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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Plate-forme; Platen

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Plate-forme - Platen.

Plate-forme (franz., spr. platt-), s. Plattform.

Platen, altes pommersches Grafengeschlecht, das schon 1308 in Urkunden erwähnt wild und 1630 in den deutschen Reichsfreiherrenstand erhoben wurde. Die ältere Linie ist in Schweden reichssässig, die jüngere nennt sich P. zu Hallermund und führt seit 1829 das Prädikat Erlaucht. Die namhaftesten Sprößlinge des Geschlechts sind:

1) August, Graf von P.-Hallermund, hervorragender Dichter, geb. 24. Okt. 1796 zu Ansbach als Sohn des preußischen Oberforstmeisters. Grafen P., erhielt infolge des Übergangs der fränkischen Fürstentümer an Bayern seit 1806 seine Erziehung in der Kadettenschule zu München, trat 1810 in das Pageninstitut daselbst, 1815 als Leutnant in das bayrische Leibregiment König Max ein, mit dem er dem kurzen Feldzug von 1815 beiwohnte und bis 1817 bei der Okkupationsarmee in Frankreich verblieb. Nach der Heimkehr empfand der jugendliche Offizier die Leere des Garnisondaseins und den Drang zu wissenschaftlicher Bildung um so stärker, als sich sein poetisches Talent bereits zu regen begann und in engern Kreisen Hoffnungen erweckte. Er erhielt Urlaub, um sich in Würzburg und Erlangen Universitätsstudien (hauptsächlich philologischen und philosophischen) zu widmen. In Erlangen schloß er sich namentlich begeistert an den 1820 dorthin berufenen Philosophen Schelling an. Seine "Ghaselen" (Erlang. 1821) und "Lyrischen Blätter" (Leipz. 1821), "Vermischten Schriften" (Erlang. 1822) und "Neuen Ghaselen" (das. 1823) zogen durch ihren Inhalt und vor allem durch ihre reine Form die Aufmerksamkeit hervorragender Schriftsteller und selbst Goethes auf sich. Auf Ferienreisen gewann P. persönliche Beziehungen zu Goethe, Knebel, Jean Paul, Rückert, Uhland, G. Schwab, deren Anerkennung das in ihm vorhandene starke Selbstgefühl rasch steigerte. Stand P. zunächst noch unter den Einflüssen der Romantik und namentlich der in den 20er Jahren viel empfohlenen Muster der spanischen Dramatik, so zeigten doch die Jugenddramen des Dichters, welche während seiner Erlanger Studienzeit entstanden ("Der gläserne Pantoffel", "Der Schatz des Rhampsinit", "Berengar", "Treue um Treue"), neben der Stoffwahl im Sinn der Romantiker einen selbständigen Zug zur Klarheit der Handlung und zur Bestimmtheit des Ausdrucks. Die Herbstreise des Jahrs 1824, welche P. nach der Schweiz und nach Venedig unternahm (sie trug als poetische Frucht die schönen "Sonette aus Venedig"), entschied insofern über seine Zukunft, als der Dichter, der noch immer im Militärverband stand, wegen Überschreitung seines Urlaubs eine mehrwöchentliche Arreststrafe in Nürnberg zu verbüßen hatte und nunmehr definitiv seinen Abschied nahm. Platens Entwickelung trat in dieser Zeit mehr und mehr in einen bewußten Gegensatz zur Tagesbelletristik. Seine Entrüstung über die Stümperei und Unkunst vieler Nachromantiker, über die inhaltsleere Lyrik und Novellistik sowie über die geschmackswidrige Richtung der Schicksalstragödien konzentrierte sich in der nach Aristophanischem Muster geschaffenen Komödie "Die verhängnisvolle Gabel" (Stuttg. 1826). Die Gleichgültigkeit, ja Feindseligkeit, mit welcher in den meisten litterarischen Kreisen Deutschlands sein Enthusiasmus für Reinheit und Würde der Poesie aufgenommen wurde, vermehrten den Widerwillen des Dichters gegen diese Zustände. Er trat daher 1826 eine Reise nach Italien an, welche sich in einen dauernden Aufenthalt im Lande der Kunst verwandelte, dessen Eigenart ihm in allem zusagte. In Florenz, Rom und Neapel wurde der deutsche Poet heimisch, und obschon er mit Lebenssorgen zu kämpfen hatte, denen eine kleine Pension König Ludwigs I. von Bayern und ein Jahrgehalt der Cottaschen Buchhandlung nur unvollkommen abhalfen, fühlte er sich in seinem selbstgewählten Leben als "wandernder Rhapsode" frei und glücklich. Die Polemik, die er in der "Verhängnisvollen Gabel" gegen die deutschen Litteratur zustände eröffnet hatte, setzte er in der Komödie "Der romantische Ödipus" (Stuttg. 1828) fort, und er hatte infolgedessen einen harten litterarischen Kampf gegen Heine und Immermann zu bestehen, von denen namentlich der erstere einen unedlen und tief gehässigen Ton anschlug, welcher das Urteil des größern Publikums über P. vielfach beirrte. Doch zählte der Dichter schon zu dieser Zeit Verehrer, welche, vom Ernst und von der Reinheit des Inhalts, von der Schönheit der Form seiner Dichtungen entzückt, selbst die Begrenzung des Platenschen Talents übersahen oder ableugneten. Die nächstfolgenden Jahre, welche er zum größten Teil in Neapel verbrachte (wo er mit dem Maler und Dichter A. Kopisch in freundschaftlichen Verkehr trat), brachten die beste Entwickelung des Dichters. Neben zahlreichen lyrischen Gedichten und Oden in antiken Versformen, neben Balladen und Romanzen entstanden Platens letztes Drama: "Die Liga von Cambrai", und das reizende frische Märchenepos "Die Abbassiden" (geschrieben 1830; gedruckt, Stuttg. 1834). In den "Geschichten des Königreichs Neapel" (Frankf. 1838) versuchte sich P. auch in der historischen Darstellung, ohne indes auf diesem Gebiet sonderliche Erfolge zu erringen. 1832 starb Platens Vater, und dies sowie der Wunsch, seine Beziehungen zur Cottaschen Verlagsbuchhandlung wiederum fester zu knüpfen, riefen P. nach achtjähriger Abwesenheit für kurze Zeit nach Deutschland zurück. Er lebte zwei Winter in Augsburg und München und redigierte die erste vollständige Sammlung seiner "Gedichte" (Stuttg. 1833), welche sich jetzt wachsender Teilnahme und Geltung erfreuten. Im Sommer 1834 ging der Dichter nach Italien zurück, verweilte wieder einige Zeit in Florenz und Neapel, ging im Frühling 1835 zum erstenmal nach Sizilien, kehrte im Spätsommer nach Neapel zurück und ward durch die Besorgnis vor der Cholera zu einem Winterausflug nach Sizilien bestimmt. Im September kam er nach Palermo, im November nach Syrakus, wo er im Hause seines Gastfreundes Don Mario Landolina erkrankte und 5. Dez. 1835 (wie er es gewünscht hatte, fern von der Heimat) starb. P. ward im Garten der Villa Landolina bestattet und sein Grab 1869 mit einem Denkstein geschmückt. Zu Ansbach steht eine Statue des Dichters. Der ersten Ausgabe seiner "Sämtlichen Werke" (Stuttg. 1839, in einem Band) folgten zahlreiche spätere Ausgaben (von K. Gödeke, das. 1847, 5 Bde., und 1882, 4 Bde.; von Redlich, Berl. 1883, 3 Bde.), obwohl der Dichter populär im eigentlichen Sinn des Wortes nicht zu werden vermochte. Der gehässigen Unterschätzung der echten Dichtergaben und des Künstlerwertes. Platens folgte seit den 40er Jahren eine wachsende Übersetzung. Der Einfluß, den seine stolze Idealität und künstlerische Formstrenge auf die jüngere Dichtergeneration gewann, verleitete dazu, P. als den allein mustergültigen Dichter der Neuzeit hinzustellen, was er aus mehr als einem Grund nicht zu sein vermochte. Zunächst sind es die Kraft und der Wohllaut seiner Sprache, welche in seinen Liedern, Sonetten, Balladen und Romanzen sowie in den antikisierenden Oden, Eklogen, Idyllen