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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Pfaffe - Pfahlbauten.

Dez. 1765 zu Stuttgart, ward 1788 Professor der Mathematik in Helmstädt, 1810 in Halle, wo er 21. April 1825 starb. Er schrieb: "Disquisitiones analyticae" (Helmstädt 1797); "Methodus generalis, aequationes differentiarum particularum integrandi" (Abhandlungen der Berliner Akademie 1814 bis 1815). Sein Briefwechsel mit Herzog Karl von Württemberg, Bouterwek u. a. erschien Leipzig 1853.

3) Christoph Heinrich, Physiker und Chemiker, Bruder des vorigen, geb. 2. März 1772 zu Stuttgart, besuchte die Karls-Akademie, ging 1793 nach Göttingen, praktizierte als Arzt in Heidenheim, wurde 1797 Professor in Kiel, wo er später auch Chemie lehrte und 23. April 1852 starb. Er schrieb: "Über tierische Elektrizität und Reizbarkeit" (Leipz. 1795); "System der Materia medica nach chemischen Prinzipien" (das. 1808-24, 7 Bde.); "Handbuch der analytischen Chemie" (2. Aufl., Altona 1824-25, 2 Bde.); "Über und gegen den tierischen Magnetismus" (Hamb. 1817); "Der Elektromagnetismus" (das. 1824); "Revision der Lehre vom Galvano-Voltaismus" (Altona 1837); "Parallele der chemischen Theorie und der Voltaischen Kontakttheorie der galvanischen Kette" (Kiel 1845). Vgl. seine "Lebenserinnerungen" (Kiel 1854).

4) Johann Wilhelm Andreas, Mathematiker, Bruder des vorigen, geb. 5. Dez. 1774 zu Stuttgart, wurde Professor der Mathematik und Direktor der Sternwarte in Dorpat, lehrte dann in Nürnberg, Würzburg und seit 1818 als Professor der Mathematik zu Erlangen, wo er 26. Juni 1835 starb. Er veröffentlichte eine Reihe mathematischer, physikalischer und optischer Schriften und gab eine Übersetzung und Zusammenstellung der Arbeiten des ältern Herschel (Stuttg. 1828).

5) Friedrich, Geolog, Sohn des vorigen, geb. 17. Juli 1825 zu Erlangen, studierte dort, in München, Prag und Berlin Medizin, Geologie und Mineralogie, promovierte 1848 als Doktor der Medizin, habilitierte sich 1849 an der Universität Erlangen und wurde 1855 außerordentlicher, 1863 ordentlicher Professor der Mineralogie u. Geologie daselbst. Er schrieb: "Grundriß der mathematischen Verhältnisse der Kristalle" (Nördling. 1853); "Grundriß der Mineralogie" (das. 1860); "Die vulkanischen Erscheinungen" (Münch. 1872); "Allgemeine Geologie als exakte Wissenschaft" (Leipz. 1873); "Grundriß der Geologie" (das. 1876); "Schöpfungsgeschichte" (Frankf. 1855, 3. Aufl. 1880); "Das Wasser" (2. Aufl., Münch. 1878); "Der Mechanismus der Gebirgsbildung" (Heidelb. 1880, Streitschrift gegen Heim etc.); "Die Naturkräfte in den Alpen" (Münch. 1877); "Die Entwickelung der Welt auf atomistischer Grundlage" (Heidelb. 1883). Eine Reihe popularisierender Aufsätze und Vorträge, in denen P. den Darwinismus bekämpft und die geologische Forschung mit den biblischen Traditionen in Übereinstimmung zu bringen trachtet, lieferte er zu den "Zeitfragen des christlichen Volkslebens" und der von ihm und Frommel herausgegebenen "Sammlung von Vorträgen für das deutsche Volk" (Heidelb.). P. starb 18. Juli 1886 in Erlangen.

Pfaffe (v. lat. papa, "Vater"), ursprünglich s. v. w. Priester oder Geistlicher in würdevoller Bedeutung, jetzt (und zwar schon seit Luther) nur in verächtlichem Sinn gebraucht; im Mittelalter, weil die Geistlichen fast allein die Gelehrten waren, auch s. v. w. Gelehrter, Rat, daher in Reichsstädten des Rats Pfaffen, s. v. w. Syndici; ferner auf den niedersächsischen Universitäten ehemals s. v. w. Student (die Füchse hießen Halbpfaffen).

Pfaffe, Vogel, s. v. w. Wasserhuhn.

Pfaffen, in der Baukunst, s. Papen.

Pfaffengasse, bei ältern Geographen der Landstrich am linken Rheinufer, in welchem die Bistümer Chur, Konstanz, Basel, Straßburg, Speier, Worms, Mainz, Trier und Köln lagen.

Pfaffenhofen, Bezirksamtsstadt im bayr. Regierungsbezirk Oberbayern, an der Ilm und der Linie München-Bamberg-Hof der Bayrischen Staatsbahn, 438 m ü. M., hat eine schöne Pfarrkirche, ein Amtsgericht, Hopfenbau, Bierbrauerei und (1885) 3436 meist kath. Einwohner. - Hier 1705 Lager der Deutschen unter dem Markgrafen Ludwig Wilhelm von Baden, welches die Franzosen unter Villars 6.-14. Sept. vergeblich zu stürmen versuchten. Im österreichischen Erbfolgekrieg hier 15. April 1745 Sieg der Österreicher unter Batthyányi über die vereinigten Franzosen und Bayern unter Ségur, infolge dessen 22. April der Friede von Füssen geschlossen wurde. Am 19. April 1809 siegreiches Vorpostengefecht der Franzosen unter Oudinot gegen die Österreicher.

Pfaffenhütchen (Pfaffenholz), s. Evonymus.

Pfaffenlaus, s. Kaulbarsch.

Pfaffenröhrlein, s. Taraxacum.

Pfaffenvogel, s. Astrilds.

Pfäffikon, Bezirkshauptort im schweizer. Kanton Zürich, am Pfäffiker See (s. Glatt) und an der Eisenbahn Effretikon-Hinweil, mit (1880) 2888 Einw. P. ist zu unterscheiden von dem gleichnamigen Dorf in dem Schwyzer Bezirk "Höfe", Station der linksuferigen Zürichseebahn.

Pfahl, eine Quarzitschicht, die, einem stark aufgerichteten archäischen Schichtensystem eingelagert, durch die Erosion bloßgelegt ist und sich im bayrisch-böhmischen Grenzgebirge als mauerartige Bildung meilenweit verfolgen läßt. Vgl. Laurentische Formation (mit Abbildung).

Pfahl, in der Heraldik, s. Heroldsfiguren.

Pfahlbauten (hierzu Tafel "Pfahlbauten"), menschliche Ansiedelungen, welche in Seen oder Sümpfe, seltener in Flüsse hineingebaut sind und in der Regel auf Pfählen ruhen. Solche P. findet man noch heute bei den Papua auf Neuguinea, bei den Dajak auf Borneo, den Negern am Tsadsee und obern Nil etc., und auch Herodot berichtet von den in Seedörfern wohnenden Päoniern. Ausgrabungen im Züricher See ergaben 1853 eine Schicht, die in bestimmter Anordnung in den Seeboden eingerammte Pfähle und dazwischenliegende Geräte aus Stein, Knochen und Hirschhorn enthielt. Bereits 1866 waren 200 solcher durch ihre Lage im Wasser Schutz gegen feindliche Überfälle und Angriffe der Raubtiere bietender, vorgeschichtlicher Seedörfer (Stationen) aufgedeckt. Die Untersuchungen von Keller, Desor, Troyon, Schwab, V. Groß u. a. haben über die Kultur der Pfahlbauern Licht verbreitet; Rütimeyer hat die Fauna, O. Heer die Flora, deren Reste im Schlamm an der Stelle der Ansiedelungen angetroffen werden, erforscht. Die Ausdehnung der Seedörfer war zum Teil eine ganz beträchtliche; der Pfahlrost der Station Morges bedeckte eine Fläche von 60,000 qm. Im Robenhausener Pfahlbau fand man mehr als 100,000 Pfähle, und die im Neuenburger See aufgedeckten Ansiedelungen boten Raum für eine Bevölkerung von 5000 Seelen. Je nach der Konstruktion unterscheidet man 1) P. im engern Sinn, bei denen das Verdeck einfach auf in den Seeboden eingetriebenen Pfählen ruhte, und 2) Packwerkbauten, bei denen der Raum zwischen den Pfählen durch Erde, Steine und Knüttel ausgefüllt wurde. Die P. gehören in der Ostschweiz hauptsächlich der jüngern Steinzeit, in der West-^[folgende Seite]