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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Pflug

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Pflug (Einteilung der Pflüge).

(Molterbrett), welche gegen das von dem Kolter abgeschnittene, stehen bleibende Land schleift. Die letztern drei Teile werden bei gußeisernen Pflügen häufig aus einem Stücke gefertigt. Das Kolter wird an dem Grindel befestigt, ebenso die vor demselben hin und wieder angebrachte Schälschar, welche zum Abschälen des Rasens und der obersten harten Erdkruste dient. Die Schar und das Kolter müssen aus einem zweckentsprechenden Material, am besten Stahl oder erstere auch aus Hartguß, gefertigt sein, um sich möglichst wenig abzunutzen, da andernfalls die Dauer des Pflugs eine nur sehr geringe sein würde. Das Nämliche gilt von dem Streichbrett, für welches die verschiedensten Materialien verwendet werden und zwar Holz, mit Eisen beschlagenes Holz, Gußeisen, Schmiedeeisen und Stahl. In Amerika wendet man eigne Eisen- und Stahlmischungen an, um die Streichbretter bei großer Härte möglichst wenig spröde zu machen. Die weiteste Verbreitung haben früher die gußeisernen Streichbretter gefunden; man ist bei denselben im stande, eine einmal als vorteilhaft bewährte Form immer wieder in genau gleicher Weise zu erzeugen. Schmiedeeisen und Stahl zeichnen sich bei geringer Abnutzbarkeit namentlich dadurch aus, daß das Gewicht des Pflugs bei denselben nicht unerheblich reduziert werden kann; aus diesem Grund werden sie auch in neuerer Zeit immer häufiger, bei den bessern Pflügen fast allgemein angewendet. Der Pflugbaum oder Grindel dient zum Zusammenfassen aller Teile des Pflugs. Die Form desselben richtet sich nach diesen Teilen; es muß darauf Bedacht genommen werden, daß sich zwischen der Schar und der untern Fläche des Grindels ein genügender Raum befindet, um Verstopfungen durch Erde, Stoppeln, Dünger etc. zu verhüten. Das Material des Pflugbaums ist entweder Holz, am besten Eschen, Rüstern, Birken oder Eichen, oder Schmiedeeisen. Letzteres wird vornehmlich bei den englischen und norddeutschen Pflügen angewendet, während in den übrigen Ländern das Holz noch vielfache Verwendung zu den Pfluggrindeln findet. Die Sterze, zur Führung des Pflugs dienend, werden unmittelbar an dem Grindel befestigt und untereinander verstrebt. Zuweilen, wie z. B. bei einigen ältern Hohenheimer Pflügen, wird nur ein Sterz angewendet. Der wichtigste Teil der Zugvorrichtung ist der Regulator. Derselbe dient zur Einstellung des Pflugs für den Tiefgang und für die Breite der Furchen und besteht stets aus einer Vorrichtung, welche ein Hoch- und Niedrig- sowie Seitwärtsstellen des Anspannungshakens am Pflugkopf gestattet. Eine derartige Vorrichtung, welche in der verschiedensten Weise angeordnet sein kann, darf bei keinem P. fehlen; bei Karrenpflügen kann die Stellvorrichtung für den Tiefgang auch darin bestehen, daß die Verbindungskette des Karrens mit dem Grindel verkürzt oder verlängert wird, wodurch ebenfalls ein Senken oder Angeben der Scharspitze erfolgt. Wird der Regulator gesenkt, so hebt sich die Scharspitze aus dem Boden, d. h. der P. geht flacher; wird der Regulator gehoben, so geht die Spitze tiefer in den Boden, der P. macht also eine tiefere Furche. Stellt man den Anspannungshaken mit Hilfe des Regulators seitwärts nach dem ungepflügten Land zu, so geht die Scharspitze mehr aus dem Lande, d. h. die Furchen werden schmäler; stellt man denselben dagegen mehr nach der Furchenseite, so geht die Scharspitze mehr in das Land hinein, die Furchen werden also breiter.

[Einteilung der Pflüge.] Klasse A. Pflüge zum Wenden. 1) Einfache Pflüge mit festen Streichbrettern nach dem bisher besprochenen System. 2) Rajolpflüge, auch Tiefgangpflüge genannt, d. h. Pflüge, welche den Boden zu großer Tiefe, bis zu 40 cm, bearbeiten. Der gewöhnliche P. arbeitet nur in einer Tiefe von 10-25 cm und erfordert hierbei eine Bespannung mit zwei Pferden oder Ochsen; für größern Tiefgang sind vier Pferde oder Ochsen erforderlich. Es gelingt selten, selbst auf nur mittelschweren Böden, mit vier kräftigen Ochsen eine größere Tiefe als 36 cm zu erreichen. Vielfach zieht man es daher vor, das weitere Lockern des Untergrundes mittels besonderer Wühlschare zu bewirken, die unmittelbar hinter dem Pflugkörper angebracht sind und zu verschiedener Tiefe eingestellt werden können. Es hat dies auch den Vorzug, daß man die tiefer liegende, oft eisenreiche, demnach für das Wachstum der Pflanzen schädliche Erde nicht auf die Oberfläche bringt. 3) Kehr- oder Gebirgspflüge, die auf hügeligem Terrain Furche an Furche legen. Das Streichbrett muß, um dieser Anforderung zu genügen, nach beiden Richtungen eingestellt werden können. Diese Pflüge werden in mannigfaltigste Konstruktion gefertigt; jedoch leisten sie zumeist eine unvollkommnere Arbeit als die gewöhnlichen Wendepflüge. 4) Mehrfache Pflüge mit 2-4 vollständigen, neben- und etwas hintereinander stehenden Pflugkörpern, welche in neuerer Zeit zu großer Vollkommenheit ausgebildet wurden.

Durch Benutzung hoher Räder, welche bei der Arbeit in der früher gezogenen Furche, beziehentlich auf dem ungepflügten Land laufen und den Vertikaldruck des Pflugs aufnehmen, war es möglich, dieselben für derartig leichten Gang einzurichten, daß stets eine Ersparung an Zugkraft gegenüber den einfachen Pflügen eintritt. Indem man ferner den mehrscharigen P. mit guten Stellvorrichtungen für den Tiefgang und das Fahrgestell derartig anordnete, daß der P. bei der Arbeit nicht aus der Richtungsfurche abgelenkt werden kann, wurde die Zahl der erforderlichen Arbeiter gegenüber der bei dem einfachen P. notwendigen erheblich vermindert. Die mehrscharigen Pflüge werden in folgenden Ausführungen verwendet: 1) als Doppelpflüge für alle Arbeiten auf nicht zu schwerem Boden bis auf 0,22 m Tiefgang; 2) als Dreifurchenpflüge für gewöhnliche Pflugarbeit auf leichtem Boden bis 0,18 m Tiefe, namentlich für das Stoppelstürzen und zur Unterbringung der Saat (Saatpflüge); 3) als Vierfurchenpflüge zum Abschälen von Klee- und Grasnarben, zum Stürzen der Stoppeln und zur Unterbringung der Saat. Der Doppelpflug erfordert für die angegebene Arbeit 1 Pflüger und 3 Pferde, beim Stoppelstürzen sogar gewöhnlich nur 2 Pferde; er verrichtet mindestens die doppelte Arbeit des einfachen Pflugs, der für gleiche Leistung 2 Arbeiter und 4 Pferde bedingt. Es werden somit ein Viertel der Anspannung und die Hälfte der Bedienung, d. h. etwa 35 Proz. der Betriebskosten, erspart. Diesen Vorzügen steht der höhere Preis des Doppelpflugs gegenüber 2 einfachen Pflügen entgegen, welcher sich jedoch gewöhnlich bereits im ersten Jahr durch die Ersparung an Arbeitslöhnen und Spannkraft deckt. Der Dreifurchenpflug erfordert 1 Arbeiter und für die Unterbringung der Saat 2, für gewöhnliche Pflugarbeit 3-4 Pferde; derselbe leistet das Nämliche wie 3 Pflüge mit 3 Arbeitern und 6 Pferden. Er eignet sich besonders für große Leistungen auf leichtem Boden, wenn die Arbeiten im Herbst und Frühjahr sehr dringend sind. Bei Ochsenbespannung leistet der dreischarige P. mit 8 Ochsen