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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Pferchrecht; Pferd; Pferde

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Pferchrecht - Pferde.

Hordenlager) auf Feldern oder Wiesen zum Zweck der Düngung. Mit dem P. erzielt man eine Ersparnis an Spann- und Handarbeit und an Streustroh, eine Verringerung des Düngerverlustes auf den Wegen, die Vertilgung von Mäusen und Schnecken, die höchste Wirksamkeit des Düngers, größere Reinheit des Getreides von Unkraut, das festere Zusammenhalten des losen Bodens, eine sehr gute Aufhilfe für schwache Saaten, eine leicht ausführbare Bedüngung von Wintersaaten, Wiesen, Klee etc. Feine Wollschafe übernachtet man lieber im Stall, allen andern Schafen aber sagt das Liegen im Freien sehr zu, nur darf man nicht zu frühzeitig und nicht zu lange in den Herbst hinein, besonders nie auf feuchtem oder gar nassem Boden und bei anhaltendem Regen pferchen. Pro Stück rechnet man bei Schafen 0,5-0,75 kg Exkremente auf die Nacht, im allgemeinen etwa bis 9/14 der gesamten Düngermenge. Stark heißt deshalb die Düngung mit P., wenn 0,7, mittel, wenn 0,8-1,5, schwach, wenn 1,6-2,4 m Raum oder Bodenfläche pro Schaf kommen. Am besten legt man die Tiere auf frisch gepflügtes Land, weil dieses am vollkommensten Urin und Exkremente bindet; kann man nicht gleich unterackern, so muß man Gips streuen. Gerste wird nach P. zu dickhülsig und zum Malzen weniger geeignet. Vorzüglich wirkt P. für die Rapsarten.

Pferchrecht, s. Hordenschlag.

Pferd (Kleines P., Füllen), Sternbild der nördlichen Halbkugel, zwischen Delphin und Pegasus, von 312-319° Rektaszension, 2-9° Deklination, mit einem Stern vierter Größe und 15 kleinern, dem bloßen Auge sichtbaren. Der Doppelstern δ dieses Sternbildes hat unter allen Doppelsternen die kürzeste bis jetzt bekannte Umlaufszeit von 10,8 Jahren.

Pferd, Turngerät von dem Pferd ähnlicher Form. Lange vor dem Aufkommen der Turnkunst und schon im Altertum waren Nachbildungen des lebendigen Pferdes im Gebrauch zu Vorübungen des Reitens, insbesondere des Auf- und Absitzens; so bei der römischen Reiterei und im Mittelalter zur Ausbildung ritterlicher Fertigkeiten. Diese Übungen erhielten sich dann im Zusammenhang mit dem Fechtunterricht auch an Universitäten und adligen Schulen, Voltesieren oder Voltigieren (s. d.) genannt und überhaupt mit französischer Kunstsprache ausgebildet. Unter Jahn wurden sie dann in die Turnkunst herübergenommen und hier entsprechend weitergebildet und bezeichnet. Jahn nannte die Übungen "Schwingen" und das Gerät danach "Schwingel". Auch der zu verwandten Übungen gebrauchte Bock stammt aus Jahns Zeit. Das P. in seiner jetzt auf den Turnplätzen meist üblichen Form erinnert insbesondere noch mit seinem in der Regel wie in den Reitschulen links vom Aufspringenden gestellten, längern, zuweilen auch noch etwas erhöhten "Hals" und kürzern "Kreuz" an seine Entstehung. Zu vielen Übungen wird es mit Pauschen, welche die Mitte des Rückens, den "Sattel", einschließen, versehen; es kann durch in Hülsen oder Röhren laufende Beine höher gestellt werden (s. Turnkunst). Vgl. Lion, Übungen des gemischten Sprungs (3. Aufl., Leipz. 1876); Derselbe, Werkzeichnungen zu Turngeräten (3. Aufl., Hof 1883).

Pferde (Equidae), Familie der unpaarzehigen Huftiere (s. d.). Die lebenden Arten besitzen nur eine einzige (die mittelste) wohl entwickelte Zehe und zuweilen auch noch (Afterzehen) Überbleibsel der beiden benachbarten (der zweiten und vierten), treten aber nur mit jener, resp. mit dem sie bekleidenden Huf auf (Einhufer). Ferner haben sie einen gefleckten Schädel mit sehr langer Kinnlade, jederseits oben und unten 3 (große meißelförmige) Schneidezähne, einen (kleinen) Eckzahn und 7 oder 6 (im Milchgebiß 7) Backenzähne. Der Nacken trägt eine Mähne, der Schwanz ist entweder der ganzen Länge nach oder nur an der Spitze behaart; die zugespitzten Ohren sind sehr beweglich. Der Magen ist einfach und besitzt an seinem Eingang eine Klappe, welche das Erbrechen unmöglich macht; eine Gallenblase fehlt. Die lebenden P. gehören alle zur Gattung Equus, deren acht Arten: E. caballus, Pferd, E. hemionus, Halbesel, E. Onager, Wildesel, E. Taeniopus, Steppenesel, E. Asinus, zahmer Esel, E. Zebra, Zebra, E. Burchellii, Tigerpferd, E. Quagga, Quagga, sich wild nur in Afrika und den Steppen und Wüsten Mittel- und Südasiens finden; das Pferd ist in wildem Zustand nicht mehr vorhanden, verwildert jedoch in Zentralasien (Tarpan), Südamerika (Cimarrones) und in Australien.

Geschichte des Pferdes.

Die paläontologischen Funde haben gezeigt, daß die ältesten direkten Vorfahren des Pferdes in Amerika lebten. In Europa fand man in den quaternären und den jüngern tertiären Schichten bis ins Pliocän hinein Überreste, welche mit den heutigen Pferden in allen wesentlichen Punkten übereinstimmen. Die ältere Pliocän- und die jüngere Miocänzeit dagegen bieten in Europa und Indien Reste von Tieren, welche bei größter Ähnlichkeit mit unsern Pferden doch schon erhebliche Abweichungen zeigen. Hier finden sich drei Zehen, aber die zweite und dritte sind sehr klein und nur den Afterklauen der Rinder vergleichbar. Die Ulna ist in ihrer ganzen Länge als ein sehr dünner, innig mit dem Radius verbundener Schaft zu verfolgen. Diesem Hipparion reiht sich das Anchitherium aus der ältern Miocän- und vielleicht der jüngern Eocänperiode an. Dies Tier besaß drei gebrauchsfähige Zehen, eine vom Radius ganz gesonderte Ulna, 44 Zähne, Schneidezähne ohne starke Grube, bei beiden Geschlechtern wohl entwickelte Eckzähne und stets einen ansehnlichen siebenten Mahlzahn. Diese Funde, welche immerhin schon gute Andeutungen über die Abstammung des Pferdes geben, sind weit übertroffen worden durch das im nordamerikanischen Westen zusammengebrachte paläontologische Material, welches auch für die Entwickelungsgeschichte der Säugetiere im allgemeinen von höchster Bedeutung ist. Als ältester Vertreter des Pferdetypus zeigt sich der Eohippus, ein fuchsgroßes Tier aus den untern Eocänschichten mit 44 Zähnen, kurzkronigen Mahlzähnen, 4 Zehen nebst einem Rudiment der fünften (ersten) am Vorderfuß und 3 Zehen am Hinterfuß. Bei dem wenig größern Orohippus aus der nächst höhern Gruppe der Eocänschichten ist die rudimentäre erste Zehe des Vorderfußes ganz verschwunden, die Ulna und Fibula sind wohl entwickelt. Wieder um einen Schritt näherte sich unserm jetzigen Pferde der Mesohippus von der Größe eines Schafes aus dem untern Miocän; hier finden sich auch an den Vorderfüßen nur noch drei Zehen nebst einem Knochensplitter der vierten, an den Hinterfüßen drei Zehen; Radius und Ulna sowie Tibia und Fibula sind gesondert. In der obern Miocänschicht tritt der größere Miohippus auf, welcher sich dem europäischen Anchitherium nähert, drei vollständige Zehen, von denen die beiden seitlichen kleiner als die mittlere sind, und außerdem ein Rudiment der fünften Zehe besitzt. Die Gattung Protohippus aus dem untern Pliocän erreicht die Größe eines Esels und entspricht dem Hipparion. Sie besitzt an jedem Fuß eine große und zwei