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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Pereira de Mello - Per exemplum.

willig verbrennen werde, welchen Entschluß er vor einer ungeheuern Menschenmenge ausführte. Vgl. Bernays, Lucian und die Kyniker (Berl. 1879).

Pereira de Mello, Antonio de Fontes, portug. Staatsmann, geb. 1820 zu Lissabon, ergriff die militärische Laufbahn, schlug sich tapfer für die Freiheit und Unabhängigkeit und wurde, noch sehr jung, zum Obersten ernannt, wandte sich aber der politischen Karriere zu, als er 1848 zum Abgeordneten gewählt wurde, und war anfangs liberal, dann konservativ. Achtmal war er während seiner politischen Laufbahn Minister der Krone, sechsmal Ministerpräsident, zuletzt November 1881-86, indem er zugleich das Finanzministerium verwaltete. Er stand an der Spitze der Partei der Regeneratoren, d. h. der Konservativen. P. starb 22. Jan. 1887. Ihm verdankt Portugal seine Eisenbahnen, die Organisation des Heers, die Reform des Zivil- und Kriminalgesetzbuchs, die Aufhebung der Todesstrafe und noch viele andre große Fortschritte in der öffentlichen Verwaltung.

Péreire (spr. -rähr), zwei franz. Financiers portugiesischer Abkunft, die Brüder Jacques Emile, geb. 3. Dez. 1800, und Isaac, geb. 25. Nov. 1806 zu Bordeaux, waren anfangs kleine Makler und Anhänger Saint-Simons und erwarben sich zuerst durch den Bau der Eisenbahn von Paris nach St.-Germain einen großen Ruf. 1852 gründeten sie den Crédit mobilier (s. Banken, S. 331) und standen an der Spitze vieler Eisenbahn- und andrer Finanzunternehmungen. Nach dem Sturz des Crédit mobilier (1867) wurde die Compagnie transatlantique, deren Direktoren sie waren, Gegenstand peinlicher Aufmerksamkeit, indem auch diese Gesellschaft zahlungsunfähig wurde. Die französische Regierung wollte ihnen durch eine Subvention zu Hilfe kommen (1867), scheiterte jedoch an dem Widerstand des Gesetzgeber den Körpers, welchem beide Brüder früher angehört hatten. Emile P. starb 7. Jan. 1875, Isaac P. 12. Juli 1880. Letzterer schrieb: "Le rôle de la Banque de France et l'organisation du crédit en France" (1864); "Questions financières" (1877); "Politique financière" (1879). Vgl. Merruau, Souvenirs de l'hôtel de ville de Paris 1848-52 (Par. 1875).

Perejasslawl, Kreisstadt im russ. Gouvernement Poltawa, am Trubesh, südöstlich von Kiew, hat 14 Kirchen, bedeutende Talgsiedereien, etwas Fabrikation von Tabak, 4 Jahrmärkte und (1882) 12,534 Einw. (über die Hälfte Juden). P., bereits 993 gegründet, war seit 1054 Hauptstadt des Fürstentums P.

Perekóp (tatar. Orkapu, "goldenes Thor", im Altertum Taphros, im Mittelalter Tozla genannt), Kreisstadt im russ. Gouvernement Taurien, auf der Ostküste der gleichnamigen Landenge, hat 4 Kirchen (darunter eine römisch-katholische und eine armenisch-gregorianische), 3 Synagogen, 7 Moscheen, ein Militärlazarett, Handel mit Salz, Wolle und Lämmerfellen (Merluschki) und 4276 Einw. Mengli-Girki, Chan der Krim, erbaute hier im 15. Jahrh. die bekannte Festungslinie, welche den Eingang in die Krim verschließen sollte, von den Russen aber mehrmals (1736, 1738, 1771) erobert wurde; 1783 wurde P. russisch. Auf der 7 km langen Landenge von P. befinden sich zahlreiche Salzseen (über 30), meist durch Überschwemmungen des Meers entstanden. Die bedeutendsten unter ihnen sind der Krassnoje (24 qkm) und der Staroje (11 qkm).

Père Lachaise (spr. pähr laschähs'), Friedhof in Paris (s. d., S. 721). Vgl. Lachaise.

Perels, Emil, Ingenieur, geb. 9. Juli 1837 zu Berlin, besuchte zum Studium des Ingenieurwesens die Gewerbeakademie und die Universität in Berlin, wandte sich in der Folge speziell dem landwirtschaftlichen Maschinenwesen zu und trat nach längerer praktischer Thätigkeit auf diesem Gebiet 1865 als Lehrer für dasselbe an der Gewerbeakademie und der landwirtschaftlichen Lehranstalt in Berlin auf. 1867 folgte er einem Ruf an die Universität Halle und 1873 als Professor an die Hochschule für Bodenkultur in Wien. Ausgedehnte Reisen nach fast allen Ländern Europas und 1876 auch nach Nordamerika machten ihn mit dem landwirtschaftlichen Maschinenwesen genau bekannt und boten ihm Gelegenheit, nach allen Seiten hin anregend zu wirken. Durch seine zahlreichen kritischen Berichte über Ausstellungen und durch seine übrigen Werke wurde er einer der bedeutendsten Förderer der Maschinenarbeit in der Landwirtschaft. In neuester Zeit wandte er sich vorwiegend dem Meliorationswesen zu, nachdem er seit zehn Jahren eingehende Studien über die Ent- und Bewässerungsanlagen in den verschiedensten Ländern angestellt hatte. Er schrieb: "Handbuch des landwirtschaftlichen Maschinenwesens" (2. Aufl., Jena 1880); "Die Anwendung der Dampfkraft in der Landwirtschaft" (Halle 1872); "Ratgeber bei Wahl und Gebrauch landwirtschaftlicher Maschinen" (6. Aufl., Berl. 1888); "Die Trockenlegung versumpfter Ländereien" (das. 1877); "Handbuch des landwirtschaftlichen Wasserbaues" (2. Aufl., das. 1884); "Handbuch des landwirtschaftlichen Transportwesens" (Jena 1882).

Peremtion (lat.), Vernichtung, Verfall, Verjährung (einer Klage); endgültiger Bescheid.

Peremtōrisch (lat., "vernichtend"), s. v. w. entscheidend, unaufschiebbar, namentlich im Rechtswesen, im Gegensatz zu dilatorisch, von Fristen und Einreden gebraucht; daher peremtorische Ladung (peremtorischer Termin), eine Vorladung, deren Nichtbefolgung mit einem Rechtsnachteil verbunden ist, insbesondere mit dem Ausschluß derjenigen Handlung, welche in dem Termin vorgenommen werden soll.

Peremyschl, Kreisstadt im russ. Gouvernement Kaluga, an der Oka, hat 5 Kirchen und (1884) 3103 Einw.

Perennierend (v. lat. perennis), s. Ausdauernd.

Pereskia, s. Peireskia.

Peresslawl-Saljeskij, Kreisstadt im russ. Gouvernement Wladimir, unweit des Sees Pleschtschejewo, auf welchem der Holländer Brandt 1691 die ersten Fahrzeuge der russischen Flotte erbaute, hat 28 Kirchen (darunter die Kathedrale Spasso-Preobrashenskij aus dem 12. Jahrh.), 4 Klöster, großartige Baumwollmanufakturen, einige Gerbereien und Tabaksfabriken und (1884) 7466 Einw. 1152 gegründet, war P. 1195-1302 ein unabhängiges Fürstentum und bildete 1225-1788 eine besondere Eparchie.

Péressyp, die meist schmalen, den Nehrungen der baltischen Länder ähnlichen Dämme, die sich vor den Mündungen der meisten von N. her in das Schwarze Meer fallenden Gewässer durch wechselnde und entgegengesetzte Thätigkeit der Fluß- und der Meeresgewässer bilden. Sie geben Anlaß zur Entstehung der sogen. Limane, die gewöhnlich nur durch eine enge Öffnung (Girl) mit dem Meer zusammenhängen.

Perettenbaum, s. Citrus, S. 148.

Perewolotschna, Marktflecken im russ. Gouvernement Poltawa, Kreis Kobeljaki, am Dnjepr, mit 1681 Einw. Hier ergab sich 30. Juni (10. Juli) 1709 das Gros der am 27. Juni (8. Juli) bei Poltawa geschlagenen schwedischen Armee (14,000 Mann) den dieselbe verfolgenden Russen unter Menschikow.

Per exemplum (lat.), zum Beispiel.