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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Plin; Plinius; Plinius der jüngere; Plinsen; Plinthe; Pliocän; Plioir; Plissé; Plitt

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Plin. - Plitt.

eine Erziehungsanstalt für verwahrloste Kinder ("Wilhelmspflege"), Landwirtschaft, Anbau von Filderkraut (Sauerkohl), Korsettweberei, Färberei und (1885) 2440 meist evang. Einwohner. In der Nähe Schloß Hohenheim (s. d.).

Plin., bei naturwissenschaftl. Namen Abkürzung für G. Plinius Secundus, den ältern.

Plinius, 1) Gajus P. Secundus, der ältere (Major), röm. Gelehrter, geb. 23 n. Chr. zu Comum (dem jetzigen Como, nach der Praefatio seiner "Historia naturalis", die aber für unecht gehalten wird, zu Verona, vielleicht zu Rom) aus begüterter Familie, diente 45 in der römischen Reiterei in Germanien und besuchte bei dieser Gelegenheit das Land der Chauken und die Donaugegenden. 52 finden wir ihn in Rom, 67 als Prokurator in Hispanien, von wo aus er auch Afrika besuchte. Später ward er vom Kaiser Vespasian zu Staatsgeschäften verwandt. Zuletzt finden wir ihn als Befehlshaber der bei Misenum stationierten Flotte, und als solcher kam er 79 bei dem Ausbruch des Vesuvs ums Leben. Auf die Kunde von diesem Phänomen ließ er nämlich mehrere Schiffe in See gehen und bestieg selbst eins derselben. Unerschrocken machte er unter einem steten Regen heißer Asche und glühender Steine seine Beobachtungen und zeichnete sie auf. Man fand ihn drei Tage nach dem Erdbeben zu Stabiä, wahrscheinlich durch den Schwefeldampf erstickt. Ausführlich erzählt der jüngere Plinius (Ep. VI, 16) die Katastrophe. Daß P., seinen Tod voraussehend, durch einen Sklaven sich habe töten lassen, wie die "Vita Plinii" des Sueton berichten, ist unwahrscheinlich. P. galt unter seinen Zeitgenossen als einer der gelehrtesten Männer. Seine schriftstellerische Thätigkeit wird von dem Neffen (Ep. III, 5) als eine ganz außerordentliche geschildert; sie erstreckte sich auf Geschichte, Biographie, Theorie der Rhetorik, Kriegswissenschaft, Naturgeschichte, welch letztere er mit sichtlicher Begeisterung als Trost für das Elend der Zeit und als Mittel gegen die Verzweiflung an der sittlichen Weltordnung erfaßte. Das einzige uns erhaltene Werk des P. ist die "Historia naturalis" in 37 Büchern, eine Art von Encyklopädie, deren Inhalt nach des Verfassers eigner Versicherung aus mehr als 2000 Bänden geschöpft ist. Es beginnt mit Physik und Astronomie, dann folgt vom 3.-6. Buch eine zum Teil auf bloße Nomenklatur sich beschränkende Erdbeschreibung, weiter bis zum 19. Buch eine Naturgeschichte, den Menschen, das Tierreich und zuletzt die Pflanzenwelt behandelnd, woran sich bis zum 32. Buch die Auseinandersetzung der Heilkräfte, welche die Pflanzen- und Tierwelt bieten, anschließt. Den Beschluß machen das Mineralreich und die Betrachtung der daraus zu gewinnenden Heilmittel. Endlich folgt in den letzten 5 Büchern im Anschluß an die Metallurgie und Technik, soweit sie mit edlen Metallen in Arbeiten der Bildhauer, Steinschneider etc. sich beschäftigt hatte, noch eine übersichtliche Darstellung der Kunst und ihrer einzelnen Werke sowie der einzelnen Künstler des Altertums. Da der Verfasser auf den meisten Gebieten kein Mann von Fach war, so finden sich Verstöße aller Art in dem Werk; auch ermangelt dasselbe planmäßiger Anordnung des Materials und ist vielfach nichts als eine kritiklose, unzuverlässige Kompilation. Eine Revision desselben gaben Sillig (zuletzt Gotha 1851-58, 8 Bde.), Detlefsen (Berl. 1867-82, 6 Bde.) und v. Jan (fortgesetzt von Mayhoff, Leipz. 1857-75, 6 Bde.). Deutsche Übersetzungen lieferten unter andern: Wittstein (Leipz. 1881), Külb (Stuttg. 1869), Strack (Brem. 1853-1855, 3 Bde.).

2) Gajus P. Cäcilius Secundus, der jüngere (Minor), Sohn des L. Cäcilius und einer Schwester des vorigen, geb. 62 n. Chr. zu Conium, ward nach dem frühen Tod seines Vaters von seinem Oheim adoptiert und sorgfältig erzogen. Von Quintilian zum Redner gebildet, betrat er im 19. Lebensjahr die juridische Laufbahn, und diente dann als Kriegstribun in Syrien. Hierauf in den Staatsdienst eingetreten, ward er unter Domitian Quästor, Volkstribun und Prätor (93). Unter Trajan bekleidete er 100 das Konsulat und verwaltete um 112 als kaiserlicher Legat die Provinz Bithynien. Er starb um 114. P. stand mit den gebildeten Männern seiner Zeit in Verkehr, so mit Quintilian, Sueton, Silius Italicus, Martialis, ganz besonders aber mit Tacitus. Von seinen Schriften sind nur erhalten der an Trajan gerichtete "Panegyricus", eine im Senat gehaltene Dankrede für Verleihung des Konsulats, voll von übertriebenen Schmeicheleien gegen den Kaiser und in geziertem und künstlichem Stil, das Vorbild der spätern Panegyriker, und eine von ihm selbst veranstaltete Sammlung von "Epistolae" in zehn Büchern, von denen das letzte offizielle Korrespondenzen enthält. Sie geben ein treues Bild des sozialen und litterarischen Treibens jener Zeit und zeigen uns die Lebensweise eines mit Glücksgütern, geistiger Regsamkeit, feinem Geschmack und Empfänglichkeit für das Schöne reich ausgestattete Römers, der seine Schätze in edler Liberalität auch andern mitteilt und zu höhern Zwecken verwendet. Heiterer, aus Natur, Kunst und Wissenschaft ihm zuströmender Lebensgenuß ist die Luft, in der er atmet; in dieser Beziehung bildet er einen Gegensatz zu der düstern Lebensanschauung seines von ihm hochgeehrten ältern Freundes Tacitus. Die Sprache in den Briefen ist fließend und elegant, aber kunstvoll berechnet. Hauptausgabe von H. Keil (Leipz. 1870, mit Index nominum von Th. Mommsen); Übersetzungen von Schott (Stuttg. 1869), Klußmann und Binder (das. 1869-74). Vgl. Mommsen, Zur Lebensgeschichte des jüngern P. ("Hermes", Bd. 3, Berl. 1868); Bender, Der jüngere P. (Tübing. 1874).

Plinius der jüngere, Pseudonym, s. Wolff (Osk. Ludw. Bernh.).

Plinsen, eierkuchenartiges Gebäck aus Milch, Eiern und Mehl, wird mit Butter oder Sauce gegessen oder mit Marmelade, Creme etc. gefüllt und zusammengerollt und nochmals in Schmalz ausgebacken.

Plinthe (Plinthos, griech.), rechteckige Unterlagsplatte für Säulen, Pilaster und Postamente. Quadratische Plinthen wurden unter den Säulen des ionischen und korinthischen Stils angewandt, fehlten aber bei den kürzern und gedrungenen Säulen des dorischen Stils.

Pliocän (griech.), s. Tertiärformation.

Plioir (franz., spr. plioahr), Falzbein, Briefstreicher.

Plissé (franz., "gefältelt"), eine bei Frauenkleidern beliebte Garnierung, in sauber und regelmäßig gefältelten Streifen Zeugs bestehend.

Plitt, Gustav Leopold, protest. Kirchenhistoriker, geb. 27. März 1836 zu Genin bei Lübeck, habilitierte sich 1862 in Erlangen, wo er 1867 außerordentlicher, 1875 ordentlicher Professor wurde und 10. Sept. 1880 starb. Von seinen Schriften sind zu nennen: "Einleitung in die Augustana" (Erlang. 1867-68, 2 Bde.); "Die Apologie der Augustana, geschichtlich erklärt" (das. 1873); "Kurze Geschichte der luther. Mission" (das. 1871); "Grundriß der Symbolik" (das. 1875); "Jodocus Trutfetter von Eisenach, der Lehrer Luthers" (das. 1876); "Die Albrechtsleute" (das. 1877); "Gabriel Biel als Prediger" (das. 1879); "M. Luthers