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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Pardunen - Parenzo.

geschlechts gelangte (aus demselben stammte der erste Prager Erzbischof, Ernst von P., zur Zeit Karls IV.), in den Hussitenkriegen viel zu leiden hatte und von 1560 bis 1863 Staatsherrschaft war.

Pardunen, s. Takelage. ^[richtig: Takelung.]

Paré, Ambroise, Mediziner, geb. 1517 zu Bourg Hersent bei Laval im Departement Maine, bildete sich drei Jahre hindurch unter den Barbiers-chirurgiens des Hôtel-Dieu in Paris, machte 1536 als Wundarzt den Feldzug in Italien mit, ward 1545 Schüler des Anatomen Jacques Dubois, 1552 Leibwundarzt Heinrichs II. und diente in gleicher Eigenschaft Franz II., Karl IX. und Heinrich III. 1554 wurde er in das Collège de St.-Côme aufgenommen. Er starb in Paris 20. Dez. 1590. P. hat für die gesamte Chirurgie die Bedeutung eines Reformators; seine größten Verdienste sind aber unzweifelhaft erstens die Umgestaltung der Lehre von den Schußwunden, welche er zuerst als bloße Kontusionswunden mit einem einfachen Verband, gegenüber der bis dahin herrschenden Sitte, dieselben als "vergiftete" Wunden mit heißem Öl zu kauterisieren, behandelte, und zweitens die Verbesserung der Amputation durch Einführung der Unterbindung der blutenden Gefäße an Stelle der früher gebräuchlichen blutstillenden Medikamente und des Glüheisens. Seine in der Geschichte der Chirurgie epochemachenden Werke (neue Ausg. von Malgaigne, Par. 1840-41, 3 Bde.), unter denen die "Cinq livres de chirurgie" das wichtigste sind, wurden ins Lateinische (das. 1562, Frankf. a. M. 1594) und Deutsche (das. 1604 u. 1631) übersetzt. Vgl. Paulmier, Ambr. P. (Par. 1884).

Parechēsis (griech.), Klangnachahmung, Verbindung ähnlich lautender Wörter als Redefigur.

Parēcis, Serra dos, Höhenzug in der brasil. Provinz Mato Grosso, ein Teil der Cordillera Geral, ist nach O. in ein welliges Tafelland abgeplattet (Campos dos P.), das fast ganz mit lockerm Sand überschüttet und so unfruchtbar ist, daß man daselbst nur hartblätterige, fast lose Halbsträucher findet. Der noch wenig erforschte eigentliche Kamm der Serra zieht sich von den Campos aus in nordwestlicher Richtung dem Guaporé parallel, und die östliche Fortsetzung derselben bildet mit der anstoßenden Serra do Pary einen Teil der Grenze zwischen dem Stromgebiet des Paraguay und des Amazonenstroms. Den Namen hat das Gebirge von den P. oder Parexi, einem den Tupi verwandten Indianerstamm, der noch in schwachen Resten daselbst haust.

Parēdes de Nava, Stadt in der span. Provinz Palencia, am Canal de Campos und an der Eisenbahn Palencia-Leon, mit Wollmanufakturen und (1878) 4428 Einw.

Paregorĭka (griech.), s. v. w. besänftigende Mittel.

Pareirawurzel (Radix Pareirae), s. Cissampelos.

Pareja (spr. -ēcha), Juan de, genannt el Esclavo, span. Maler, geb. 1606 zu Sevilla, war Sklave des Velazquez und bildete sich heimlich nach letzterm zum Maler aus, bis König Philipp IV. und Velazquez zufällig ein Bild von ihm entdeckten, worauf er die Freiheit erhielt. Auch nach seiner Freilassung arbeitete er bei Velazquez und starb 1670 in Madrid. Seine Hauptwerke sind außer einigen Bildnissen die Berufung des heil. Matthäus (1661, im Museo del Prado zu Madrid), die Taufe Christi (in Santa Trinidad zu Toledo), die Heiligen Johannes Evangelista und Orontius und die Madonna de Guadalupe (bei den Rekollekten zu Madrid). Er zeigt sich darin als geschickter Nachahmer seines Meisters, der gut zu komponieren und breit und warm zu malen versteht.

Parenchym (griech.), in der Anatomie das Innere eines weichen, saftreichen Organs, z. B. der Leber, Niere, Milz, im Gegensatz zu der es umschließenden Haut. In der Botanik ein Zellgewebe, welches aus dünnwandigen, rundlichen, polyedrischen oder sternförmigen Zellen besteht (s. Zellgewebe).

Parenchymatöse Entzündung, entzündliche Veränderungen, welche sich in dem eigentlichen Parenchym (s. d.), nicht im gefäßtragenden Zwischengewebe, abspielen. Dieser Zustand kann zur Norm zurückkehren, es kann aber auch zum schnellern oder langsamern fettigen Zerfall solcher angeschwollenen und albuminös infiltrierten Gewebselemente kommen.

Parentalĭen (lat.), s. Feralien.

Parentation (lat.), Grab- oder Leichenrede.

Parentēl (lat. Parentela), im deutschen Rechte des Mittelalters die Gesamtheit der durch den nächsten gemeinsamen Stammvater Verbundenen. Die erste P. bilden hiernach der Erblasser und seine Nachkommen, die zweite der Vater und die Geschwister des Erblassers nebst ihrer Nachkommenschaft, welche durch den Großvater des Erblassers verbunden sind, etc. Hierauf gründete sich die namentlich im Lehnswesen (s. d.) übliche Parentelordnung (Parentelensystem, Lineal-Gradualerbfolge), wonach die Erbberechtigung sich nach der Nähe der P. und innerhalb der letztern durch Gradesnähe bestimmte. Das römische Recht verstand unter Respectus parentelae das Verhältnis derjenigen Seitenverwandten (Oheime, Tanten), welche nur einen Grad von dem gemeinschaftlichen Verwandten entfernt sind, zu denjenigen (Neffen, Richten), welche mehrere Grade von jenem entfernt stehen. Dies Verhältnis ist heutzutage nicht mehr ein Ehehindernis.

Parenthēse (griech., "Einschaltung"), in der Rhetorik eine nicht notwendig zu der eben behandelten Hauptsache gehörige Erwähnung, welche, den Zusammenhang unterbrechend, in der Mitte des Hauptsatzes eingeschoben oder auch am Schluß desselben hinzugefügt wird (z. B.: "Mit grobem Zinn, die schlechtste Edelfrau würd' es verschmähn, bedient man ihre Tafel"); auch s. v. w. Einschaltungszeichen in Schrift und Druck, bestehend in Klammern, (), [], oder Gedankenstrichen am Anfang und Schluß der Einschaltung. - In der Algebra haben diese Einschließungs- oder Zusammenfassungszeichen (auch Klammern genannt) die Bestimmung, eine gewisse angedeutete Rechnung auf den mehrgliederigen Ausdruck zwischen ihnen, nicht bloß auf das unmittelbar neben dem Rechnungszeichen stehende Glied zu beziehen; sie sind (), [], {}. Eine P. auflösen heißt einen mit Klammern versehenen Ausdruck in einen gleichwertigen ohne Klammern verwandeln, und umgekehrt heißt eine P. bilden, die Glieder eines Ausdrucks durch Absondern gemeinschaftlicher Faktoren, Divisoren etc. zusammenzieht, so daß eine vorher im einzelnen vorgeschriebene Rechnung sich nun auf den ganzen Inhalt einer Klammer bezieht.

Parénzo, Stadt in der Markgrafschaft Istrien des österreichisch-illyr. Küstenlandes, auf einer schmalen Erdzunge am Meer gelegen, ist Sitz des Provinziallandtags, des Landesausschusses und Landesschulrats von Istrien, eines Bischofs, einer Bezirkshauptmannschaft, eines Bezirksgerichts und Zollamtes, hat einen 533-540 vom Bischof Euphrasius auf den Ruinen eines antiken Tempels erbauten Dom (Basilika) mit schönen Säulen und Mosaiken, Reste zweier römischer Tempel und andre Altertümer, eine städtischen Bibliothek, eine Archäologisch-historische Ge-^[folgende Seite]