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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Papat; Papatace; Papaver; Papaveraceen; Papay; Papayaceen; Papayotin; Pape

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Papat - Pape.

Papat (neulat.), päpstliche Würde, Papsttum.

Papatace (ital., spr. -tahtsche, "Papa, schweigt"), Spottname, s. v. w. gutmütiger Tropf.

Papaver L. (Mohn), Gattung aus der Familie der Papaveraceen, ein- oder mehrjährige, kahle oder mehr oder minder borstig behaarte, häufig blaugrüne Kräuter mit weißem Milchsaft, abwechselnden, meist gelappten oder verschieden geteilten Blättern, langgestielten, großen, an Haupt- und Seitenachsen einzeln endständigen Blüten und krug- oder keulenförmiger, ovaler oder fast kugelrunder, 4-20kammeriger, von der schildförmigen Narbe gekrönter, vielsamigen unter der Narbe meist in Löchern aufspringender Kapsel. 14 Arten, meist in den gemäßigten und subtropischen Klimaten Europas, Asiens und Nordafrikas. P. somniferum L. (Gartenmohn), einjährig, 60-150 cm hoch, mit kahlem, bläulich bereiftem Stengel und kahlen, länglichen Blättern, von denen die untern gestielt, zerschlitzt, die obern stengelumfassend, eingeschnitten oder ganzrandig sind. Die Kapsel ist kugelig oder oval, kahl, bis 6 cm im Durchmesser. Der Gartenmohn ist vielleicht nur eine Kulturform des auf den Hyèrischen Inseln, Corsica, Cypern und dem Peloponnes heimischen borstenhaarigen P. setigerum Dec. und wird bei uns als Zierpflanze und zur Samengewinnung kultiviert. Man unterscheidet weißen Mohn, mit weißen, hochroten oder weiß und roten Blüten, großen, geschlossenen Kapseln und weißen Samen; gemeinen Schließmohn, mit fleischroten oder lilafarbenen, an der Basis dunkel gefleckten Blumenblättern, großen, geschlossenen Köpfen und blauen und grauen Samen; Schüttelmohn, mit weißen, am Grunde tief lila gefleckten Blumenblättern, etwas kleinern, aufspringenden Kapseln und blauen oder grauen Samen. Der Mohn verlangt einen milden, warmen Boden in warmer Lage und gedeiht am besten in mildem Kalkmergellehm und sandigem Lehm. Man bringt ihn nach gut gedüngter Hackfrucht früh ins Land und hilft mit Jauche oder Guano nach. Ein Hektar fordert 1 kg Samen. Haben die Pflanzen das vierte Blättchen getrieben, so werden sie gejätet und so gestellt, daß sie 8-10 cm voneinander entfernt stehen. Später behackt man sie und stellt sie 15-30 cm weit voneinander, auch pflegt man wohl noch einmal zu behacken und zu stellen. Die geernteten Kapseln des Schüttelmohns werden nur ausgeschüttelt, die des Schließmohns werden auf Mohnmühlen zerbrochen und darauf die Samen abgesiebt. Der Ertrag stellt sich auf 20-40 Ztr. pro Hektar. Im Orient gewinnt man aus den noch nicht völlig reifen Kapseln das Opium (s. d.); die getrockneten unreifen Kapseln waren offizinell, sie enthalten bis 0,25 Proz. Morphium und 0,15 Proz. Narkotin, und ihre sehr gebräuchliche Anwendung als schlafmachendes Mittel für kleine Kinder ist deshalb verwerflich. In den reifen Kapseln steigt der Morphiumgehalt auf 2 Proz. Der Mohnsame wird häufig gegessen, noch mehr benutzt man ihn zur Gewinnung des Mohnöls; der weiße Same ist offizinell, er enthält ca. 50 Proz. fettes Öl, 12 Proz. Proteinsubstanzen, 23 Proz. Pektinstoffe, aber keine narkotischen Substanzen und dient zur Darstellung von Emulsionen. P. rhoeas (Klatschmohn, Feldmohn, Feuerblume, Kornrose), rauhhaarig, mit mattgrünen, tief fiederspaltigen Blättern, scharlachroten, am Grund in der Regel schwarz gefleckten Blumenblättern und verkehrt eiförmigen, am Grund abgerundeten, mit 8-12 sich deckenden Narbenlappen versehenen Kapseln, kommt besonders im Getreide vor, seine Blumenblätter waren als schleimiges Mittel offizinell. Der Mohn war bei den Alten der Demeter heilig, weil er ihren Schmerz über den Raub ihrer Tochter gelindert hatte, als sie ihn bei Mekone in Sikyonien fand. Der weiße Mohn ist die Wappenblume der Türkei.

Papaveraceen (Mohnpflanzen), dikotyle Pflanzenfamilie aus der Ordnung der Rhöadinen, einjährige und perennierende Kräuter mit Milchsaft, wechselständigen Blättern und vollständigen, regelmäßigen Blüten, welche einzeln auf langen Blütenstielen stehen oder eine Dolde bilden. Der Kelch besteht aus zwei oder drei beim Aufgehen der Blüten bereits abfallenden Blättern; die großen, lebhaft gefärbten, ebenfalls hinfälligen Blumenblätter stehen in der doppelten oder dreifachen Anzahl auf dem Blütenboden und haben unregelmäßig gefaltete Knospenlage. Die Staubgefäße stehen in großer Anzahl in mehreren Kreisen auf dem Blütenboden; der Fruchtknoten ist oberständig, zwei- bis mehrblätterig, einfächerig und mit unvollständigen Scheidewänden versehen. Die zahlreichen amphitropen oder anatropen Samenknospen stehen an einer wandständigen Placenta, welche von den verwachsenen Fruchtblatträndern gebildet wird, oder an den unvollständigen Scheidewänden. Der Fruchtknoten trägt meist unmittelbar eine große, sitzende, scheibenförmige Narbe, welche meist aus so vielen Strahlen besteht, als Fruchtblätter und Scheidewände vorhanden sind. Die Frucht ist eine Kapsel und zwar entweder schotenförmig, indem sie unter Stehenbleiben der wandständigen Placenta in zwei Längsklappen zerfällt, oder streubüchsenförmig, indem sie mittels Löcher sich öffnet, welche unterhalb der Narbenscheibe sich bilden und mit den Scheidewänden abwechseln. Die zahlreichen, oft kleinen, etwas nierenförmigen Samen haben eine krustige Schale, ein fleischig-öliges Endosperm und im Grunde desselben einen sehr kleinen Keimling. Die ca. 60 Arten gehören hauptsächlich der nördlichen gemäßigten Zone, besonders Europa und Nordamerika, an und sind durch eigentümliche Alkaloide (Morphin, Codein, Narkotin u. a.) und Säuren (Mekonsäure) zum Teil wichtige Arzneipflanzen. In den Samen enthalten sie fettes Öl.

Papay (Melonenbaum), s. Carica.

Papayaceen, dikotyle, in den Tropen heimische Pflanzenfamilie aus der Ordnung der Passiflorinen.

Papayotin (Papayacin, Papain), Ferment im Milchsaft des Melonenbaums, wird erhalten, indem man den Saft mit Wasser verdünnt, nach einiger Zeit filtriert, mit wenig Alkohol bis zur beginnenden Fällung versetzt, wieder filtriert und nun in 7 Volumen Alkohol gießt. Das abgeschieden P. wird abgepreßt und bei gelinder Wärme getrocknet. P. löst Eiweißkörper und verwandelt sie auch in neutraler und alkalischer Lösung in Peptone. 1 g P. verdaut 200 g Fibrin. Man hat das P. daher bei Verdauungsstörungen, namentlich aber mit großem Erfolg bei Diphtheritis und Krupp angewandt. Es lockert die diphtheritischen und kruppösen Membranen, so daß dieselben leicht ausgehustet werden.

Pape, 1) Wilhelm, Lexikograph, geb. 3. Jan. 1807 zu Kulm, wurde 1828 Lehrer, 1837 Professor am Gymnasium zum Grauen Kloster in Berlin und starb 23. Febr. 1854 daselbst. Seine Hauptwerke sind: "Etymologisches Wörterbuch der griechischen Sprache, nach den Endsilben geordnet" (Berl. 1836) und "Handwörterbuch der griechischen Sprache" (Braunschw. 1842-45, 4 Bde.; 3. Aufl., bearbeitet von Sengebusch und Benseler, 1875-80).

2) Alexander August Wilhelm von, preuß.