Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

320

Prats de Mollo - Praya.

dium der Musikgeschichte gilt (Neudruck des 2. Bandes: "De organographia", mit Beschreibung und Abbildung der damals gebräuchlichen Musikinstrumente, in den "Publikationen der Gesellschaft für Musikforschung", Leipz. 1884).

Prats de Mollo (spr. prah), befestigte Stadt im franz. Departement Ostpyrenäen, Arrondissement Céret, am Tech, nahe der spanischen Grenze, mit Fort (La Garde), Marmorbrüchen, Fabrikation von Schokolade, Woll- und Baumwollwaren und (1881) 1056 Einw. Unfern die Schwefelthermen von La Preste.

Prausnitz, Stadt im preuß. Regierungsbezirk Breslau, Kreis Militsch, nördlich vom Trebnitzer Landrücken (Katzengebirge), hat eine evangelische und eine kath. Kirche, ein Schloß, ein Amtsgericht, starke Schuhmacherei und (1885) 2053 Einw.

Prävalieren (lat.), überlegen sein, überwiegen, mehr gelten; sich p., sich etwas zu nutze machen. Prävalent, vorwiegend.

Prävarikation (lat.), eigentlich das Abweichen vom geraden Weg, Bezeichnung derjenigen Handlungsweise des Anklägers, zufolge deren er dem Angeklagten behilflich ist, der verdienten Strafe zu entgehen. So bedroht das deutsche Reichsstrafgesetzbuch (§ 346) den Beamten, welcher bei Ausübung der Strafgewalt oder bei Vollstreckung der Strafe mitzuwirken hat, mit Zuchthausstrafe bis zu fünf Jahren, wenn er in der Absicht, jemand der gesetzlichen Strafe rechtswidrig zu entziehen, die Verfolgung einer strafbaren Handlung unterläßt oder eine Handlung begeht, welche geeignet ist, eine Freisprechung oder eine dem Gesetz nicht entsprechende Bestrafung zu bewirken, oder wenn er die Vollstreckung der ausgesprochenen Strafe nicht betreibt oder eine gelindere als die erkannte Strafe zur Vollstreckung bringt. Auch das Vergehen eines Anwalts, welcher in ebenderselben Rechtssache beiden Parteien durch Rat oder Beistand pflichtwidrig dient, wird als P. bezeichnet und nach dem deutschen Strafgesetzbuch (§ 356) mit Gefängnis nicht unter drei Monaten bestraft. Handelte der Anwalt hierbei im Einverständnis mit der Gegenpartei zum Nachteil seiner Partei, so soll sogar Zuchthaus bis zu fünf Jahren eintreten.

Pravazsche Injektionsspritze (spr. prawá-), s. Einspritzung.

Prävenieren (lat.), zuvorkommen, einer Sache vorgreifen; jemand zuvor von etwas benachrichtigen; das Praevenire spielen, einem andern zuvorkommen, indem man das von ihm Beabsichtigte selbst ausführt oder vereitelt.

Prävention (lat.), das Zuvorkommen; im katholischen Kirchenrecht das von den Kanonisten für den Papst in Anspruch genommene Recht, geistliche Benefizien und Pfründen unter gewissen Umständen statt des eigentlichen Kollators zu vergeben; im Rechtswesen das Zuvorkommen mit einer Rechtshandlung. Sind in einer Rechtssache gleichzeitig mehrere Gerichte zuständig, z. B. das Gericht, in dessen Bezirk ein Verbrechen begangen wurde, und ein andres, in dessen Sprengel der Verbrecher seinen Wohnsitz hat, so entscheidet die P., d. h. demjenigen Gericht gebührt der Vorzug, welches die Untersuchung zuerst eröffnet hat (deutsche Strafprozeßordnung, § 12). In bürgerlichen Rechtsstreitigkeiten ist in dieser Hinsicht die Erhebung der Klage entscheidend (deutsche Zivilprozeßordnung, § 235). Präventiv, vorbeugend, zuvorkommend; daher Präventivjustiz, s. v. w. Polizei; Präventionstheorie, s. Strafrecht.

Praevigilía (lat.), der Tag vor der Vigilie (s. d.) oder dem Vorabend eines hohen Festes.

Prawadi, Stadt in Bulgarien, in malerischer Gebirgsgegend am Fluß P., der bei Warna mündet, Station der Eisenbahn Rustschuk-Warna, mit (1881) 4704. Einw. P. ist das mittelalterliche Provaton, wo die Ragusaner wichtige Handelsfaktoreien besaßen; um 1388 eroberten es die Türken. 1829 wurde es von den Russen besetzt, von den Türken vergeblich belagert und dabei sehr beschädigt.

Prawda, Franz, Pseudonym, s. Hlinka.

Prawda russkaja ("russisches Recht"), eine vom Großfürsten Jaroslaw (1019-54) veranstaltete Sammlung und Auszeichnung des russischen Gewohnheitsrechts. Vgl. Ewers, Das älteste Recht der Russen (Dorpat 1826).

Prawésh (russ.), in Rußland ehedem eine Art Schuldhaft, verbunden mit einer gegen den Schuldner in Vollzug gesetzten Prügelstrafe; durch Peter d. Gr. abgeschafft.

Praxedis, christl. Heilige, Tochter des römischen Senators Pudens, den Petrus bekehrt haben soll. Ihr ist in Rom die Kirche Santa Prassede geweiht, eine Basilika aus dem 9. Jahrh., mit ebenso alten merkwürdigen Mosaiken.

Praxis (griech.), die durch Übung erlangte Fertigkeit in der Anwendung der von der Erfahrung oder der Theorie (s. d.) dargebotenen Mittel zur Erreichung eines bestimmten Zweckes, die Anwendung der Theorie auf das wirkliche Leben. Da das, was in der Theorie richtig ist, auch durch die P. muß ausgeführt werden können, so kann von einem Gegensatz zwischen Theorie und P. nur dann die Rede sein, wenn es entweder nicht gelingt, die zur Erreichung eines Zweckes nötigen Mittel zur Verfügung zu bekommen, oder wenn das Verhältnis zwischen Mittel und Zweck, die Ursachen und Bedingungen für gewisse Erfolge, die man wünscht oder beabsichtigt, noch nicht bekannt sind.

Praxiteles, altgriech. Bildhauer, geboren um 392 v. Chr. zu Athen, war Sohn und Schüler des Kephisodotos, Zeitgenosse und Nebenbuhler des Skopas und das Haupt der jüngern attischen Schule. Die Alten preisen ihn als ihren größten Marmorbildner, seine Werke zeigten bei anmutigen Formen Naturwahrheit und psychologisch feinen Ausdruck. Er war der Schöpfer der jugendlichen Götterideale (Dionysos, Aphrodite, Eros, Apollon, Artemis) und ergänzte so die erhabene Strenge des Pheidias. Die alten Schriftsteller erwähnen von ihm gegen 50 Werke; besonders berühmt waren die knidische Aphrodite, der Eros von Thespiä, der "Eidechsentöter" Apollon (Sauroktonos), dann der ruhende Satyr. Eine Reihe der schönsten erhaltenen Satyrstatuen dürfen als Wiederholungen seiner Werke betrachtet werden, vor allen die Kopien eines jugendlichen Satyrs, der aus dem erhobenen Krug Wein in das Trinkhorn eingießt. Auch von dem Sauroktonos sind Nachbildungen erhalten. Der knidischen Aphrodite steht eine Marmorstatue des vatikanischen Museums am nächsten. Ob eine große Gruppe der Niobe mit ihren Kindern von P. oder von Skopas geschaffen ist, war bereits bei den Alten streitig. Ein Originalwerk des P., der von Pausanias erwähnte Hermes mit dem Dionysosknaben, ist 1877 in Olympia gefunden worden (s. Tafel "Bildhauerkunst III", Fig. 5). Die meisterhafte Marmorbehandlung und die Anmut und Weichheit der Formenbildung bestätigen das Lob der Alten, welche P. neben Pheidias und Skopas nennen. Vgl. Treu, Hermes mit dem Dionysosknaben (Berl. 1878).

Praya, Hauptort der Kapverdischen Insel Santiago, mit 4000 Einw. (meist freigelassenen Negern),