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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Port Républicain; Port Royal; Port Royal des Champs; Port Said; Porträt; Portrush

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Porträt - Port Said.

Porträt (franz. portrait, Bildnis, griech. eikón), Abbildung eines Menschen, entweder in einem plastischen Werk (Porträtstatue, -Büste, -Relief) oder in einem Gemälde. Je nach der Größe des Bildes unterscheidet man in der Malerei Kopfstück, Brustbild, Hüftbild (halbe Figur), Kniestück (P. vom Kopf bis zum Knie) und ganzes P. Nach der Haltung oder Wendung der Figur, besonders des Kopfes, bezeichnet man das Bildnis als von vorn (en face) oder von der Seite genommen (en profil) oder als Halb- (Dreiviertel-) Profil. Studienköpfe nennt man die skizzenhaft, mehr zur Übung ausgeführten Bildnisse. Die Porträtkunst war bereits im höchsten Altertum, bei den Ägyptern, sehr entwickelt (s. unten), wie die hölzernen Gräberfiguren der Verstorbenen beweisen. Bei den Griechen gelangte sie erst in der alexandrinischen Zeit zur höchsten Vollendung. Die Republiken verboten sogar die Porträtstatuen, um die Regungen der Eitelkeit zu unterdrücken. Vollendete Leistungen der jüngern Zeit sind z. B. die Sophoklesstatue des Lateinischen Museums und einige Alexanderköpfe. Auch Idealporträte, frei nach dem Wesen des betreffenden, dem Künstler nicht persönlich bekannten Individuums erfundene Charaktertypen, wußte die griechische Kunst meisterhaft zu gestalten (Statuen und Köpfe des Homer, Äsop etc.). Mit Lysippos und seinem Bruder Lysistratos, der zuerst Gesichtsmasken nach dem Leben abformte, drang die realistische Auffassung in die Porträtkunst ein, welche von den Römern in virtuoser Weise ausgebildet wurde (Augustusstatue des Vatikanischen Museums, Köpfe des Caracalla, Hadrian). Jetzt wurde neben der altgriechischen Porträtherme auch die in alexandrinischer Zeit erfundene Porträtbüste (s. Büste) weiter ausgebildet. In der Renaissancezeit wurde das P. zuerst durch die Bildhauer (Mino da Fiesole, Desiderio da Settignano, Rossellino, Luca della Robbia u. a.) zu höchster, naturalistischer Virtuosität ausgebildet. Die Maler kamen später, und erst der Blütezeit der italienischen Malerei gelang es, dem P. die Bedeutung eines Charakterbildes zu geben, in welchem das ganze Wesen des Dargestellten im Moment der höchsten Steigerung zum Ausdruck gelangt. Raffael und Tizian stehen hierin voran, unter den Niederländern Rubens, van Dyck, Frans Hals u. Rembrandt, aus der spanischen Schule besonders Velazquez. Die letztern Meister wissen auch durch koloristische Stimmung und bedeutsamen Hintergrund die Schilderung zu vertiefen. Einfacher, aber ungemein charakteristisch sind die Porträte eines Dürer u. Holbein. Die niederländische Malerei brachte die sogen. Konversationsstücke und die Doelen- (Schützen-) und Regentenstücke auf, in denen die Porträtierten zu freien Gruppen bedeutungsvoll verbunden wurden. Seit dem 17. Jahrh. ist die Porträtbildnerei so sehr in den Vordergrund getreten, daß kein Maler oder Bildhauer von Bedeutung sich derselben entzogen hat. Von bevorzugten Porträtmalern der neuern Zeit sind die Franzosen David, Gérard, Ingres, Cabanel, Bonnat, Carolus Duran, die Deutschen Winterhalter, Wach, Magnus, Hensel, G. Richter, Angeli, Lenbach, die Engländer Reynolds, Gainsborough, Millais, Herkomer zu nennen.

Sammlungen von Porträten berühmter Personen des griechischen u. römischen Altertums, namentlich von Büsten und geschnittene Steinen, sind schon im Anfang der Renaissancezeit in Italien angelegt worden. Von da verbreitete sich diese Liebhaberei nach dem Norden, und im 16. Jahrh. fertigten Kupferstecher und Holzschneider bereits ganze Reihen von Bildnissen geschichtliche Personen der Vergangenheit und hervorragender Zeitgenossen an. Die künstlerisch bedeutendste Sammlung dieser Art ist die "Ikonographie des van Dyck" (s. d.), um 1630-40 entstanden und etwa 100 Bildnisse von Fürsten, Feldherren, Staatsmännern, Künstlern, Gelehrten etc. umfassend. In neuerer Zeit ist das Sammeln von Porträten und die wissenschaftliche Bearbeitung derselben wieder sehr in Aufnahme gekommen. Vgl. Visconti, Iconographie grecque (Par. 1808, 3 Bde.); Derselbe, Iconographie romaine (das. 1818-33, 4 Bde.); Bernouilli, Römische Ikonographie (Stuttg. 1882 ff.); "Allgemeines historisches Porträtwerk" (von 1300 bis 1870, hrsg. von v. Seidlitz, Münch. 1883 ff.); Pinset und d'Auriac, Histoire du portrait en France (Par. 1884); Imhof-Blumer, Porträtköpfe auf römischen Münzen (Leipz. 1879) und auf antiken Münzen hellenischer und hellenisierter Völker (das. 1885); die Porträtkataloge von Drugulin (Leipz. 1859-60, 2 Bde.) und Lutz (Hanau 1887 ff.).

Port Républicain, s. Port au Prince.

Port Royal, 1) (spr. port reu-el) Stadt auf der englisch-westind. Insel Jamaica, liegt auf der Westspitze einer 15 km langen Nehrung, welche den Hafen von Kingston im S. begrenzt, ist Hauptmarinestation der Engländer im Antillenmeer, ziemlich stark befestigt und zählt 7000 Einw. -

2) Vorzüglicher Hafen an der Küste des nordamerikan. Staats Südcarolina, für Schiffe jeder Größe zugänglich. Die Einfahrt verteidigen die Forts Seward (früher Beauregard) und Hilton Head (Walker). -

3) Stadt, s. Annapolis 2).

Port Royal des Champs (spr. por roajall da schang), Cistercienser-Nonnenkloster bei Versailles, 1223 gegründet, spielte seit 1640 als Sitz einer jansenistischen Klosterschule eine Rolle, ward aber 1709 aufgehoben und zerstört (s. Jansen 1). Vgl. Grégoire, Les ruines de P. (2. Aufl., Par. 1809).

Portrush (spr. -rosch), Seestadt in der irischen Grafschaft Antrim, durch Eisenbahn mit Coleraine und durch elektrische Trambahn (seit 1881) mit dem 9 km entfernten Giant's Causeway verbunden, mit (1881) 1322 Einw.

Port Said, Hafenstadt in Ägypten, auf dem schmalen sandigen Küstenstreifen, welcher den Mensalehsee vom Mittelländischen Meer trennt, am Nordende des Suezkanals, wurde erst 1860 gegründet und zählte 1882 bereits 16,560 Einw., davon 5867 Europäer. Die Stadt, in deren bessern Klassen das französische Element überwiegt (das Araberviertel liegt etwas entfernt im W.), ist sehr regelmäßig angelegt, macht aber bei völliger Baumlosigkeit mit ihren zum Teil hölzernen Häusern einen unfertigen, nicht angenehmen Eindruck. Am Hafen, der aus mehreren Bassins gebildet wird, liegen die Werkstätten und Docks der Kanalkompanie, des Österreichisch-Ungarischen Lloyd, der Messageries Maritimes, Peninsular and Oriental Steamship Navigation Company, der Russischen Dampfschiffahrts- und Handelsgesellschaft u. a. Nördlich von der Stadt, am Kanal- und Meeresufer, steht ein 53 m hoher Leuchtturm, dessen elektrisches Licht 20 Seemeilen weit sichtbar ist. In das Meer hinaus ragen 2 riesige Molen aus Betonblöcken, von denen der östliche 1600, der westliche 2250 m lang ist. Das Fahrwasser zwischen ihnen bis hinaus ins Meer wird durch Leuchtschiffe sichtbar gemacht. P. ist namentlich im Transitverkehr bereits ein bedeutender Konkurrent für Alexandria geworden, in dessen Interesse der Bau einer Bahn von Ismailia bis P. stets verweigert worden ist. Etwa 4000 Fahrzeuge mit ca. 170,000 Passagieren besuchen jährlich den Platz, wel-^[folgende Seite]