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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Papierschirting - Papilionaceen.

Mittelmeer, besonders die sizilische Küste und den Busen von Tarent. Er war schon den Alten bekannt, und man fabelte, daß das Weibchen die verbreiteten Arme als Segel benutzt, während es thatsächlich mit ihnen rudert. Vgl. Müller, Über das Männchen von Argonauta und die Hektokotylen (Leipz. 1853).

Papierschirting, auf einer Seite mit Schirting oder einem lockern Gewebe überzogenes Papier, welches große Festigkeit, namentlich gegen Einknicken, besitzt und zu Zeichenpapier, Briefumschlägen etc. benutzt wird. Zur Darstellung legt man bei der Fabrikation des Papiers (s. d.) an geeigneter Stelle vor den Gautschwalzen eine Rolle dieses Zeugs über die Papiermaschine und läßt dasselbe mit dem Papier durch die Gautschpresse laufen, wodurch sich das noch nasse Papierzeug mit dem Gewebe fest verbindet. Mitunter, z. B. zur Anfertigung von Papierwäsche, werden beide Teile in abgemessenen Größen auch durch Stärkekleister zusammengeklebt.

Papierschneidemaschine, die Beschneidemaschine der Buchbinder; s. Buchbinden, S. 545.

Papierspitzen, s. v. w. Spitzenpapier.

Papierstereotypie, s. Stereotypie.

Papierstramin (Papierkanevas), mit regelmäßigen Öffnungen versehenes Kartonpapier, dient wie Kanevas als Unterlage zu Stickereien.

Papierstuck, s. Papier mâché.

Papierwährung, s. Papiergeld und Währung.

Papierwäsche, aus Papier oder besser aus Papier in Verbindung mit einem Gewebe hergestellte Wäschestücke, namentlich Kragen und Manschetten, welche die leinene Wäsche täuschend nachahmen. Zur Herstellung der P. benutzt man dünne sogen. Kartons, hauptsächlich aus Holzschliff, welchem zur Erleichterung der Appretur etwa 20 Proz. erdiger Stoffe beigemischt werden. Soll die Wäsche allein aus Papier erzeugt werden, so überzieht man die Kartons auf einer Seite mittels großer Handbürsten oder Streichmaschinen (s. Tapeten) mit sogen. Email (Stärkekleister mit Kreide, Blanc fixe etc.); im andern Fall klebt man sie mittels Kleisters, dem etwas Leimwasser zugesetzt ist, auf feines Gewebe auf oder benutzt den Papierschirting (s. d.) und überzieht letztern mit obiger Appreturmasse. Nach dem Trocknen werden die Kartons in einem Walzenkalander appretiert, d. h. geglättet, und, wenn kein Schirting gebraucht, mit Hilfe eines mitdurchlaufenden Musselinstreifens oder einer gemusterten Gaufrierwalze gewebeartig gemustert. Daraus folgt das Ausschlagen der Manschetten etc. mittels Ausschlageisen von der Gestalt der verlangten Teile, das Aufkleben kleiner Leinwandstücke für die Knopflöcher, Ausschlagen der letztern auf Lochmaschinen und endlich das Einpressen der Ziernähte, Muster etc. sowie das Umbiegen der Ränder ebenfalls auf besondern Maschinen. Die Schirtingpapierwäsche wird auf dieselbe Weise fabriziert, nur mit dem Unterschied, daß das Aufkleben der Leinwandstücke für die Knopflöcher in Wegfall kommt.

Papilio, Schmetterling; nach Linné Gattung der Schmetterlinge, sämtliche Tagfalter umfassend, gegenwärtig Name einer Tagfaltergattung, wozu der Schwalbenschwanz (s. d.) und Segelfalter gehören.

Papilionaceen (Schmetterlingsblütler), dikotyle Familie aus der Ordnung der Leguminosen, einjährige und perennierende Kräuter, Sträucher und Bäume. Die Blätter sind wechselständig, gestielt und selten einfach, meist zusammengesetzt, entweder handförmig, meist dreizählig oder auch mehrzählig, oder unpaarig oder paarig gefiedert; im letztern Fall endigt der Blattstiel mit einer einfachen Spitze oder mit einer Ranke, bisweilen hat er dann nur ein einziges Paar Fiederblättchen, oder letztere fehlen wohl auch ganz, und der Blattstiel ist dann manchmal blattförmig als Phyllodium entwickelt. Nebenblätter sind meist am Grunde des Blattstiels vorhanden, bald verhältnismäßig klein, bald sehr groß, blattartig, stehen bleibend, bisweilen auch in Form von Stacheln. Die Blüten bilden meist end- oder achselständige Trauben, Ähren oder Köpfchen; bisweilen ist die Infloreszenz auf eine einzige Blüte reduziert. Die Blüten sind meist vollständig, zygomorph und schmetterlingsförmig. Der Kelch besteht aus fünf verwachsenen Blättern, ist mehr oder weniger trichterförmig, mit meist ungleich fünfzähnigem Saum. Die fünf Blumenblätter sind am Grunde des Kelchs befestigt, wechselständig mit den Kelchzähnen und von ungleicher Bildung. Das hintere (Fahne, vexillum) ist das größte, meist aufgerichtet und ausgebreitet, gleichhälftig; die beiden seitlichen (Flügel, alae) sind unter sich gleich, aber ungleichhälftig; die beiden vordern sind meist nur am Grund mit ihren Nägeln frei, mit ihrem obern Teil miteinander zu einem kielartig konkaven Blatt (Kiel oder Schiffchen, carina) verwachsen. Die Staubgefäße entspringen an derselben Stelle wie die Blumenblätter und sind in der doppelten Anzahl derselben vorhanden. Die Filamente sind selten frei, meist diadelphisch in der Weise, daß sie zu einer Röhre verwachsen sind, welche an der hintern Seite gespalten ist, indem das zehnte Staubgefäß, welches vor der Fahne steht, frei bleibt; seltener ist dasselbe auch mit verwachsen, die Staubgefäße also monadelphisch. Der oberständige Fruchtknoten wird von einem einzigen Karpell gebildet; er ist daher einfächerig, bildet mit seinen verwachsenen Rändern eine Bauchnaht, welche der Fahne zugekehrt ist, und an derselben trägt er inwendig die in zwei Reihen übereinander stehenden, seltener auf wenige oder eine reduzieren, anatropen oder amphitropen Samenknospen. Der Fruchtknoten wird von der Staubgefäßröhre umgeben, an der Spitze setzt er sich in einen einfachen Griffel fort, welcher mit einer endständigen oder einseitigen, kahlen oder gebarteten Narbe endigt. Die Frucht ist meist eine Hülse, die sich an der Bauch- und Rückennaht zweiklappig öffnet; bisweilen ist sie durch Querscheidewände, die sich zwischen den Samen ausbilden, in eine Reihe von Fächern geteilt; oft schnürt sich dabei auch die Frucht an diesen Stellen ein und bildet eine Gliedernuß (lomentum), indem sie in ebenso viele einsamige Glieder zerfällt; oder endlich sie ist nußartig und dann gewöhnlich einsamig. Die mehr oder weniger nierenförmigen oder eiförmigen Samen haben eine glatte, lederartige Schale, kein Endosperm und einen meist gekrümmten Embryo mit sehr großen und dicken Kotyledonen, welche bei der Keimung entweder unterirdisch bleiben, oder über den Boden hervortreten und dann mehr oder weniger blattartig und grün gefärbt sind. Die mit den P. nahe verwandte Familie der Cäsalpiniaceen unterscheidet sich von ihnen vorzugsweise durch die nicht vollkommen schmetterlingsförmige, bisweilen sogar regelmäßige Ausbildung der Blumenkrone, meist freie Staubgefäße und einen mehr oder weniger zweiblätterigen Kelch.

An den Wurzeln der P. treten häufig knöllchenartige Bildungen (Wurzelknöllchen) auf, welche Malpighi als Tiergallen oder krankhafte Auswüchse, neuere Forscher als Produkte von Bakterien betrachteten. Später ergab sich, daß die vermeintlichen Bakterien in den Zellen der Knöllchen die in einzelne Stücke zerfallenden Teile des netz- oder schwamm-^[folgende Seite]