän (griech.), s. v. w. Knochenfraß.

Osteoidgewebe (griech., "knochenähnlich"), tierisches Gewebe, welches sich von dem wirklichen Knochen dadurch unterscheidet, daß ihm die dem Knochen seine Festigkeit gebenden Kalksalze fehlen; kommt vor bei rhachitischen Knochen und in Geschwülsten.

Osteoklasīe (griech.), das gewaltsame Brechen eines Knochens bei Difformität desselben, krumm geheiltem Knochenbruch etc.

Osteolíth, s. Apatit.

Osteologīe (griech., Knochenlehre), derjenige Teil der Anatomie, welcher sich mit der Beschreibung der Knochen nach ihrer äußern Gestalt beschäftigt. Die Anfänge der O. lassen sich bis auf Hippokrates und Aristoteles zurückführen. Der römische Arzt Celsus lieferte einen kurzen Abriß der O. als Einleitung zu der Lehre von den Verletzungen und Krankheiten der Knochen, Galen erwähnt die künstliche Zusammenfügung der Knochen unter dem Namen Skelett und beschreibt einzelne Knochen und ihre Gelenkverbindungen. Am schnellsten entwickelte sich die O. um die Zeit des 15. und 16. Jahrh., als die Zergliederung der Leichen allmählich Eingang gewann und man die einzelnen Knochen durch Maceration für die Untersuchung gehörig zu-^[folgende Seite]