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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Priluki - Primas.

Priluki, Kreisstadt im russ. Gouvernement Poltawa, am Udai, treibt lebhaften Handel mit Vieh und Getreide und hat (1885) 15,231 Einw. In der Umgegend ausgedehnte Tabakspflanzungen.

Prim, Don Juan, Graf von Reus, Marquis de los Castillejos, span. General, geb. 6. Dez. 1814 zu Reus in Katalonien, trat frühzeitig in die Armee und schwang sich im Bürgerkrieg im Heer der Christinos zum Obersten empor. Zum Abgeordneten Barcelonas in die Cortes gewählt, erhob er 1843 in Reus die Fahne der Empörung gegen Espartero, nach dessen Sturz er von der Regierung der Moderados zum General und Grafen von Reus sowie zum Gouverneur von Madrid ernannt ward. Bald aber entzweite er sich mit den damaligen Machthabern und zog sich aus dem Dienst zurück. Im Oktober 1844 der Verschwörung und des Mordversuchs gegen Narvaez angeklagt, ward er zum Tod verurteilt, aber von der Königin aus Verwenden einflußreiche Freunde begnadigt und Ende 1844 als Generalkapitän und Statthalter nach Puerto Rico gesandt. 1850 ließ er sich wieder in den Kongreß wählen und stellte sich an die Spitze der Opposition gegen die reaktionären Ministerien Narvaez, Bravo-Murillo und San Luis. 1854 ward er als spanischer Militärkommissar ins Lager der Alliierten in der Krim gesandt. Im Kriege gegen Marokko, 1859-60, erwarb er sich als Befehlshaber der Reservedivision den Titel eines Marquis de los Castillejos und den Rang eines spanischen Granden ersten Grades. Nachdem er darauf 1861-62 an der kurzen Expedition nach Mexiko teilgenommen, von welcher er sich, als er Napoleons III. eigennützige Pläne erkannte, mit Entschiedenheit auf eigne Hand lossagte, trat er in Spanien, wo die Königin mehr und mehr unter die Herrschaft der reaktionären Parteien geraten war, an die Spitze der antidynastischen Opposition und plante den gewaltsamen Sturz der Königin. Im Januar 1866 stellte er sich in Aranjuez an die Spitze einiger Kavallerieregimenter und versuchte eine Schilderhebung gegen O'Donnell, fand jedoch keinen Anhang und wußte auf portugiesische Gebiet übertreten, wo seine Schar entwaffnet ward. Er hielt sich hierauf längere Zeit in London und Brüssel verborgen und brachte durch geschickte Unterhandlungen eine Einigung seiner Partei, der Progressisten, mit der Union zu einer gemeinsamen Erhebung zu stande. Diese fand im September 1868 statt und führte den Sturz der Königin herbei, worauf P. unter Serranos Regentschaft erst das Kriegsministerium, 1869 die Ministerpräsidentschaft übernahm. Er bemühte sich, einen fremden Fürsten zum König zu erheben, der von ihm abhängig wäre und ihm die Leitung des Staatswesens zu überlassen hätte. Als er endlich nach mehreren mißlungenen Versuchen im Erbprinzen Leopold von Hohenzollern einen passenden und bereitwilligen Kandidaten für den spanischen Thron gefunden, vereitelte der Einspruch Frankreichs diese Kandidatur, und unmittelbar, nachdem P. die Wahl des Prinzen Amadeus von Italien zum König durchgesetzt hatte, wurde er, als er durch Madrid fuhr, 28. Dez. 1870 durch meuchlerische Schüsse, welche auf Anstiften Gonzalez Bravos abgefeuert wurden, tödlich verwundet und starb 30. Dez. d. J.

Prima (lat. u. ital.), im Handel Bezeichnung der besten oder bessern Sorte einer Ware; auch s. v. w. Primawechsel; in der Musik die Erste, z. B. parte, die erste Partie, die erste Stimme; auch s. v. w. Prime (s. d.); in Schulen (Gymnasien) die erste Klasse; in der Malerei s. Alla prima.

Primadonna (ital.), die "erste" Sängerin einer Operngesellschaft, früher stets Koloratursängerin; jetzt auch wohl sogen. erste dramatische Sängerin.

Primage (franz., spr. -ahsch', Primgeld), eine Art Trinkgeld, welches der Kapitän eines Schiffs erhält. Nach dem deutschen Handelsgesetzbuch (Art. 513) muß der Schiffer dasjenige, was er vom Befrachter, Ablader oder Ladungsempfänger außer der Fracht als P. erhält, dem Reeder als Einnahme in Rechnung bringen. Vgl. Kaplaken.

Primalĭen, s. v. w. Protozoen.

Prima nota (ital.), kaufmännisch s. v. w. Memorial; s. Buchhaltung, S. 564.

Prima Plana, bei den Landsknechten diejenigen Adels- oder Patrizierfamilie entstammenden Knechte, welche bei der Werbung auf das erste Blatt geschrieben wurden, während im zweiten Blatte die freigebornen Handwerker standen. Später wurde hiermit das nicht in Reih und Glied stehende Personal einer Kompanie, die Offiziere, Unteroffiziere und Spielleute (13-16 Köpfe), bezeichnet.

Primär (franz.), ursprünglich, anfänglich, z. B. primäre Gebirge, die ersten, ältesten Gebirge; Primärform, die Grundform der Kristalle. In der Heilkunde heißt p. eine Krankheit, welche unmittelbar aus der krank machenden Ursache entsteht und nicht erst Folge eines andern Übels (sekundär, tertiär) ist.

Primarĭus (lat.), der Erste, Oberste; Pastor p., in manchen Städten Titel des ersten Stadtgeistlichen, ungefähr gleichbedeutend mit Oberpfarrer.

Primärschulen (Écoles primaires), in Frankreich, Belgien und der Schweiz diejenigen Lehranstalten, welche allgemeine menschliche und bürgerliche Vorbildung bezwecken, daher s. v. w. unsre Elementar-, Volks- und Bürgerschulen, im Gegensatz zu den Sekundärschulen (écoles secondaires, collèges), die unsern Lyceen und Gymnasien entsprechen. Die sogen. obern P. (écoles primaires supérieures) entsprechen etwa den preußischen Mittelschulen (Lehrplan vom 15. Okt. 1872), wie sie denn auch z. B. in Belgien geradezu als écoles moyennes bezeichnet werden.

Primas (lat.), der Erste, Vornehmste, daher in einer Kirche der Geistliche, dem der Primat (s. d.) in derselben zukommt. So ist der Papst P. der ganzen katholischen Kirche. Seit dem 4. Jahrh. führte der Bischof der Hauptstadt einer Provinz (auch Metropolit, Exarch) den Titel P. Später wurde P. der Amtstitel für die päpstlichen Vikare und Legaten. Die Bezeichnung P. blieb ein bloßer Ehrentitel, mit dem nur gewisse Ehrenrechte, z. B. der Vorsitz auf den Nationalkonzilen, die Ordination der Metropoliten, die Königskrönung etc., verknüpft waren; nur selten und in geringem Umfang ward ihnen eine Jurisdiktion über die Metropoliten zugestanden. P. von Spanien ist der Erzbischof von Toledo; in England ist der Erzbischof von Canterbury seit Papst Honorius I. P. über alle Kirchen Britanniens. P. von Ungarn ist der Erzbischof von Gran seit den Tagen Bonifacius' IX., P. von Polen war der Erzbischof von Gnesen, dessen Würde Pius IX., um gegen die preußische Regierung zu demonstrieren, 1871 erneuert hat. Im Deutschen Reich empfing Mainz, das schon durch Bonifacius die Prima sedes geworden war, 1032 Primatialbefugnisse; mit denselben wurden 1016 Trier, 1026 Salzburg, 1052 Köln ausgestattet; schon 968 erhielt der Erzbischof von Magdeburg den Primat in Deutschland. Indem also alle hervorragenden erzbischöflichen Stühle in Deutschland auf den Primat Anspruch erheben konnten, wurde die Würde völlig illusorisch. Durch die Rheinbundsakte 1806 wurde in Deutschland ein souveräner Fürst-P. geschaffen und der bis-^[folgende Seite]