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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Pferdeaushebung - Pferdehacke.

nur auf die Dressur der schweren Rassen zum Fracht-, zum Turnier- und Gefechtsdienst, welche eine eigne eiserne Rüstung und den vom Kopf bis zu den Füßen in Eisen gewappneten Reiter zu tragen hatten. Kein Wunder, daß die schweren, unbehilflichen Reitergeschwader der abendländischen Reiche so häufig den wenig behinderten der in Europa einbrechenden Mongolen und Sarazenen erlagen. Später gewannen dann wieder die leichtere Bewaffnung und bessere taktische Ausbildung der erstern den Sieg.

Die Nutzung des toten Pferdes ist eine ziemlich mannigfache. Das Fleisch geschlachteter P. wird gegessen (in Berlin 1887: 5825 Stück, s. Fleisch, S. 362 f.), das Fell wird in der Gerberei, das Mähnen- und Schwanzhaar zu Geweben etc. und als Polstermaterial benutzt (s. Roßhaar), der Huf dient zur Blutlaugensalzfabrikation, aus dem Kamm gewinnt man fettes Öl, und ganze Kadaver werden auf Fett und Schlichte (Bonesize) verarbeitet, die Knochen wie andre Tierknochen benutzt.

[Litteratur.] D'Alton, Naturgeschichte des Pferdes (Weim. 1810-16, 2 Bde.); Hertwig, Taschenbuch der gesamten Pferdekunde (4. Aufl., Berl. 1878); Freytag, Pferderassen (Halle 1875); Janssen, Die Pferderassen der Gegenwart (Wandsbeck 1885); Born u. Möller, Handbuch der Pferdekunde (2. Aufl., Berl. 1884); Müller und Schwarznecker, Die Pferdezucht (2. Aufl., das. 1884, 2 Bde.); Baumeister-Rueff, Anleitung zum Betrieb der Pferdezucht (4. Aufl., Stuttg. 1873); Löffler, Zucht, Pflege und Veredelung des Pferdes (3. Aufl., Berl. 1874); Graf Lehndorf, Handbuch für Pferdezüchter (2. Aufl., das. 1882); Sanders, Pferdezucht (deutsch, Bresl. 1888); Hoffmann, Das Exterieur des Pferdes (Berl. 1887); Wolff, Rationelle Fütterung des Pferdes (das. 1886); Graf Wrangel, Das Buch vom Pferde (Stuttg. 1887 ff.); Nathusius, Das schwere Arbeitspferd (Berl. 1882); Derselbe, Die Zucht schwerer Arbeitspferde (das. 1885); Schnäbeli, Gestütalbum (das. 1863-74); Nathusius, Deutsches Gestütalbum (das. 1868-70); Schwartz u. Krocker, Deutsches Gestütbuch, Geschichte und Beschreibung deutscher Gestüte (das. 1872-73, 2 Bde.); Frentzel, Stutbuch des Hauptgestüts Trakehnen (das. 1878); über den Pferdestall die Schriften von Jähn (Leipz. 1877), Engel (Berl. 1876) und Rueff (das. 1875); Schönbeck, Reithandbuch für berittene Offiziere (3. Aufl., Magdeb. 1887); Wörz, Gesundheitslehre des Pferdes (Ulm 1875); Hoffmann, Taschenlexikon der Pferdekunde (Berl. 1884); Jähns, Roß und Reiter in Leben, Sprache, Glauben und Geschichte der Deutschen (Leipz. 1872, 2 Bde.); "Hippologische Revue" (hrsg. von Graf Wrangel, Stuttg. 1887 ff.).

Pferdeaushebung (Pferdegestellung), Beschaffung des kriegsmäßigen Pferdebedarfs der Armee durch Abnahme kriegsbrauchbarer Pferde von den Pferdebesitzern gegen volle Entschädigung. Nach dem deutschen Reichsgesetz vom 13. Juni 1873 über die Kriegsleistungen sind von der Verpflichtung zur Überlassung des nötigen Pferdematerials zum Zweck der Mobilmachung nur befreit: 1) die Mitglieder der regierenden deutschen Familien; 2) die Gesandten fremder Mächte und das Gesandtschaftspersonal; 3) Beamte, Ärzte und Tierärzte hinsichtlich der Dienstpferde; 4) Posthalter hinsichtlich der kontraktmäßig zu haltenden Postpferde. Bei Eintritt der Mobilmachung findet in den einzelnen Musterungsbezirken eine Musterung des Pferdebestandes durch eine aus pferdekundigen Personen bestehende Musterungskommission unter Zuziehung eines Tierarztes zur Prüfung der gestellten Pferde und Aussonderung der kriegsbrauchbaren statt. Hieran schließt sich die Aushebung des erforderlichen Kontingents durch einen Zivil- und einen Militärkommissar unter Zuziehung eines Tierarztes und dreier Taxatoren zum Zweck der Abschätzung unter Zugrundelegung der Friedenspreise. Zur Erhaltung der Übersicht über den Pferdebestand im Land finden Vormusterungen sämtlicher Pferde durch eine Vormusterungskommission in der Regel von zehn zu zehn Jahren statt.

Pferdebahnen, s. Straßeneisenbahnen.

Pferdebohne, s. Vicia.

Pferdebremse, s. Bremen, S. 384.

Pferdedinkel, s. Spelz.

Pferdeegel, s. Blutegel, S. 72.

Pferdefleischholz, s. Bolletrieholz und Rhizophora.

Pferdefuß (Pes equinus, Spitzfuß), Mißgestaltung des Fußes, wobei die Fußsohle mit dem Unterschenkel eine und dieselbe Richtung hat und die Ferse bedeutend in die Höhe gezogen ist, so daß der Kranke beim Gehen nur mit den Zehen und vorzüglich mit dem Ballen auftritt. Die Achillessehne ist dabei stark gespannt, der Fuß gleichzeitig so umgeformt, daß sein Rücken stärker gewölbt, seine Sohle mehr ausgehöhlt erscheint. Im höchsten Grade des Übels kann sich eine so totale Umdrehung des Fußes bilden, daß die Fußspitze nach hinten gerichtet ist und der Kranke ganz auf dem Fußrücken geht. Die Ursache des Pferdefußes liegt in einer abnormen Zusammenziehung und Verkürzung der Wadenmuskeln; später verkürzen sich auch die Aponeurose der Fußsohle, der hintere Schienbein- und der lange Wadenmuskel. Bei einem hohen Grade der Verkrümmung wird die Gelenkfläche des Sprungbeins so weit verschoben, daß sie beinahe außer Verbindung mit der Schienbeinröhre und letztere beinahe ganz auf den hintern Teil des Fersenbeins zu stehen kommt. Der P. ist bald angeboren, bald in der frühsten Kindheit erworben. In allen Fällen ist das Gehen entweder ganz unmöglich oder in hohem Grad schmerzhaft. Die Behandlung des Pferdefußes ist eine mechanisch-operative. Nach Durchschneidung der abnorm gespannten Achillessehne wird der Fuß in der Chloroformnarkose richtig gestellt und in einem Gipsverband bis zur Heilung in demselben fixiert. In sehr hochgradigen Fällen muß diese Korrektion in wiederholten Sitzungen hergestellt werden. Die Behandlung mit Maschinen ist eine sehr viel langwierigere und dabei unsichere. Wo der Fußrücken sehr stark gewölbt und die Aponeurose der Fußsohle strangartig gespannt ist, wird meist auch die Durchschneidung dieser notwendig. - Der P., welchen der alte Volksaberglaube dem Teufel als charakteristisches Abzeichen beilegt und einerseits dem Hinkefuß der Feuer- und Unterweltsgottheiten der Inder, Ägypter, Griechen, Römer und Germanen und anderseits den Bockfüßen des gehörnten Pan und seiner Scharen analog erscheint, ist wahrscheinlich auf das Roß Wuotans zurückzuführen, der nach Einführung des Christentums in der Sage als Teufel fortlebte.

Pferdehaar, s. Roßhaar.

Pferdehacke, von Pferden oder Ochsen gezogener Apparat zur Bearbeitung der Zwischenräume von in Reihen angebauten Kulturgewächsen, namentlich der Rüben. Diese Bearbeitung hat die Aufgabe, die Erde zu lockern, die Unkräuter zu zerstören und schließlich den Boden gegen die Pflanzen derartig anzuhäufeln, daß diese auf Kämmen stehen. Man bediente sich zu dieser Arbeit früher ausschließlich des Pflugs, in wel-^[folgende Seite]