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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Panompeng; Panophthalmitis; Panoplia; Panopolis; Panoptikum; Panorama

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Panompeng - Panorama.

zu ordnen und zu veröffentlichen, und reiste mit demselben 1828 abermals nach Italien, wo er die Ausgrabungen von Nola leitete und sich an der Gründung des Archäologischen Instituts (1829) beteiligte. Nach seiner Rückkehr nach Berlin (1836) wurde er zum ordentlichen Mitglied der dortigen Akademie der Wissenschaften und 1843 zum außerordentlichen Professor der Archäologie ernannt. Er starb 20. Juni 1858 in Berlin. Von seinen zahlreichen Schriften, in denen sich jedoch meist ein Suchen nach künstlichen Ideenverbindungen und versteckten Anspielungen ungebührlich breit macht, und die heute nur noch durch ihre Abbildungen Wert haben, sind zu erwähnen: "De rebus Samiorum" (Berl. 1822); "Museo Bartoldiano" (das. 1827); "Neapels Antiken" (Stuttg. 1828); "Musée Blacas" (Par. 1830-33, 4 Lfgn.); "Cabinet du comte de Pourtalès-Gorgier" (das. 1834); "Bilder antiken Lebens" (Berl. 1843); "Griechinnen und Griechen, nach Antiken skizziert" (das. 1844). Zu den Abhandlungen der Akademie steuerte er unter andern bei: "Zeus und Ägina" (1837) und "Argos Panoptes" (1837); "Terrakotten des königlichen Museums zu Berlin" (1841-42); "Die Heilgötter der Griechen" (1843); "Asklepios und die Asklepiaden" (1846); "Die griechischen Trinkhörner" (1850); "Parodien und Karikaturen auf Werken der klassischen Kunst" (1851); "Zufluchtsgottheiten" (1854); "Dichterstellen und Bildwerke in ihren wechselseitigen Beziehungen" (1856).

2) Heinrich, Violinspieler und Gesanglehrer, geb. 3. Okt. 1807 zu Breslau, bezog 1824 die dortige Universität, um die Rechte zu studieren, folgte aber bald danach seiner von Kindheit an ausgesprochenen Neigung zur Musik und bildete sich in Wien unter Mayseders und Hoffmanns Leitung zum Violinvirtuosen und Komponisten aus. Nach längern Kunstreisen, auf denen namentlich in Berlin sein Violinspiel reichen Beifall fand, kam er 1834 nach Paris, wo er, angeregt durch die Leistungen der dort an der Italienischen Oper wirkenden Sänger, sich mehr und mehr dem Kunstgesang zuwandte und denselben unter Bordogni so eifrig studierte, daß er bald neben diesem als einer der gesuchtesten Lehrer gelten konnte. 1847 von Lumley als artistischer Beirat der Direktion des Italienischen Theaters nach London berufen, fand er hier ebenfalls einen ausgedehnten Wirkungskreis als Gesanglehrer, ging jedoch mit Beginn des zweiten Kaiserreichs nach Paris zurück und bethätigte sich dort in gleicher Eigenschaft bis 1866, in welchem Jahr er sich nach Florenz zurückzog. Er starb 18. Nov. 1887 in Karlsruhe. P. hat nicht nur die Violinlitteratur durch eine Anzahl schätzbarer Kompositionen im brillanten Salonstil bereichert, sondern auch durch seine Gesangunterrichtswerke: "L'art de chanter" (auch in deutscher und italienischer Sprache zu Leipzig und Mailand erschienen) und "Vademecum du chanteur" das Gesangstudium wesentlich gefördert. Auch als Kritiker hat er Anerkennenswertes geleistet.

Panompeng (Pnompen), Hauptstadt des franz. Schutzstaats Kambodscha in Hinterindien, 300 km von der Mündung des Mekhong, an der Spitze des Deltas, welches seine Arme von da ab bilden, und nahe der Einmündung des Abflusses des großen Binnensees Tale-sab, mit über 30,000 Einw. Die Stadt wurde 1864 statt des frühern Udong zum zweitenmal zur Residenz gemacht, weil sich hier der König unter dem Schutz französischer Soldaten einer Empörung seiner Unterthanen gegenüber sicherer glaubte.

Panophthalmitis (griech.), s. Augenvereiterung.

Panoplia (griech.), die vollständige Rüstung eines schwerbewaffneten Kriegers (s. Hopliten); Panoplion, s. v. w. Waffensammlung.

Panopolis, Stadt, s. Chem.

Panoptikum (griech.), eine "alles" zur Anschauung bringende Anstalt, also eine Sammlung von allerlei Apparaten zur anschaulichen Belehrung durch Experimente etc.; dann eine Sammlung von vielerlei Gegenständen, wie Castans P. in Berlin, welches hauptsächlich Wachsfiguren enthält.

Panorama (griech., "Allschau, Allübersicht", Rundgemälde), eine besondere Art von landschaftlichen Gemälden mit und ohne Figuren, welche teils durch die Totalität der Rundschau, teils durch die als Wirkungsmoment angewandte Bewegung des Standpunktes weniger auf den künstlerischen Schein als auf die Erreichung natürlicher Illusion berechnet sind. Bei dem Landschaftsgemälde im gewöhnlichen Sinn ist der Standpunkt des Beschauers als fest angenommen, und es wird nur so viel von dem Natur-Sichtbaren dargestellt, als (das Auge als Spitze eines Kegels angenommen, dessen Winkel 90° beträgt) in den dadurch gebildeten Sehkreis fällt. Ein natürliches P. bietet sich dem Beschauer dar, wenn er, etwa auf einem hohen Berg stehend, sich allmählich im Kreis dreht und so die ganze Umgegend nach und nach an seinem Auge vorüberziehen sieht. Denkt man sich nun dieses Band, welches den Beschauer cylinderförmig umgibt, an einer Stelle von oben nach unten zerschnitten und der Breite nach auf eine gerade Fläche ausgebreitet, so hat man die Darstellung eines Panoramas. Um dasselbe zu sehen, ist also eine künstliche Vorrichtung nötig, wodurch die Bewegung des Nacheinander wiederhergestellt wird. Dies kann auf doppelte Weise geschehen: entweder wird das Längenbild langsam vor den Augen des Beschauers vorübergezogen (Cyklorama, s. unten), oder es bedeckt, in sich zurückkehrend, die Wand eines cylinderförmigen Raums, in dessen Mittelpunkt der Beschauer sich befindet (eigentliches P.). Indem nun durch künstliche, dem Beschauer nicht direkt sichtbare Beleuchtung, sei es von oben durch konzentriertes Tageslicht, sei es durch Lampen, das Gemälde derartig in Wirkung gesetzt wird, daß es dem Natureindruck möglichst nahekommt, so entsteht jene Illusion, welche der eigentliche Zweck des Panoramas ist und zuweilen noch durch künstliche Naturnachahmung atmosphärischer Erscheinungen, wie Donner, Regen, Schneefall u. dgl., verstärkt wird. Panoramen wurden von dem Architekturmaler Breysig in Danzig erfunden und zuerst von dem irischen Maler Robert Parker 1787 ausgeführt. Er machte einen Versuch im kleinen mit der Ansicht von Edinburg und ließ später in London eine 30 m im Durchmesser haltende Rotunde ausführen, worin er die Darstellung der russischen Flotte zu Spithead zeigte. Etwas später stellte man Panoramen zu Paris auf, wo sie durch Fontaine, Bourgeois und Prevost sehr verbessert wurden, und von wo sie dann in allen größern Städten Europas Eingang fanden. Einen neuen Aufschwung nahm die Panoramenmalerei seit dem deutsch-französischen Krieg, nachdem schon 1867 in den Champs-Elysées zu Paris ein Versuch mit einem P. der Schlacht von Solferino gemacht worden war. Dasselbe wurde 1875 durch ein kolossales, die Verteidigung von Paris darstellendes Rundbild von Philippoteaux ersetzt, auf welchem der Künstler nicht bloß mit malerischen, sondern auch mit plastischen Mitteln die Illusion der Wirklichkeit zu erreichen suchte. Dieses Prinzip blieb fortan für die Panoramenmalerei maßgebend und ge-^[folgende Seite]