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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Perthshire - Pertz.

lagshandlung unter der Firma: "Friedrich und Andreas P." errichtete und beide Handlungen seit 1. Jan. 1854 vereinigt unter der Firma: "Friedrich Andreas P." fortführte, bis er sie 1874 seinem Sohn Emil überließ.

Perthshire, Grafschaft im mittlern Schottland, umfaßt 6702 qkm (121,72 QM.) mit (1881) 129,007 Einw. Das Land mit seinen breiten Ebenen und kühn ansteigenden Bergen bietet reiche Abwechselung. Längs der Küste des Firth of Tay erstreckt sich die fruchtbare, Carse of Gowrie genannte Ebene. Oberhalb derselben durchbricht der Tay die Höhenzüge der Ochills (717 m) und Sidlaws (346 m), zwischen denen und den steil aufsteigenden Hochlanden die fruchtbare Thalebene Strathmore sich ausbreitet. Die Hochlande Perthshires sind reich an wilden Thälern und malerischen Seen. Der Garry entspringt in der bewaldeten Landschaft Atholl (wo Cairn Gowar, 1119 m), vereinigt sich unterhalb der Paßenge von Killiecrankie mit dem aus W. kommenden Tummel, der sich in den Lochs Rannoch und Tummel klärt, und fließt bei Logierait in den gleichfalls im W. entspringende Tay, den Hauptfluß der Grafschaft. Der Tay entwässert den Hochlandsbezirk von Breadalbane mit Loch Tay, in dessen Fluten sich der 1214 m hohe Ben Lawers spiegelt. Nach seinem Austritt aus dem Gebirge empfängt der Tay noch den Isla von O. und den Earn von W. Die südliche Grenze von P. bildet teilweise der Forth, dessen Nebenfluß Teith durch den wilden Paß der Trossachs zum malerischen Loch Katrine und längs des Ire in die Berglandschaft von Balquhidder führt, wo Ben More, 1164 m, liegt. Hauptbeschäftigung ist die Landwirtschaft. Vom Areal waren 1887: 15½ Proz. Ackerland, 5,4 Proz. Weideland, 5,4 Proz. Wald; man zählte 73,286 Rinder, 672,376 Schafe. Die Industrie liefert namentlich Linnen, Woll- und Baumwollwaren. Von den Eisenbahnen ist die Hochlandbahn die bemerkenswerteste, indem sie den 442 m hohen Drumouchter Paß überschreitet. In den Hochlanden herrscht noch die gälische Sprache, von der gesamten Bevölkerung aber sind deren nur 15 Proz. mächtig. Der Boden der Grafschaft P. hat in Schottlands Geschichte einen klassischen Ruf: hier befinden sich die durch Ossians Lieder verewigten Orte und sein Grab, Macbeths Schloß, der durch Walter Scotts "Jungfrau vom See" berühmte Katharinensee, ferner sogen. Druidendenkmäler u. a.

Pertinax, Publius Helvius, röm. Kaiser, geb. 126 n. Chr. bei der Stadt Alba Pompeja in Ligurien, trat zu Rom ins Heer, kämpfte unter Marcus Aurelius gegen die Germanen, wurde Prätor und Senator und erhielt endlich die Verwaltung der Provinz Syrien. In der Folge focht er in Britannien und Afrika. Als Präfekt von Rom nach des Commodus Ermordung 192 am letzten Tag des Jahrs vom Senat auf den Thron gehoben, regierte er mit Weisheit und Mäßigung, ward aber schon 28. März 193 von den wegen seiner strengen Disziplin verschwornen Prätorianern ermordet.

Pertinénz (lat.), Zubehör (s. d.).

Per tot discrimina rerum (lat.), "durch so viele Gefahren", Citat aus Vergils "Äneide" (I, 204).

Pertuis (spr. -tuih), Stadt im franz. Departement Vaucluse, Arrondissement Apt, unweit der Durance, an der Eisenbahn Rognac-Aix-Gap (Abzweigung nach Avignon), mit 2 alten Türmen (Resten der Befestigungswerke), Handelsgericht, Fabrikation von Tuch, Branntwein etc., Handel mit Olivenöl, Getreide etc. und (1886) 4748 Einw.

Pertúnda, bei den Römern eine von jungen Ehemännern verehrte Göttin.

Perturbation (lat.), hervorgebrachte Verwirrung, in den Gang von etwas eingreifende und ihn modifizierende Störung, besonders in der Heilkunde und Astronomie (s. Störungen).

Pertussis (lat.), Keuchhusten.

Perty, Joseph Anton Maximilian, Naturforscher, geb. 1804 zu Ohrnbau in Mittelfranken, studierte zu Landshut und München Medizin und Naturwissenschaften, habilitierte sich dann in München und wandte sich besonders der Zoologie zu. In dem großen Werk "Delectus animalium articulatorum" (Münch. 1832) beschrieb er die von Spix und Martius auf der Reise in Brasilien gesammelten Insekten. 1833 folgte er einem Ruf nach Bern, wo er bis 1876 dozierte und 8. Aug. 1884 starb. Er widmete sich namentlich auch anthropologischen u. psychologischen Studien und veröffentlichte zahlreiche Schriften, die sich besonders auf das sogen. magische Leben der Seele beziehen. Dahin gehören unter andern: "Die mystischen Erscheinungen in der menschlichen Natur" (Leipz. 1861; 2. Aufl. 1872, 2 Bde.); "Die Realität der magischen Kräfte" (das. 1862); "Anthropologische Vorträge" (das. 1863); "Über das Seelenleben der Tiere" (das. 1865, 2. Aufl. 1875); "Die Natur im Licht philosophischer Anschauung" (das. 1869); "Blicke in das verborgene Leben des Menschengeistes" (das. 1869); "Die Anthropologie als die Wissenschaft von dem körperlichen und geistigen Wesen des Menschen" (das. 1874, 2 Bde.); "Der jetzige Spiritualismus und verwandte Erfahrungen der Vergangenheit und Gegenwart" (das. 1877); "Erinnerungen aus dem Leben eines Natur- und Seelenforschers" (das. 1879); "Die sichtbare und die unsichtbare Welt" (das. 1881). Außerdem schrieb er: "Allgemeine Naturgeschichte als philosophische und Humanitätswissenschaft" (Bonn 1837 bis 1844, 4 Bde.); "Zur Kenntnis kleinster Lebensformen" (Bern 1852); "Vorschule der Naturwissenschaft" (das. 1853); "Spezielle Zoologie" (Stuttg. 1855); "Grundzüge der Ethnographie" (Leipz. 1859).

Pertz, Georg Heinrich, deutscher Geschichtsforscher, geb. 28. März 1795 zu Hannover, studierte 1813 bis 1816 in Göttingen vorzugsweise Geschichte und veröffentlichte eine "Geschichte der merowingischen Hausmeier" (Hannov. 1819). 1823 zum Sekretär am königlichen Archiv zu Hannover ernannt, übernahm er bald darauf die ihm von Stein übertragene Leitung der Herausgabe des großen Quellenwerkes der "Monumenta Germaniae historica" (s. d.), in denen er die Quellen der karolingischen Zeit meist selbst edierte. Über seine Reisen und Arbeiten berichtete er in dem "Archiv der Gesellschaft für ältere deutsche Geschichtskunde" (Hannov. 1824-1872, 5.-14. Bd.) und suchte die Kenntnis der mittelalterlichen Geschichtschreibung durch besondern Abdruck der wichtigsten Quellen und eine Übersetzung derselben ("Die Geschichtschreiber der deutschen Vorzeit", Berl. 1846 ff.) zu fördern. 1827 ward er zum königlichen Bibliothekar und Archivrat in Hannover, 1828 zum Historiographen des Gesamthauses Braunschweig-Lüneburg ernannt. Von 1832 bis 1837 redigierte P. die neugegründete "Hannoversche Zeitung", und mehrmals war er Deputierter der Stadt Hameln in der Zweiten Kammer. 1842 wurde er als königlicher Oberbibliothekar nach Berlin berufen, wo er bald darauf den Titel eines Geheimen Oberregierungsrats erhielt und Mitglied der Akademie der Wissenschaften ward. Er starb 7. Okt. 1876 in München. Er veröffentliche noch: "Ernst, Graf von Münster" (Bonn