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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Peinture-Bogaerts; Peinture-mate; Peipus; Peireskĭa; Peirithŏos; Peisándros; Peischwa; Peisistrătos

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Peinture-Bogaerts - Peisistratos.

Peinture-Bogaerts (franz., spr. pängtühr-bogahrts), von dem Lithographen Henri Bogaerts in Herzogenbusch erfundenes Verfahren zur Vervielfältigung von Ölgemälden, durch welches Kopien von Ölgemälden auf Malleinwand oder auf Holz so hergestellt werden, daß sie jede kleine Erhöhung oder Vertiefung des Originals vom zartesten Pinselstrich bis zum pastosen Farbenauftrag getreu wiedergeben (was der gewöhnliche Öldruck nicht vermag), so daß, wenn die Kopie nach Zeichnung u. Kolorit gelungen ist, sie vom Original kaum zu unterscheiden ist. Das Verfahren ist besonders auf starke Reliefwirkung berechnet.

Peinture-mate (spr. pängtühr-mat), eine vom belgischen Maler Wiertz erfundene und angewandte Technik der Malerei, deren Material aus 3 Teilen Farbe, 1 Teil venezianischen Terpentins, 2 Teilen Terpentin- oder Lavendelöls oder Spiritus besteht. Damit wird auf ungrundierter Leinwand gemalt, indem man bei der Untermalung zunächst aquarellartig zeichnet und modelliert und nach und nach die Leinwand impastiert. Um die hier und da durch die pastose Farbe verdeckte samtartige Fläche der Leinwand herzustellen, dient eine in Pinselform gebundene Bürste von langen Nadeln. Nach dem Tod ihres Erfinders hat die P. keine weitere Verbreitung erlangt. Vgl. Wiertz, P. (Brüssel 1859).

Peipus (russ. Tschudskoje-Osero), See in Rußland, zwischen den Gouvernements Esthland, Livland, Pskow und St. Petersburg, wird im SO. durch den 5-15 km breiten und 63 km langen sogen. Warmen See mit dem Pskowschen See verbunden und hat mit diesen zusammen ein Areal von 3513 qkm (63,8 QM.). Er ist tief und sehr fischreich. Von S. nimmt er die Welikaja, von W. den Embach auf und fließt nach N. durch die Narowa (s. d.) in den Finnischen Meerbusen ab. Der P. hat flache, sandige, großenteils bewaldete Ufer und einige bewohnte Inseln (darunter Porka). Der See diente einst als Hauptwasserweg zwischen den Hansestädte der Ostsee und den Städten im innern Rußland. S. Karte "Livland etc."

Peireskĭa Plum. et Haw., Gattung aus der Familie der Kakteen, Sträucher und Bäume in Zentralamerika, mit fleischig-holzigem Stamm, runden Ästen, fleischigen, halbcylindrischen oder stachen, gestielten oder sitzenden, abfallenden Blättern, in deren Achseln oft mit starken Stacheln bewaffnete Polster stehen, einzeln achselständigen oder am Stengel gebüschelten, meist weißen, gelben oder roten, rosenartigen Blüten und kugeligen oder länglichen Früchten, welche bei einigen Arten eßbar sind. P. aculeata Plum. (Barbadosstachelbeere), in Westindien, mit 5 m hohem, ästigem und stachligem Stamm und elliptischen Blättern, trägt gelbe, angenehm schmeckende Früchte, welche auf den Antillen als Obst gegessen und als Heilmittel benutzt werden. Bei uns werden mehrere Arten kultiviert und dienen als Unterlage, um darauf verschiedene Arten von Epiphyllum zu veredeln.

Peirithŏos, im griech. Mythus Sohn des Zeus und der Dia, der Gemahlin des Ixion, König der Lapithen in Thessalien. Bei der Feier seiner Vermählung mit Hippodameia oder Deidameia, einer Tochter des Lapithen Atrax, entspann sich der berühmte Kampf zwischen den Kentauren und Lapithen am Fuß des Pelion, in welchem die erstern unterlagen. Von Wein berauscht, hatte Eurytion den Streit veranlaßt, indem er der Hippodameia Gewalt anthun wollte. Nach andern veranlaßte Ares den Kampf, weil er allein von den Göttern nicht zum Fest eingeladen worden. Der Kampf ward öfters von Künstlern zum Gegenstand der Darstellung gewählt, so im westlichen Giebel des Zeustempels von Olympia, am Westfries des Theseion in Athen, am Apollotempel zu Phigalia und an den Metopen des Parthenon zu Athen. Spätern Ursprungs scheint die Sage von des P. und Theseus (s. d.) Freundschaft zu sein. Letzterer focht bei des P. Vermählungsfest mit gegen die Kentauren, wofür ihm der Freund bei der Entführung der Helena aus Sparta behilflich war. Später begleitete ihn Theseus in die Unterwelt, um ihn bei der beabsichtigten Entführung der Persephone beizustehen. Als sich aber die Verwegenen hier ermüdet niedersetzten, fühlten sie sich angefesselt und vermochten nicht wieder aufzustehen (so war es von Polygnot in der Lesche zu Delphi dargestellt). Herakles, als er den Kerberos aus der Unterwelt herausholte, wollte sie befreien; doch gelang ihm dies bei P. nur auf Kosten von dessen Hinterbacken. P. hatte mit Theseus zu Athen ein Heroon. Vgl. Roßbach, P. und Theseus (Tübing. 1852); Petersen (in der "Archäologischen Zeitung", Bd. 24, S. 258).

Peisándros (Pisander), 1) Demagog zu Athen, aus Acharnä, ein weichlicher Schlemmer, aber Meister der Vorstellung und des Ränkespiels, betrieb mit großem Eifer die Untersuchung des Hermenfrevels (415 v. Chr.), um Alkibiades zu stürzen und den Staat in Verwirrung zu bringen. 411 nahm er an der oligarchischen Verschwörung im Heer zu Samos zum Umsturz der Verfassung teil und bewirkte, vom Hauptquartier zu Samos nach Athen gesendet, um über die Rückberufung des Alkibiades zu verhandeln, eine Umgestaltung der Verfassung im oligarchischen Sinne, namentlich die Einsetzung der Regierung der Vierhundert, an deren Spitze er mit stand. Bei der bald herbeigeführten Auflösung derselben entwich er zu den Lakedämoniern nach Dekeleia. In der Folge ward sein Vermögen konfisziert.

2) Schwager des Agesilaos, lakedämonischer Nauarch, verlor 394 v. Chr. bei Knidos gegen Konon Sieg und Leben.

Peischwa, ursprünglich der erste Minister der Marathen (s. d.), dessen Amt jedoch erblich wurde, und der zu Ende des 18. Jahrh. von seiner Residenz Puna aus die Staaten der Marathen von sich abhängig machte, infolgedessen sie später in ein Vasallenverhältnis zu ihm traten; aus der Auflösung des Marathenreichs gingen als die mächtigsten Staaten jene des Sindia in Gwalior und des Holkar in Indor hervor. 1802 kam der P. in Abhängigkeit von der Englisch-Ostindischen Kompanie; im Mai 1818 entsagte der letzte P., Badschi Rao, der Regierung und nahm von den Engländern einen Jahrgehalt an. Als Residenz wurde ihm Bithur bei Khanpur angewiesen; sein Adoptivsohn war Nana Sahib (s. d.), der im Sipoy-Aufstand von 1857 die leitende Rolle spielte.

Peisistrătos (Pisistratus), Tyrann von Athen, geboren um 600 v. Chr., Sprößling des angesehenen attischen Geschlechts der Philaiden, Sohn des Hippokrates, Verwandter des Solon. Schlau und ehrgeizig, wußte er das niedere Volk, die Diakrier, für sich zu gewinnen, indem er ihnen Befreiung aus ihrer gedrückten Lage versprach, und wurde bald das mächtigste Parteihaupt in Athen. Nachdem er durch das Vorgeben, von den Häuptern der Aristokraten verfolgt zu werden, trotz des Widerspruchs Solons eine Leibwache von 50 Keulenträgern und die Erlaubnis, dieselbe beliebig zu vermehren, erhalten hatte, bemächtigte er sich der Akropolis und warf sich so zum Herrscher Athens auf (560). Zwar ward P. bald darauf durch die Vereinigung der Pediäer und Paralier, der