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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Portugiesische Sprache

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Portugiesische Litteratur - Portugiesische Sprache.

ihnen sind besonders Eça de Queiroz, der das Gebiet des realistischen Romans bebaut, Julio Diniz, der Verfasser anmutiger Dorfgeschichten, und Luis Augusto Rebello de Silva, der sich durch seinen großen vaterländischen Roman "A mocidade de D. João V" (1851-53, 4 Bde.) großen Ruf erwarb, namhaft zu machen. In der Geschichtschreibung thaten sich in diesem Jahrhundert hervor: Francisco Solano Constancio ("Historia do Brasil"), Tib. Ant. Craveiro, Visconde de Santarem, Ferreira de Freitas, Cordoso Casado Giraldes und vor allen Herculano durch seine trefflichen Werke: "Da origem e estabelecimento da inquisição em Portugal" und "Historia de Portugal". Seit 1853 veröffentlicht die Lissaboner Akademie eine Sammlung von Quellenwerken zur Geschichte Portugals ("Portugaliae monumenta historica").

Was die rein wissenschaftliche Litteratur der Portugiesen betrifft, so erscheinen deren Erzeugnisse gegenüber denen der übrigen Hauptnationen Europas im ganzen dürftig. Die hauptsächlichste Gunst und Pflege erfuhren in Portugal in früherer Zeit diejenigen Wissenschaften, welche mit der Nautik in mehr oder weniger naher Beziehung stehen. Das Studium der Geographie, Mathematik und Astronomie fand in einigen fürstlichen Häuptern des Landes energische Begünstiger, wie denn aus der von dem Infanten Dom Henrique gebildeten Schule der Seewissenschaften, welche jener selbst eifrig betrieb, eine Reihe ausgezeichneter Männer hervorging (Barth. Dias, Vasco da Gama, Magelhaens u. a.). Unter den Vertretern jener und sonstiger wissenschaftlichen Disziplinen sind in neuerer Zeit über die Landesgrenze hinaus rühmlich bekannt geworden: der Mathematiker Garção-Stockler, die Natur- und Geschichtsforscher Correa de Serra und Figueiredo, die Rechtsgelehrten Mello, Figueiredo, Ribeiro, Ferreira, Tellez, der Astronom Ferreiro d'Araujo, der Botaniker Bodero, der Mineralog Camera, der Chemiker Lobral, die Mediziner José Maria Soares und Silveira Pinto etc. In der Theologie und namentlich in der Philosophie erhoben sich die Portugiesen niemals zu bedeutenden Leistungen. Von den philologischen Leistungen sind zu erwähnen: Gonçalves' "Arte China" (Macao 1829) und dessen "Diccionario portuguezchino" (das. 1831), Ferreiras "Magnum lexicon novissimum latinum et lusitanicum" (Par. 1833) u. die von Jeron Soares Barbazo verfaßte philosophische Grammatik der portugiesischen Sprache (2. Aufl., Lissab. 1830).

Als Quellen der portugiesischen Litteraturgeschichte führen wir an: Diogo Barbosa Machados "Bibliotheca lusitana historica critica et chronologica" (Lissab. 1741-52, 4 Bde.), die von Arvo do Cejo kommentierte "Bibliotheca historica de Portugal" (das. 1801) und die "Memorias da litteratura portugueza" (das. 1792-1812, 8 Bde.). Das neueste und vollständigste Werk ist das "Diccionario bibliographico portuguez" von Francisco da Silva (Lissab. 1858-70, 9 Bde.; fortgesetzt von Brito Acanha, 1883-85, Bd. 10-12). Almeida-Garrett hat in einer seiner Blumenlese aus der portugiesischen Dichtung ("Parnaso lusitano") vorausgeschickten Übersicht einen brauchbaren litterarischen Wegweiser gegeben. Als sonstige litterarhistorische Hilfsmittel zum Studium der portugiesischen Poesie sind zu nennen: Denis, Résumé de l'histoire littéraire du Portugal (Par. 1826); Lopes de Mendoza, Memorias de litteratura contemporanea (Lissab. 1855); Silv. Ribeiro, Resenha da litteratura portugueza (das. 1855); Ferd. Wolf, Studien zur Geschichte der spanischen und portugiesischen Litteratur (Berl. 1859); Pereira da Silva, La littérature portugaise (Par. 1866); Reis, Curso de litteratura portugueza e brazileira (Maranhão 1869, 4 Bde.). Das Hauptwerk aber über die Nationallitteratur der Portugiesen ist die "Historia da litteratura portugueza" (Porto 1870-80, 20 Bde.) von Theophilo Braga, der auch einen "Manual da historia da litteratura portugueza" (das. 1875), einen "Curso de historia da litteratura portugueza" (Lissab. 1885) und den "Parnaso portuguez moderno" (das. 1877) veröffentlicht hat. Um die Sammlung und Veröffentlichung der portugiesischen Volkslieder haben sich in neuerer Zeit Almeida-Garrett ("Romanceiro", 2. Aufl., Lissab. 1863, 3 Bde.), Braga ("Romanceiro geral colligido da Aradição", Coimbra 1867, und "Cantos populares do archipelago Açorcano", Porto 1869), Barata ("Cancioneiro portuguez", Lissab. 1866), Estacio da Veiga ("Romanceiro do Algarve", das. 1870), A. Rodrigues de Azevedo ("Romanceiro do archipelago da Madeira", Funchal 1880) und Sylvio Romeiro ("Cantos populares do Brazil", Lissab. 1883) verdient gemacht. Eine geschmackvolle Auswahl aus diesen Sammlungen, mit ungedruckten Stücken vermehrt, lieferte V. E. Hardung ("Romanceiro portuguez", Leipz. 1877, 2 Bde.). Eine "Revista de estudos livres" erschien 1884-86 in Lissabon. Vgl. auch Loiseau, Histoire de la littérature portugaise (Par. 1885).

Portugiesische Sprache. Die p. S., zu deren Gebiet nicht bloß das heutige Königreich Portugal, sondern auch die spanische Provinz Galicien gehört, hat sich, wie ihre romanischen Schwestersprachen, aus der römischen Volkssprache, der lingua latina rustica, wie dieselbe in der betreffenden römischen Provinz gesprochen wurde, gebildet. Am nächsten ist sie der kastilischen oder spanischen Sprache verwandt, nur nahm sie infolge der Erhebung Heinrichs von Burgund auf den portugiesischen Thron eine Anzahl französischer Wörter in sich auf, wogegen sie viel weniger arabische Beimischung als das Kastilische hat. Dabei hat das Portugiesische so viel grammatische Eigentümlichkeiten, daß es keineswegs nur als Dialekt des Kastilischen, sondern als eigne, selbständige Sprache zu betrachten ist. Auch hat das Portugiesische die dem Kastilischen ganz fremden Nasallaute, namentlich in flexibeln Auslauten, während sie die kastilischen Kehllaute in gelinde Zischlaute verwandelt und noch größere Neigung zum Vokalismus durch Brechung der Selbstlaute e und o in ei und ou sowie durch Erweichung und Ausstoßung der Konsonanten im In- und Auslaut hat. Diese Zusammenziehungen sind oft so bedeutend, daß die charakteristischen Laute ganz aus den Wörtern verschwinden, was diesen etwas Weiches und Süßes, aber auch Unmännliches und Kraftloses verleiht. Der Anfang des Vaterunsers lautet: "Pae nosso que estás nos ceos, sanctificado seja o teu nome". Die p. S. ist noch jetzt eine der ausgebreitetsten. Sie wird in Brasilien, auf den Azoren, an den afrikanischen Küsten und in einigen Städten und Gebieten Ostindiens (Goa, Diu) gesprochen. Die portugiesischen Sprachproben sind fast so alt wie die spanischen (zweite Hälfte des 12. Jahrh.). Von dem von der Akademie der Wissenschaften unternommenen Wörterbuch erschien nur der erste Teil (Lissab. 1793), den Buchstaben A enthaltend. Vollständige Wörterbücher sind die von dem Brasilier Ant. de Moraes Silva (Lissab. 1789; 7. Aufl. von F. A. Coelho, 1878, 2 Bde.) und von Domingos Vieira (Porto 1875, 5 Bde.) verfaßten; ein etymo-^[folgende Seite]