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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Pitonchina; Pitotsche Röhre; Pitschen; Pitt

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Pitonchina - Pitt.

schen Stenographiesysteme so ziemlich verdrängt; auch auf Französisch, Spanisch und Deutsch (von Drießlein, 2. Aufl., Leipz. 1884) wurde sein System übertragen. Vgl. Robinson, I. Pitman's phonography (im "Panstenographikon", Bd. 1, Dresd. 1869-74); Pitman, Manual of phonography (Lond. u. Bath); Derselbe, A history of short-hand (das.); "The list of the Phonetic Society for 1883" (das.).

Pitonchina, s. Exostemma.

Pitotsche Röhre (spr. pito-), zur Messung der Geschwindigkeit fließender Wasser bestimmtes Werkzeug, besteht in einer rechtwinkelig gebogenen Röhre, deren kürzerer wagerechter, am Ende etwas erweiterter Schenkel mit der Mündung der Strömung wagerecht entgegengehalten wird, wodurch sich die Wassersäule im Innern des längern lotrechten Schenkels um so höher über den Wasserspiegel erhebt, je stärker die Strömung ist. Dieser lotrechte Schenkel ist mit einer Teilung versehen, mittels deren jene Erhebung gemessen werden kann. Kennt man aus den mit diesem Werkzeug in einem künstlichen Gerinne wiederholt angestellten Beobachtungen diejenige Geschwindigkeit des Wassers, welche einer bestimmten Erhebung entspricht, so läßt sich eine Tabelle berechnen, aus welcher die allen beobachtete Erhebungen entsprechenden Geschwindigkeiten sofort entnommen werden können. Die Pilotschen Röhren sind in neuerer Zeit wesentlich besonders von Darcey und Reichenbach vervollkommt und mit Apparaten versehen worden, welche die in verschiedenen Wassertieren einer Beobachtungsstelle verschiedenen Geschwindigkeiten graphisch darstellen. Vgl. Bauernfeind, Elemente der Vermessungskunde (6. Aufl., Stuttg. 1878).

Pitschen, Stadt im preuß. Regierungsbezirk Oppeln, Kreis Kreuzburg, an der Linie Posen-Kreuzburg der Preußischen Staatsbahn, 187 m ü. M., hat 2 evangelische und eine kath. Kirche, ein Amtsgericht, eine Dampfsägemühle, Ziegelbrennerei und (1885) 2174 Einwohner.

Pitt, 1) Thomas, der Gründer des Hauses Chatham, geb. 1653, wurde gegen das Ende des Jahrhunderts Gouverneur von Madras. Hier brachte er den unter dem Namen Pitts-Diamant bekannten großen Diamanten (s. Tafel "Diamanten", Fig. 2) an sich, den er später an den Herzog von Orléans als Regenten von Frankreich verkaufte. P. saß in vier Parlamenten und starb 1726.

2) William, Graf von Chatham, berühmter engl. Staatsmann, Enkel des vorigen, geb. 15. Nov. 1708 zu Boconnock in Cornwall, trat in ein Dragonerregiment, erhielt aber 1735 durch die Herzogin von Marlborough einen Sitz im Parlament, wo er sein glänzendes Rednertalent in den Dienst der Opposition gegen Walpole stellte. 1746 wurde er Vizeschatzmeister von Irland und bald darauf Geheimrat und Generalzahlmeister der Armee. Nachdem er 1755 aus dieser Stellung geschieden, ward er 1756 zum Staatssekretär ernannt, erhielt aber schon nach zwei Monaten seine Entlassung, da er den Krieg nur mit Rücksicht auf die englischen Interessen und ohne Berücksichtigung der hannöverschen Erblande des Königs geführt wissen wollte. Doch war die öffentliche Meinung so entschieden auf seiner Seite, daß schon nach einigen Monaten seine Wiederanstellung erfolgte. Er führte nun das Staatsruder so geschickt und kraftvoll, daß England bald über Frankreich in allen Weltteilen die größten Vorteile errang. Die ungeheuern Erfolge seiner Politik bewirkten, daß der große Staatsmann vom Volk bald vergöttert wurde. Als er nach Georgs III. Thronbesteigung von dem Familientraktat zwischen Frankreich und Spanien Kunde bekam, drang er auf unverweilte Kriegserklärung gegen Spanien, ward aber durch den Einfluß des Grafen Bute im Kabinett überstimmt und trat daher 5. Okt. 1761 zurück. Vergebens versuchte Bute 1762 und 1765 ihn wieder in das Kabinett zu ziehen, P. trat an die Spitze der Whigs und blieb in der Opposition. Im März 1766 übernahm er die Bildung eines aus Männern aller Parteien zusammengesetzten Ministeriums, worin er sich den Posten eines Siegelbewahrers vorbehielt, und trat gleichzeitig mit dem Titel Lord Chatham in das Oberhaus. Als die unglückseligen Maßregeln gegen die nordamerikanischen Kolonien ergriffen wurden, riet er umsonst zur Mäßigung. Als aber nach dem Abschluß des Bündnisses der Vereinigten Staaten mit Frankreich die Minister auf Frieden drangen, eilte P. 2. April 1778 vom Krankenlager ins Oberhaus und hintertrieb durch eine ergreifende Rede diesen Schimpf. Kaum hatte er geendet, als ihn eine Ohnmacht überfiel; bald darauf, 11. Mai 1778, starb er auf seinem Landgut Hayes bei Kent. Vgl. Almon, Anecdotes of William P., Earl of Chatham, with his speeches in Parliament (4. Aufl., Lond. 1810, 3 Bde.); "Correspondance of the Earl of Chatham" (das. 1838-40, 4 Bde.); Thackeray, Life of Chatham (das. 1827, 2 Bde.).

3) William, der jüngere, ebenfalls berühmter brit. Staatsmann, zweiter Sohn des vorigen, geb. 28. Mai 1759, studierte zu Cambridge und trat 1780, da ihm sein Vater nur ein unbedeutende Vermögen hinterlassen hatte, in London als Sachwalter auf. Durch den Einfluß des Herzogs von Rutland erlangte er schon im folgenden Jahr einen Sitz im Unterhaus für Aggleby. Er schloß sich hier der Whigpartei an, die sein Vater bis zu seinem Tod geleitet hatte, sprach gegen den amerikanischen Krieg, trug 1782 wesentlich zu dem Sturz des Ministeriums North bei und errang sich durch sein Drängen auf Abschaffung der Testakte, Emanzipation der Katholiken und namentlich auf Reform des Parlaments große Popularität. Untergeordnete Ämter, die ihm angeboten wurden, lehnte er ab; als aber Fox 1782 resignierte, trat P. als Schatzkanzler in das Ministerium Shelburnes ein. Seitdem war er der erklärte Gegner von Fox und dessen Politik. In das nach Shelburnes Sturz 1783 gebildete Koalitionsministerium Fox-North trat er deshalb nicht ein und bekämpfte die von Fox eingebrachte Indiabill, wonach alle Rechte der Kompanie an den Staat übergehen sollten, im Unterhaus auf das heftigste; sie ging zwar trotzdem durch, wurde aber im Oberhaus durch die unmittelbar Einwirkung des Königs verworfen. Georg III. entließ darauf das Ministerium und ernannte den 24jährigen P. 19. Dez. 1783 zum Premier; das Unterhaus wurde 1784 aufgelöst, und in dem neu zusammentretenden hatte P. die überwältigende Mehrheit. Durch eine neue Indiabill, die er einbrachte, wurde die Ostindische Kompanie einer von der Krone zu ernennenden Kontrollbehörde unterworfen. Mit großer Energie und Umsicht ordnete P. darauf das zerrüttete Finanzwesen und hob namentlich durch die Einführung von Tilgungsfonds den öffentlichen Kredit. 1786 brachte er einen günstigen Handelsvertrag mit Frankreich zu stande. Allein die Ausschreitungen der französischen Revolution machten P., dem sich seit 1791 viele ehemalige Whigs unter Führung Burkes anschlossen, immer konservativer, und er bestrebte sich, dem Umsichgreifen der demokratischen Ideen in England durch die Fremdenbill, die zeitweilige Suspension der Habeaskorpusakte, die Beschränkung des