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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Patois; Patos; Patow; Paträ

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Patois - Paträ.

großen Dörfern und Städten. - Die Stadt P., als "heilige Stadt" mit vielerlei ehrenden Namen bezeichnet, liegt in 52 m Höhe am rechten Gangesufer und hat (1881) 170,654 Einw. (80 Proz. Hindu). Unter den Mogulkaisern war sie Sitz des Gouverneurs von Bihar; später errichteten Engländer, Dänen, Holländer, Franzosen hier Faktoreien; seit 1763 gehören Land und Stadt den Engländern. Die Straßen sind eng und unregelmäßig und enthalten wenig bessere Gebäude. Bemerkenswert sind das Gola, ein domähnlicher Kornspeicher, der aber nicht benutzt wird, das P. College, das Grab Schah Arganis, wo bei dem Muharramfest jährlich 100,000 Menschen zusammenströmen. Der Handel der Stadt ist bedeutend, besonders nach Nepal und Kalkutta; Kaufleute aus den verschiedensten Ländern Asiens und Europas haben sich hier niedergelassen. Der Export besteht vornehmlich in Ölsaaten und Salz. Die Garnison liegt in der wenige Kilometer entfernten Stadt Dinapur (s. d.). S. Karte "Ostindien".

Patois (franz., spr. -tŏa), die bei den Bauern übliche Sprechweise, die Sprache des gemeinen Volkes; im weitern Sinn s. v. w. Provinzialismus.

Patos (Lagoa dos P.), Haff in der brasil. Provinz Rio Grande do Sul, 280 km lang und bis 55 km breit, wird vom Atlantischen Ozean durch eine alluviale Nehrung getrennt, an deren Südende sich die Rio Grande (s. d.) benannte Mündung befindet. Kleinere Seeschiffe gehen bis Portalegre am Nordende des Haffs, wo der Guahyba (untere Jacuhy) in dasselbe mündet, während die weiter südlich gelegene Lagoa mirim ("kleines Haff") durch den schiffbaren São Gonçalo mit ihm in Verbindung steht.

Patow (spr. pāto), Erasmus Robert, Freiherr von, preuß. Staatsmann, geb. 10. Sept. 1804 zu Mallenchen bei Kalau in der Niederlausitz, studierte seit 1823 zu Berlin, Leipzig und Heidelberg die Rechte, wurde 1829 Referendar, 1832 Assessor, frühzeitig als Hilfsarbeiter im Finanzministerium beschäftigt, 1836 zum Geheimen Finanzrat ernannt, trat 1837 als vortragender Rat zur Staatsbuchhalterei über, ward 1844 Wirklicher Geheimer Oberregierungsrat und Direktor im Ministerium des Innern, 1845 in dem der auswärtigen Angelegenheiten. Nachdem er als Besitzer des Ritterguts Großmehsow schon 1839 als Abgeordneter in den Provinziallandtag der Niederlausitz gewählt worden, wohnte er 1847 den Beratungen der ständischen Ausschüsse und des Vereinigten Landtags bei und bekannte sich hier zu liberalen und aufgeklärten Grundsätzen. Am 14. April 1848 trat P. in das Camphausensche Ministerium, in welchem er das Portefeuille des Handels, der Gewerbe und öffentlichen Arbeiten übernahm. Nach Auflösung dieses Kabinetts ward er zum Oberpräsidenten der Provinz Brandenburg ernannt, in welcher Stellung er dem Ministerium Brandenburg mit Entschiedenheit seine Unterstützung verlieh. Bei den Wahlen vom 5. Febr. 1849 als Kandidat der konservativen Partei zum Abgeordneten der Zweiten Kammer erwählt, gehörte er anfangs zu den entschiedensten Gegnern der damaligen demokratischen Linken, konnte sich jedoch später mit den Maßnahmen des Ministeriums nicht überall einverstanden erklären und nahm daher Ende 1849 seine Entlassung aus dem Staatsdienst. Seitdem beschränkte er sich auf die parlamentarische Thätigkeit im Erfurter Unionsparlament und im preußischen Abgeordnetenhaus, besonders bei finanziellen Fragen und den Verhandlungen über den Staatshaushalt, und trat wiederholt den Bestrebungen der Junkerpartei und der extremen Reaktion der Regierung entgegen. Nach dem Regierungsantritt des Prinz-Regenten ward er 6. Nov. 1858 als Finanzminister in das Ministerium Hohenzollern berufen und war sein bedeutendster parlamentarischer Vertreter. Er mußte die Mittel für die Militärreorganisation beschaffen, setzte zu diesem Zweck die Einführung einer allgemeinen Grundsteuer auch im Herrenhaus durch, bereitete aber den Konflikt mit dem Abgeordnetenhaus dadurch vor, daß er die provisorische außerordentliche Bewilligung der Kosten für die Vermehrung der Friedensarmee beantragte und durchsetzte. Im März 1862 trat er mit dem Ministerium der neuen Ära zurück. 1866 übernahm er die Organisation der Provinz Hessen-Nassau und wurde 1873 zum Oberpräsidenten der Provinz Sachsen ernannt, nahm aber 1881 seinen Abschied. Er veröffentlichte kleine Schriften über Grundsteuerausgleichung (Berl. 1850), Zolltarifsveränderungen (das. 1850) und Wollproduktion (das. 1851).

Paträ (Patras, ital. Patrasso), die zweitgrößte Stadt Griechenlands, Hauptstadt des Nomos Achaia und Elis, liegt (seit der Zerstörung während des Befreiungskriegs 1821 neuaufgebaut) amphitheatralisch auf der südöstlichen Küste des gleichnamigen Meerbusens (s. unten) in fruchtbare Gegend, hat eine Anzahl schöner, breiter und geradliniger Straßen, die sich vom Strand hügelan ziehen, mehrere öffentliche Plätze und Kais, eine Citadelle, ein Gymnasium, Appellationsgericht, ein Theater, viele Springbrunnen und (1879) 25,494 (als Demos 34,227) Einw. Es besitzt eine Handelskammer, 3 Bankfilialen, einen schönen, geräumigen Hafen mit Molo, verschiedene Fabriken, treibt lebhaften Handel (besonders mit Großbritannien, Frankreich und Österreich-Ungarn). Die Einfuhr (1886 im Wert von 22½ Mill. Frank) besteht vornehmlich in baumwollenen und wollenen Geweben, Getreide, Mehl und Holz, die Ausfuhr (im Wert von 18⅔ Mill. Fr.) fast ausschließlich in Korinthen (40,000 Ton., meist nach England und Frankreich), daneben Häuten, Melonen und Wein. Der Schiffsverkehr umfaßte 1886: 4307 einlaufende Schiffe mit 346,336 Ton. und 4266 auslaufende mit 343,217 T. P. ist Sitz eines Nomarchen, eines griechischen Erzbischofs und eines deutschen Konsuls. Der Meerbusen von P., ein Teil des Ionischen Meers, zwischen dem nördlichen Festland Griechenlands und dem Peloponnes, schließt sich westlich durch das Vorgebirge Papas und hängt im O. durch eine schmale Meerenge mit dem Korinthischen Meerbusen zusammen. Den Eingang zu dem letztern verteidigen zwei Kastelle, die sogen. Kleinen Dardanellen, wovon das in Morea Kastro Moreas, das gegenüber bei Lepanto gelegene Kastro Rumelias heißt. - Die Stadt P. wurde im hohen Altertum, der Überlieferung nach vom Achäer Patreus, gegründet durch Vereinigung von drei Städten, Aroe, Antheia und Mesatis. Doch deuten orientalische Kulte, welche sich dort erhielten, darauf hin, daß zuerst wahrscheinlich Phöniker hier ansässig waren. Als Hafenstadt ward sie bald eine der ersten unter den zwölf achäischen Städten. Aus ihrem Bündnis mit drei andern achäischen Städten um 280 v. Chr. entstand der Achäische Bund. Augustus gewährte den Paträern, deren Stadt damals ziemlich herabgekommen war, allein unter den Achäern die Freiheit sowie die Rechte und Immunitäten einer römischen Kolonie. Seit dieser Zeit führte die Stadt auf den Münzen den Namen Colonia Augusta Aroë Patrensis. P. besaß auch eine der ersten Christengemeinden im Land und war neben Korinth der Ausgangspunkt für die Christianisierung der Halbinsel. 1205 wurde