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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Palastrevolution - Palauinseln.

Palastrevolution, der Sturz eines Staatsbeherrschers, welcher sich ohne Erhebung der Massen im Innern des Palastes durch eine Intrige vollzieht.

Palata (russ., "Palast"), die Residenz des Zaren oder eines Großfürsten; auch Bezeichnung einer Behörde, welche in derselben ihren Sitz hat.

Palatāle (lat.), Gaumenlaute, s. Lautlehre. Von den sehr nahe verwandten Gutturalen (Kehllauten) unterscheiden sie sich dadurch, daß sie weiter vorn im Mund, am harten Gaumen, gebildet werden, weshalb sie sehr leicht in Dentale oder Dentale mit folgendem sch übergehen, wie ital. face (spr. fatsche), "Fackel", aus lat. facem. Eine besondere Klasse von Lauten bilden die P. namentlich im Sanskrit und in den slawischen Sprachen.

Palatin (franz., spr. -tang, auch Palatine), Pelzkragen, dem ähnliche Halsbekleidung der Damen.

Palatināt (lat. Palatinatus), Gebiet der Comites palatini (Pfalzgrafen), die an den Höfen der fränkischen Könige zu und nach der Zeit der Karolinger Oberrichter waren. Späterhin wurden diese Ämter und die damit verbundenen Besitzungen erblich; der Name jedoch blieb nur einigen Strichen, wie P. ad Rhenum (die Rheinpfalz), P. superior oder Bavariae (Pfalz-Bayern), P. inferior (Unter- oder Kurpfalz), P. Neoburgicus (Pfalz-Neuburg), P. Saxoniae (Pfalz-Sachsen), P. Sueviae (Pfalz-Schwaben). Vgl. Pfalzgraf.

Palatīna bibliothēca (lat.), eine von Augustus zu Rom gegründete öffentliche Bibliothek, welche sich in einem Anbau des Apollotempels auf dem Palatinischen Hügel befand und wahrscheinlich bei dem Neronischen Brand (64 n. Chr.) mit zu Grunde gegangen ist. Auch die von den Kurfürsten von der Pfalz gesammelte Heidelberger Bibliothek (s. Heidelberg) heißt so.

Palatīnischer Berg (Palatium oder Mons Palatinus), einer der sieben Hügel des alten Rom (s. d.), von unregelmäßig viereckiger Gestalt, in der Mitte der übrigen sechs gelegen, 51 m ü. M. hoch. Hier befand sich das älteste Rom (Roma quadrata), von dessen Umwallung mit großen Tuffblöcken sich Reste bis heute erhalten haben. Das Palatium trug die ältesten Heiligtümer Roms, wie das Lupercal, jene von einem Feigenbaum beschattete Höhle, in welcher die Wölfin Romulus und Remus säugte, die Casa Romuli, welche noch zu Konstantins Zeiten vorhanden war, die Ara Maxima etc. Sonst ist aus älterer Zeit in topographischer Hinsicht fast nichts bekannt, als daß gegen das Ende der Republik die Straßen am nördlichen Rande des Palatinischen Bergs die von den Reichen bevorzugte und mit privaten Prachtbauten geschmückte Stadtgegend bildeten. Alles, was die obere Fläche des Hügels an Bauten bedeckte, mußte mit Ausnahme jener Heiligtümer den seit Augustus beständig erweiterten und bis in das 3. Jahrh. mit immer steigendem Luxus aufgeführten Palästen der Kaiser weichen. Die am vollständigsten erhaltenen und in ihren Unterbauten in neuester Zeit frei gelegten Reste dieser Residenzen gehören den Bauten des Gajus Cäsar (Caligula) im N., des Domitianus in der Mitte des Hügels und des Septimius Severus im S. an. Die letzten Kaiser, welche auf dem Palatinischen Berg selbständige Bauten aufführten, waren Elagabalus und Severus Alexander. In der Völkerwanderung wurden die ohnehin schon vernachlässigten Paläste geplündert und teilweise zerstört, die Architekturstücke anderweitig verwendet und verschleppt; die Fehden der mittelalterlichen Großen vollendeten die Verwüstung, und schließlich war der ganze Hügel nur noch mit Vignen bedeckt. Die Ausgrabungen begannen 1848 durch Rußland; dann folgte Pius IX., welcher fast den ganzen Hügel, soweit er in Privatbesitz war, erwarb, und 1860 Napoleon III., der die Farnesischen Gärten ankaufte und durch Pietro Rosa nachgraben ließ. Die italienische Regierung hat dann die ganze Oberfläche des Hügels, mit Ausnahme eines Klosters der Salesianerinnen, frei gelegt. Vgl. Jordan, Die Kaiserpaläste in Rom (Berl. 1868); Visconti und Lanciani, Guida del Palatino (Rom 1873).

Palatinīt, s. Melaphyr.

Palatīnus (lat.), im byzantin. Reich jeder, der als Hof- oder Staatsbeamter zum kaiserlichen Hoflager (palatium) gehörte, insbesondere Titel der hohen Finanzbeamten. Im Mittelalter wurden die Großen des Reichs, die sich am königlichen Hof aufhalten, P. genannt (vgl. Paladin), und der einflußreichste von ihnen war der Comes palatinus oder Pfalzgraf (s. d.). Im ehemaligen Königreich Polen führte jeder Statthalter einer Provinz diesen Titel, den vorzeiten auch in Frankreich die Grafen von Champagne und Béarn trugen, weil in ihren Palästen Recht gesprochen ward. In Ungarn dagegen hieß seit Matthias Corvinus P. (auch comes magnus, Großgraf, ungar. Nagy Ur Ispan) der vornehmste unter den Magnaten, der aus vier vom König vorgeschlagenen Kandidaten von den zum Reichstag versammelten Ständen gewählt ward, um Stellvertreter des Königs und Vermittler zwischen ihm und dem Volk zu sein. Zuletzt fungierte als solcher der Erzherzog Stephan, welcher 1847 zum P. (Erzherzog-P.) ernannt worden war.

Palatĭum (lat.), s. v. w. Palatinischer Berg (s. d.); dann Prachtgebäude für Kaiser und Hof, Palast; in den Klöstern im Mittelalter auch s. v. w. Speisesaal. Vgl. Palast und Pfalz.

Palatum (lat.), Gaumen.

Palauinseln (Palao, Peljuinseln, engl. Pelew), span. Inselgruppe im O. von Mindanao, gewöhnlich zu den Westkarolinen gerechnet (s. Karte "Hinterindien") besteht aus 26 hügeligen, meist schmalen, von Korallenriffen umgebenen und stark bewaldeten Inseln, mit einem Gesamtareal von 443 qkm (8 QM.). Das Klima ist gesund, der Boden fruchtbar und gut bewässert. Flüsse gibt es nicht, dagegen Bäche, Quellen und Süßwasserteiche. Vortrefflich gedeihen hier Kohl- und Kokospalmen, Brotfruchtbäume, Arekanüsse, Bambus, Katappanußbäume, Zuckerrohr, Pisang, Yams etc. Von einheimischen vierfüßigen Tieren gibt es nur Ratten und Vampire; Rindvieh, Schafe, Ziegen und Schweine sind von den Europäern eingeführt und gut gediehen. Schildkröten gibt es im Überfluß, und das Meer ist reich an Fischen und Trepang. Von den Inseln ist Babelthouap oder Baobeltaob (300 qkm) die größte. Die Bewohner, ca. 10,000, sind Malaien, dunkel kupferfarbig, von mehr als mittlerer Größe, mit langen, schwarzen Haaren (s. Tafel "Ozeanische Völker", Fig. 17 u. 18). Die Männer gehen nackt; die Weiber tragen kleine, um die Hüften gebundene Schürzen von Kokos- oder Pisangfasern. Sie tättowieren Arme und Beine mit großer Sorgfalt. In Bezug auf ihren Charakter werden sie als liebenswürdig und gutmütig geschildert; doch gelang es den Missionären nur mit Mühe, bei ihnen Eingang zu finden. Über ihre seltsamen sozialen Einrichtungen, ihr Zusammenleben in Familiengruppen (Clöbbergölls) etc. berichtet K. Semper (s. unten). Die P. wurden 1696 entdeckt und 1710 von dem Spanier Padilla besucht, aber erst 1783 durch