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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Pflug

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Pflug (Theorie, Flach- u. Steilwender, Schwing- u. Karrenpflüge, Hauptteile).

liche Fortschritte gemacht, so daß wir jetzt in demselben ein Bodenbearbeitungsgerät besitzen, welches allen Anforderungen der Landwirtschaft entspricht.

Der P. hat die Ausgabe, den Boden zu lockern, zu wenden und zu mischen. Gleichzeitig soll die Oberfläche eine rauhe werden, so daß sie den Einwirkungen der Atmosphäre wirksamer ausgesetzt ist als bei glatter Oberfläche. Ferner dient der P. zum Zerstören der Unkräuter sowie zum Unterbringen des Düngers und zuweilen auch der Saat. Die Konstruktion des Pflugs richtet sich in erster Linie nach der Bodenbeschaffenheit, ferner nach dem Tiefgang und dem speziellen Zweck der Arbeit. Ein schwerer Thonboden mit vollkommen oder annähernd plastischer Eigenschaft unterliegt bei seiner Bearbeitung andern Gesetzen als ein lockerer Sandboden, dessen Teilchen sich nach dem Böschungswinkel lagern. Die meisten der Bearbeitung durch den P. unterworfenen Bodenarten, wie der milde Thonboden, der sandige Lehmboden, der Kalkboden, der humose Boden, der Moorboden, liegen in Hinsicht ihrer Kohäsion zwischen dem plastischen (schweren Thon-) und dem schüttbaren (Sand-) Boden. Daraus ergibt sich, daß auch der P. für diese verschiedenen Bodenarten abweichend konstruiert werden muß, wenn er seine Aufgabe vollkommen erfüllen soll, und ferner, daß kein P. auf Böden von verschiedenen physikalischen Eigenschaften gleich gut arbeiten kann.

Der P. für plastische Böden, deren Typus der in Fig. 2 der Tafel dargestellte englische P. ist, wirkt in der Weise, daß der durch die weiter unten zu besprechenden Teile, Kolter und Schar, vertikal und horizontal von seinem Zusammenhang losgetrennte Erdbalken von dem lang gezogenen Streichbrett erfaßt und gewendet wird. Derselbe erhält hierdurch, wie dies aus der Textfig. 2 ersichtlich wird, zunächst eine Drehung um 90°, alsdann um eine zweite Drehachse, welche von der ersten um die Furchentiefe in horizontale Richtung entfernt liegt, eine weitere Drehung um 45°. Das Streichbrett verrichtet gleichsam die Arbeit einer Schraubenmutter, welche an ihrer Drehung behindert ist, demnach bei ihrer geradlinigen Fortbewegung die Schraube, d. h. im vorliegenden Fall den Erdbalken, welcher sich in der Längsrichtung nicht verschieben kann, in Drehung versetzt. Nach diesem Prinzip ist der Pflugkörper des in Fig. 2 der Tafel dargestellten englischen Pflugs angeordnet, welcher sich für schwere Thonböden am besten bewährt hat. Übrigens gestattet die Konstruktion der Pflüge dieses Systems noch einen weiten Spielraum in der Anordnung des Streichbretts. So kann z. B. die Steigung der Schraube, welche die Länge des Streichbretts bedingt, sehr verschieden gewählt werden. Je schwerer der Boden, desto steiler wird der Steigungswinkel der Schraube gewählt, desto länger wird mithin das Streichbrett. Je weniger steil der Winkel genommen wird, desto größer ist die seitliche Pressung des Streichbretts gegen den in der Wendung begriffenen Erdbalken, desto mehr wird dieser in sich gekrümelt. Man unterscheidet danach die Schraubenpflüge in Flachwender und Steilwender, von denen erstere mit sehr lang gezogenem Streichbrett den Erdbalken glatt umlegen, während die Steilwender mit kürzern Streichbrettern den Boden in sich zerbrechen, krümeln. Besteht der Boden dagegen aus lockerm Sand, so kann ein nach dem Schraubenprinzip angeordnetes Streichbrett keine zweckentsprechende Wirkung ausüben. Dasselbe muß vielmehr eine schräg zur Fortbewegungsrichtung gestellte, allmählich aufsteigende Fläche besitzen, deren Steigungswinkel am untern Teil, bei der Schar, ein nur schwacher ist, so daß die lockere Erde von dem Streichbrett aufgenommen wird. Der Steigungswinkel nimmt aber nach obenhin zu, so daß schließlich die aufgehobene Masse, sobald der Steigungswinkel steiler wird als der Böschungswinkel derselben, schräg nach vorn übergeworfen wird. Pflüge nach diesem System heißen Ruchadlo-Pflüge nach der böhmischen Bezeichnung, da derartige Pflüge ursprünglich in einzelnen Distrikten Böhmens Anwendung fanden. Zu den Flachwendern gehören, wie erwähnt, vor allen die englischen Pflüge, zu den Steilwendern die Hohenheimer und Dombasle-Pflüge (französischen Pflüge), beide aus den flandrischen Pflügen entstanden; ferner die in Österreich vielfach benutzten Zugmayerschen, Claytonschen, die ungarischen Vidatspflüge. In Deutschland wendet man in neuerer Zeit vorwiegend Pflüge an, welche einen Übergang von den Steilwendern zu den Ruchadlos bilden, wie die Sackschen Pflüge, manche Eckertschen Pflüge, ferner die nach dem Ruchadlo-Prinzip angeordneten Wanzlebener Pflüge.

Man unterscheidet die Pflüge ferner in Schwing- und Karrenpflüge, von denen erstere keine Unterstützung am vordern Ende des Pflugbaums erhalten, während letztere mit einem Karren zur bessern Führung des Pflugs versehen sind. Einzelne Pflüge, z. B. der P. in Fig. 1 der Tafel, erhalten nur ein einziges Rad oder selbst eine Stelze zur Unterstützung. In neuerer Zeit werden die Schwingpflüge fast allerwärts von den Karrenpflügen verdrängt, da die Führung der letztern eine bequemere ist als diejenige der Schwingpflüge, namentlich seitdem die Pflugkarren zu großer Vollkommenheit ausgebildet worden sind. Bei dem gewöhnlichen P., der die Aufgabe hat, den Boden zu wenden, lassen sich drei Hauptteile unterscheiden, und zwar 1) der Pflugkörper, 2) der Pflugbaum oder Grindel mit den Handhaben oder Sterzen, 3) die Anspann- und Zugvorrichtung. Der Pflugkörper setzt sich zusammen aus dem Kolter (Sech oder Messer), welches ein vertikales Lostrennen des Erdbalkens bewirkt, ferner der Schar, welche denselben horizontal durchschneidet, und dem Streichbrett (Rüster oder Riester), welches den geschnittene Erdbalken in bereits dargelegter Weise wendet. Zur Befestigung des Streichbretts und der Schar an dem Pflugbaum dient die Griessäule, zur geradlinigen Führung des Pflugs die Sohle, als horizontale Fortsetzung der Scharspitze nach hinten, und die Landseite

^[Abb.: Fig. 2. Erdbewegung bei der Arbeit des Schraubenpflugs.]