Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Polarforschung; Polarisation des Lichts

160

Polarforschung - Polarisation des Lichts.

men, nebenbei auch für die Geographie an sich, die Geologie, Botanik und Zoologie die Gelegenheit thunlichst auszunutzen. Leider erlebte Weyprecht den Erfolg seiner rastlosen Bemühungen um die Organisation des Beobachtungssystems der internationalen P. nicht mehr (er starb 29. März 1881); er wird aber für alle Zeiten als Begründer der neuern P. hochgeschätzt werden.

Die schließliche Ausführung des Projekts ist vollständiger geworden, als es irgend erwartet werden konnte. Nachdem in dem ursprünglichen Programm 8 Polarstationen als erforderlich erklärt waren, ist vom 1. Aug. 1882 bis 1. Sept. 1883 auf der nördlichen Halbkugel auf 12 und auf der südlichen auf 2 beobachtet worden. Nachstehende Übersicht verzeichnet diese 14 Stationen und deren Chefs:

^[Leerzeile]

Ort Breite von Greenwich Länge von Greenwich Besetzt durch Chef

1) Point Barrow 71,3° N. 156,4° W. Vereinigte Staaten Leutnant Ray

2) Fort Rae 62,5° N. 115,7° W. England und Kanada Kapitän Dawson

3) Cumberlandgolf 67,0° N. 68,0° W. Deutschland Dr. Giese

4) Lady Franklin-Bai 81,3° N. 65,0° W. Vereinigte Staaten Leutnant Greely

5) Godthaab 64,2° N. 51,7° W. Dänemark Adjunkt Paulsen

6) Jan Mayen 71,0° N. 8,6° W. Österreich¹ Leutnant Wohlgemuth

7) Kap Thordsen (Spitzbergen) 78,5° N. 15,5° O. Schweden¹ Kapitän Malmberg

8) Bossekop 69,9° N. 23,0° O. Norwegen Assistent Steen

9) Sodankylä 67,4° N. 26,6° O. Finnland S. Lemström und Biese

10) Möllerbai (Nowaja Semlja) 72,5° N. 53,0° O. Rußland Leutnant Andrejew

11) Dicksonhafen 73,5° N. 82,0° O. Niederlande¹ Dr. Snellen

12) Lenamündung 73,0° N. 124,7° O. Rußland Leutnant Jürgens

13) Kap Hoorn 55,8° S. 67,5° O. Frankreich Kapitän Martial

14) Südgeorgien 54,0° S. 37,0° O. Deutschland Dr. Schrader

¹ Diese drei Expeditionen kamen durch Zusammenwirken der Regierungen mit Privatpersonen zu stande; die österreichische wurde vom Grafen Wilczek ausgerüstet, die schwedische erhielt vom Kaufmann O. Smith, die niederländische durch eine Sammlung einen großen Teil ihrer Fonds.

^[Leerzeile]

Um die Lücke im Beobachtungsnetz zwischen Grönland und Kanada zu schließen, hat das Deutsche Reich noch eine Expedition nach den sechs Missionen der Herrnhuter Gemeinde in Labrador gesandt, um dort meteorologische Stationen einzurichten und an ihnen während des Beobachtungsjahrs 1882-83 Beobachtungen anzustellen. Ebenso haben auch noch andre Staaten übernommen, Verbindungsstationen anzulegen, so Italien in Patagonien, Rußland im N. und O. des eignen Reichs, namentlich in Sibirien und in Finnisch-Lappland. Nach Verlauf des Beobachtungsjahrs (nur die Vereinigten Staaten haben ihre Expeditionen schon im Sommer 1881 und zwar auf volle drei Jahre ausgesendet, und die russische an der Lenamündung ist noch ein zweites Jahr [1883-84] in Thätigkeit geblieben) sind die Expeditionen mit reichem Beobachtungsmaterial beladen heimgekehrt.

Vorläufige Zusammenstellungen und Berichte über die Ergebnisse der Beobachtungen sind seitdem von allen Stationen in verschiedenen Zeitschriften veröffentlicht worden, und für die meisten sind auch bereits die vollständigen Publikationen erschienen, so für die beiden von Deutschland ausgerüsteten Stationen unter dem Titel: "Die internationale P. Die Beobachtungsergebnisse der deutschen Stationen, herausgegeben im Auftrag der deutschen Polarkommission von Neumayer und Börgen", Band 1: Kingua-Fjord, Band 2: Südgeorgien (Berl. 1886). Das auf diese Weise von den verschiedenen zivilisierten Staaten zusammengebrachte Material enthält die erforderlichen Grundlagen zur weitern Klärung mancher wichtigen Frage der Meteorologie und der Physik der Erde.

Vgl. K. Weyprecht, Über Nordpolexpeditionen (Vortrag bei der Naturforscherversammlung, Graz 1875); Protokolle der ersten, zweiten und dritten Polarkonferenz zu Hamburg (1879), Bern (1880), Petersburg (1881); Neumayer, Denkschrift über einige Vorschläge zu Punkt 31 des Programms des zweiten internationalen Meteorologenkongresses zu Rom (Hamb. 1879); v. Schleinitz, Über die P. etc. (in den "Verhandlungen der Gesellschaft für Erdkunde in Berlin", 1880); Ekholm, L'expédition suédoise au Spetsberg 1882-83 (Upsala 1884); "Observations internationales polaires. Expédition danoise. Observations faites à Godhaab ^[richtig: Godthaab], publiées par l'Institut météorologique de Danemark" (Kopenh. 1886); "Beobachtungen der russischen Polarstation an der Lenamündung (bearbeitet von Eigner, Petersburg 1886) und auf Nowaja Semlja" (bearbeitet von Andrejew, das. 1887); die "Beobachtungsergebnisse" der deutschen Stationen (hrsg. von Neumayer und Börgen, Berl. 1886, 2 Bde.), der österreichischen Polarstation Jan Mayen (hrsg. von der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien 1886-1887, 3 Bde.), der norwegischen Polarstation Bossekop in Alten (hrsg. von Steen, Christiania 1887 ff.).

Polarisation des Lichts, eigentümliche Beschaffenheit, welche das Licht unter gewissen Umständen annehmen kann, so daß ein Lichtstrahl (den man sich gegen das Auge des Beobachters gerichtet denke) nach verschiedenen Seiten hin sich verschieden verhält, z. B. oben und unten anders als links und rechts. Eine der einfachsten Vorrichtungen, um dem Lichte diese Beschaffenheit zu erteilen oder es zu "polarisieren", bildet eine Platte, welche aus Turmalin parallel der Säulenachse geschnitten ist. Licht, welches durch eine solche Platte hindurchgegangen ist, zeigt dem bloßen Auge keine andre Veränderung, als daß es (durch Absorption) die braune oder olivengrüne Färbung, welche dem Kristall eigen ist, angenommen hat. Legt man nun auf die erste Turmalinplatte eine zweite und zwar zunächst so, daß die Kristallachsen der beiden Platten zu einander parallel, z. B. beide von unten nach oben (Fig. 1), gerichtet sind, so geht das aus der ersten Platte tretende Licht auch durch die zweite, indem es nur wegen der größern Dicke, die es jetzt zu durchlaufen hat, eine etwas tiefere Färbung annimmt. Dreht man aber die zweite Platte in ihrer Ebene, so wird das durch beide Platten gefangene Licht

^[Abb.: Fig. 1 u. 2. Turmalinplatten mit parallelen und rechtwinkelig zu einander stehenden Kristallachsen.]