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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Petersberg; Petersburg; Petersburger Konvention; Petersdorf; Petersen; Petersfisch; Petershagen; Petersilie

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Petersberg - Petersilie.

1815 zu Koldenbüttel in Eiderstedt, studierte seit 1834 in Kopenhagen und Berlin Naturwissenschaft und Medizin, ging dann zur Erforschung der dortigen Fauna nach dem Mittelmeer und reiste 1842 über Lissabon und Angola nach Mosambik, wo er mehrere Jahre blieb, besuchte auch Sansibar, die Komoren und Madagaskar sowie das Kapland und Ostindien und kehrte 1848 von da über Ägypten zurück. Er ward 1848 Prosektor am anatomischen Institut in Berlin, 1851 Professor der Medizin, 1856 ordentlicher Professor der Zoologie und Direktor der zoologischen Sammlungen daselbst und starb 20. April 1883. Die Ergebnisse seiner Reisen sind niedergelegt in seinem umfangreichen Werk "Naturwissenschaftliche Reise" (Zoologie, Bd. 1 und 3-5, Berl. 1852-82; Botanik, 1862-64, 2 Bde.); außerdem lieferte er zahlreiche zoologische und zootomische Arbeiten, besonders über Säugetiere, Amphibien und Fische.

4) Karl, Reisender, geb. 27. Sept. 1856 zu Neuhaus a. d. Elbe, studierte seit 1876 in Göttingen, Tübingen und Berlin, wo er 1879 zum Doktor der Philosophie promovierte und 1880 sich an der Universität habilitierte. Nach einem längern Aufenthalt in London und einer Reise durch die bedeutendern Staaten Europas kehrte P. nach Deutschland zurück und gründete, angeregt durch die in London gemachten Studien über die englische Kolonialpolitik, in Berlin die Gesellschaft für deutsche Kolonisation, in deren Auftrag er 1. Okt. 1884 in Begleitung von Jühlke und Graf Pfeil, ausgerüstet mit unumschränkten Vollmachten für einen Landkauf in Ostafrika, über Triest nach Sansibar und von da auf das ostafrikanische Festland ging. Bereits 1. Febr. 1885 traf P. wieder in Europa ein mit 12 rechtsgültigen Verträgen, welche der oben genannten Gesellschaft die Landschaften Usegua, Nguru, Usagara und Ukami sicherten. Im weitern Verlauf trat er an die Spitze der Deutsch-Ostafrikanischen Gesellschaft, der Besitzerin des großen Gebiets in Ostafrika, und begab sich im März 1887 mit einem zahlreichen Stab von Beamten dorthin, kehrte aber Anfang 1888 nach Berlin zurück. Eine Sammlung seiner kolonialpolitischen Aufsätze veröffentlichte er unter dem Titel: "Deutschnational" (Berl. 1887), außerdem schrieb er das philosophische Werk "Willenswelt und Weltwille" (Leipz. 1883).

Petersberg (Mons serenus), Berg im preuß. Regierungsbezirk Merseburg, 13 km nördlich von Halle, 241 m hoch, merkwürdig durch die Ruinen eines dem heil. Petrus geweihten Augustinerklosters, das 1124 vom Grafen Dedo von Wettin gestiftet, 1540 aber säkularisiert wurde. Die Gebäude nebst der im byzantinischen Stil erbauten Kirche, in welcher mehrere Markgrafen von Meißen aus dem Haus Wettin begraben liegen, wurden 1565 durch einen Blitzstrahl zerstört; 1857 wurde die Kirche in ihrer ursprünglichen Gestalt restauriert. Eine reichhaltige Quelle für die Geschichte des Klosters bietet das "Chronicon Montis sereni", das von 1124 bis 1225 reicht, einen Presbyter des Klosters, Konrad, zum Verfasser haben soll und von Eckstein (Halle 1844-46) und in den "Monumenta Germaniae historica, Scriptores" (Bd. 23) herausgegeben wurde. Vgl. Köhler, Das Kloster St. Petrus (Dresd. 1857); Ritter, Die Klosterkirche auf dem P. (Berl. 1857); Knauth, Der St. P. (3. Aufl., Halle 1873).

Petersburg, 1) s. Sankt Petersburg. -

2) Stadt im nordamerikan. Staat Virginia, am Fuß der Fälle des Appomattox River, 35 km südlich von Richmond, hat Tabaksniederlagen, Woll- und Baumwollmanufakturen, Eisenwerke, blühenden Handel, Schiffahrt und (1880) 21,565 Einw. P. wurde im Bürgerkrieg als ein strategisch wichtiger Punkt sehr stark befestigt und vom 15. Juni 1864 an von den Unionisten unter Grant belagert, bis es endlich nach einer dreitägigen blutigen Schlacht von den Konföderierten verlassen und 3. April 1865, an Einem Tag mit Richmond, von den Unionisten genommen wurde.

Petersburger Konvention, der am 11. Dez. 1868 in Petersburg von Vertretern sämtlicher europäischer Staaten und von Nordamerika abgeschlossene völkerrechtliche Vertrag, wonach Sprenggeschosse aus Handfeuerwaffen aus Humanitätsrücksichten vom Kriegsgebrauch ausgeschlossen sind.

Petersdorf, Pfarrdorf im preuß. Regierungsbezirk Liegnitz, Kreis Hirschberg, am Zacken und am Riesengebirge, hat eine Oberförsterei, Papier-, Holzstoff-, Spiegel- und Kristallglaswaren-, Leinwandfabrikation, Bleichen und (1885) 2755 meist evang. Einwohner. Dabei die aussichtsreiche Bismarckhöhe.

Petersen, 1) Niels Mathias, ein um die dänische Sprache, Litteratur und Geschichte verdienter Gelehrter, geb. 24. Okt. 1791 zu Sanderum auf Fünen, ward, nachdem er verschiedene andre Stellungen bekleidet hatte, 1845 Professor der nordischen Sprachen an der Universität zu Kopenhagen, 1855 Etatsrat und starb 11. Mai 1862. Von seinen zahlreichen Schriften sind hervorzuheben: "Dansk Orddannelsesläre" (Kopenh. 1826); "Det danske, norske og svenske Sprogs Historia" (1829-30, 2 Bde.; gekrönte Preisschrift); "Danmarks Historie i Hedenold" (2. Aufl. 1854-55, 3 Bde.); "Haandbog i den gammel-nordiske Geographi" (1834, Bd. 1); "Historiske Fortällinger om Isländernes Färd hjemme og ude" (1839-44, 4 Bde.; 2. Aufl. 1862-68); "Nordisk Mythologi" (2. Aufl. 1862) und vor allen seine "Bidrag til den oldnordiske Literaturs Historie" (1866), "Bidrag til den danske Literaturs Historie" (2. Aufl. 1867-71, 5 Bde.), das erste größere zusammenhängende Material zu einer vollständigen Bearbeitung der dänischen Litteraturgeschichte, ausgezeichnet durch Sammlerfleiß wie durch Wahrheitsliebe. Petersens kleinere Abhandlungen erschienen in 4 Bänden (1870-74).

2) Marie, Dichterin, war in Frankfurt a. O. geboren, wo sie auch, noch jung an Jahren, 30. Juni 1859 starb. Sie ist die bei ihren Lebzeiten anonym gebliebene Verfasserin der beiden vielgelesenen Märchendichtungen: "Prinzessin Ilse. Ein Märchen aus dem Harzgebirge" (Berl. 1850, 22. Aufl. 1882) und "Die Irrlichter" (das. 1854, 43. Aufl. 1887), die als anmutige Schöpfungen einer aufs Zarte und Duftige gerichteten Phantasie bleibenden Wert haben.

Petersfisch, s. Sonnenfisch.

Petershagen, Stadt im preuß. Regierungsbezirk und Kreis Minden, an der Weser, hat 2 Kirchen, ein evangel. Schullehrerseminar, eine Taubstummenanstalt (im alten Schloß), ein Amtsgericht, Tabaks- und Zigarrenfabrikation und (1885) 1781 meist ev. Einw.

Petersilie (Petroselinum Hoffm.), Gattung aus der Familie der Umbelliferen, ein- oder zweijährige Kräuter mit dreifach gefiederten Blättern, keilförmigen bis fadenförmigen Segmenten, wenigblätterigen Hüllen, vielblätterigen Hüllchen, weißen oder gelblichen Blüten und eiförmiger, kahler, seitlich zusammengedrücktem fast zweiknöpfiger Frucht. Wenige Arten. Die gemeine P. (P. sativum Hoffm.), zweijährig, mit rübenförmiger, fleischiger Wurzel, 0,5-1 m hohem, verästeltem, stielrundem, gestreiftem Stengel, etwas glänzenden, kahlen, oberseits dunkelgrünen, unterseits hellen, dreifach fiederteiligen