Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Peel

802

Peel.

Schiffbau treiben. Auf einer Insel des Hafens stehen die Ruinen von P. Castle (einst Sitz der Grafen Derby, der ehemaligen Herren der Insel) und der Kathedrale St. Germans.

Peel (spr. pihl), 1) Sir Robert, berühmter brit. Staatsmann, ältester Sohn des Großindustriellen Baronet Sir Robert P., geb. 5. Febr. 1788 zu Brookside bei Blackburn, besuchte gleichzeitig mit Byron die Schule zu Harrow, bezog 1800 die Universität Oxford, trat 1809 ins Parlament und schloß sich sofort den Tories an, deren Grundsätze er innerhalb der nächsten 20 Jahre getreu verteidigte. 1810 ward er Unterstaatssekretär für die Kolonien und 1812 erster Sekretär für Irland. 1817 wegen seiner Abneigung gegen die Emanzipation der Katholiken von der Universität Oxford ins Parlament gesandt, legte er 1818 sein Amt nieder und setzte 1819 die nach ihm benannte Akte durch, welche die Rückkehr zur Metallwährung anordnete. 1822 an Lord Sidmouths Stelle mit dem Ministerium des Innern betraut, zeigte er sich auch in dieser Stellung als strengen Anhänger toryistischer Ansichten, während er jedoch zweckmäßige Reformen in der Verwaltung und im Rechtswesen keineswegs abhold war. So bekämpfte er die Katholikenemanzipation, unterstützte die Fremdenbill, hob den öffentlichen Unterricht, verbesserte vielfach das Gerichtsverfahren und ordnete vor allem die Kriminalgesetzgebung. Als 1827 Liverpool zurücktrat, schied auch P. aus seiner Stellung, trat an die Spitze der Toryopposition gegen Canning und übernahm nach dessen Tod zu Anfang 1828 unter Wellingtons Präsidium von neuem das Ministerium des Innern. Um der immer drohender werdenden Aufregung in Irland zu begegnen, zeigte er sich jetzt der Katholikenemanzipation günstiger und stimmte im Februar 1828 für Russells Antrag auf Aufhebung der Test- und Korporationsakte; ja, er brachte im Februar 1829 mit Erfolg eine Bill vor die Häuser, welche den Katholiken mittels einer Abänderung der Eidesformel den Eintritt ins Parlament sowie auch den Zutritt zu den meisten öffentlichen Ämtern möglich machte. Die Universität Oxford, die ihn gewählt hatte, entzog ihm darauf ihr Vertrauen; selbst seine Brüder und sein Vater erklärten sich gegen ihn. Als nach der Thronbesteigung Wilhelms IV. und dem Ausbruch der französischen Julirevolution das Verlangen der liberalen Partei nach einer Parlamentsreform immer drängender wurde, trat das Ministerium Wellington 16. Nov. 1830 ab, und P., der nun im Unterhaus die Leitung der Opposition übernahm, kämpfte 18 Monate, freilich vergeblich, gegen die vom Ministerium Grey eingebrachte Reformbill. Als P. im Februar 1833 in das reformierte Parlament trat, fand er die alten Anhänger seiner Partei fast um zwei Dritteile zusammengeschmolzen. Er sammelte diese Überreste um sich, zog in kurzer Zeit auch viele Whigs zu sich herüber, welche vor den Konsequenzen der eingetretenen Reformen und der Verbindung des Ministeriums mit den Radikalen erschraken, und ward so Stifter einer neuen Partei im Parlament (Peeliten), welche zwischen der Starrheit der alten Tories und der Beweglichkeit der jüngern Whigs die Mitte hielt. Im November 1834 ward P. aus Italien, wohin er eine Erholungsreise unternommen, zurückgerufen, um mit Wellington ein neues Kabinett zu bilden. P. übernahm in demselben als erster Lord der Schatzkammer die Oberleitung, sah sich aber trotz der Annahme mehrerer freisinniger Maßregeln schon 8. April 1835 mit seinen Kollegen zum Rücktritt genötigt, da das Unterhaus einen Vorschlag Russells auf Überlassung eines Teils des irischen Kirchenguts zu nichtkirchlichen Zwecken annahm. Von neuem übernahm Melbourne die Leitung der Verwaltung und P. die der Opposition im Unterhaus. Trotzdem unterstützte er seinem Verbrechen gemäß das Ministerium in allen gemäßigt liberalen Maßregeln. 1836 ward er von der Universität Glasgow zum Rektor gewählt. Im September 1841 trat, nachdem Palmerston wegen seiner Zollpolitik im Unterhaus geschlagen worden war, unter Peels Leitung ein neues Ministerium zusammen, das die Häupter der Tories und der gemäßigten Whigs in sich vereinigte und eine der denkwürdigsten Episoden der neuern britischen Geschichte bildet. Dasselbe siegte in der Frage über die Korngesetze und setzte eine zeitweilige Einkommensteuer (income-tax) durch. Mit großer Vorsicht ging P. hierauf an die Herabsetzung der hohen Schutzzölle. 1846 brachte er drei Gesetzvorschläge ein, deren erster völlige Aufhebung der Getreidezölle nach drei Jahren, der zweite eine neue Herabsetzung des allgemeinen Zolltarifs, der dritte Zwangsmaßregeln zum Schutz von Eigentum und Leben in Irland beantragte. Die Getreide- und Tarifbill wurden angenommen, dagegen die irische Zwangsbill durch die Bemühungen einer Koalition von Schutzzöllnern und Radikalen, Whigs und Irländern verworfen, worauf P. 29. Juni zurücktrat. Er war in der Folge der Führer einer Mittelpartei, die sich mehr den gemäßigten Whigs als den Tories näherte. Namentlich bewies er sich 1847-48 als eine Hauptstütze der Regierung, deren Freihandelsgrundsätze er rückhaltlos verfocht. Er starb 2. Juli 1850 an den Folgen eines Sturzes mit dem Pferd. P. ist eine der hervorragendsten Persönlichkeiten in der neuern Geschichte Großbritannien; seine politische Wirksamkeit repräsentiert den Umschwung, welchen das Inselreich im Verlauf von 50 Jahren erfahren hat. Er war ein eminent praktischer Geist und verband mit einer außerordentlichen Geschäftsgewandtheit eine nüchterne und überzeugende Beredsamkeit. Seine patriotische Gesinnung, die aber durchaus auf das Praktische gerichtet war, erklärt die Wandlungen, die sein öffentliches Leben zeigt. Seiner Redlichkeit und Ehrenfestigkeit haben selbst seine heftigsten Gegner Gerechtigkeit widerfahren lassen müssen; in der Westminsterabtei zu London und in vielen andern Städten, Manchester, Glasgow, Edinburg, Birmingham etc., sind ihm Denkmäler errichtet worden. Seine Memoiren und eine Auswahl aus seinen Briefen wurden (Lond. 1856-57, 2 Bde.) von Earl Stanhope herausgegeben. Vgl. Guizot, Sir Robert P. (deutsch, Berl. 1856); Doubleday, The political life of Sir Robert P. (Lond. 1856, 2 Bde.); Sir Lawrence P., Sketch of the life and character of Sir Robert P. (das. 1860); Henry Bulwer, Sir Robert P. (das. 1874); Smith, Sir Robert P. (das. 1881).

2) Jonathan, brit. Militär und Staatsmann, Bruder des vorigen, geb. 12. Okt. 1799, trat, nachdem er in der Armee bis zum Oberstleutnant aufgerückt, 1826 ins Unterhaus, war 1841-46 unter der Regierung seines Bruders Robert Generalinspektor des Feldzeugamtes, 1855 und 1856 als Generalmajor Mitglied der Kommission, welche die durch den Krimfeldzug ans Licht gekommenen Mißbräuche im Heerwesen zu untersuchen hatte, und im Ministerium Derby 1858-59 Staatssekretär des Kriegs. Nach dem Rücktritt Derbys wurde er zum Generalleutnant befördert und übernahm im Juni 1866, als die Konservativen wieder ans Ruder kamen, abermals das Kriegsministerium, trat jedoch mit einigen Mitglie-^[folgende Seite]