Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

386

Priester Johannes - Prillwitz.

der Erstgeborne die priesterliche Thätigkeit aus, bis bei der Aufstellung des Stiftszeltes Aaron, dem Bruder Moses', und mit ihm dem Stamm Levi das erbliche Priesteramt übertragen wurde. Die mit demselben verbundenen Geschäfte waren hauptsächlich folgende: Anzünden des Rauchwerkes früh und abends, wöchentliche Auflegung der Schaubrote, Unterhaltung des beständigen Feuers auf dem Brandopferaltar, alle den Priestern ausschließlich zustehenden Manipulationen beim Opfern der Tiere, die heiligen Gebräuche bei Lossprechung eines Nasiräers und bei der Prüfung einer des Ehebruchs verdächtigen Frau, das Blasen auf metallenen Blasinstrumenten zu bestimmten Zeiten, die Untersuchung Unreiner, namentlich Aussätziger, die Schätzung des dem Heiligtum Gelobten, die nächtliche Bewachung des innern Tempelraums, Unterweisung des Volkes im Gesetz bei vorkommenden Fällen, Erteilung rechtlicher Bescheide und Segenerteilung. Alle heiligen Amtshandlungen mußten die P. im Zustand levitischer Reinheit verrichten (daher das oft zu wiederholende Waschen und Baden); auch durften sie, solange sie der Dienst beim Heiligtum beschäftigte, keinerlei berauschende Getränke zu sich nehmen. Aller übermäßigen Trauer, sobald sie nicht den nächsten Verwandten galt, wie des Zerreißens der Kleider, der Berührung von Toten etc., mußten sie sich ebenfalls enthalten. Die Weihe zum Priesterstand geschah mit Opfern, symbolischen Handlungen und Lustrationen. Die Kleidung bestand aus einem Leibrock, Gürtel, Hüftkleid und Kopfbund aus feinem Leinen, zu welchen für den Hohenpriester noch vier: Oberkleid, Efod, Brustschild, Stirnblech (s. Hoherpriester), kamen. Der Unterhalt der P. floß aus Opferdeputaten, Erstlingen und Zehnten, den abgenommenen Schaubroten, den Strafgeldern für levitische Verschuldung, dem Lösegeld der Erstgeburt, dem Verbannten (was Gott gelobt worden) oder dessen Geldwert. Auf diesen Grundlagen gewann das Priestertum zur Zeit Davids eine festere Organisation. Die P. sind in 24 Klassen geteilt, an deren Spitze der Hohepriester steht. Bis zur Herrschaft Salomos bleiben sie, denen gesetzlich die Bedingungen zur Hierarchie entzogen waren, fungierende Gottesdiener, steigen aber während seiner Regierung zu Hofbeamten empor. Die Einführung des Stierdienstes im Reich Israel unter Jerobeam veranlaßte die P., nach Juda auszuwandern. Im zweiten israelitischen Staatsleben nehmen sie vorwiegend mit teil am politischen Leben, bis zur Makkabäerzeit Priestertum und Fürstentum sich eine Zeitlang miteinander vereinen. Bis zur Zerstörung des jerusalemischen Tempels durch die Römer bildete die Priesterkaste eine geschlossene Korporation, welche die religiösen Vorstellungen des Volkes durch symbolische Gebräuche anregte und aussprach und das durch Verschuldung gestörte Verhältnis desselben zu Gott mittels Sühnung wiederherstellte. Doch treten ihnen als eigentliche Träger und Fortbildner des Gottesbewußtseins je länger, desto erfolgreicher die Propheten (s. d.) zur Seite und entgegen, und bald sehen wir sie auf seiten der Könige und Fürsten gegenüber prophetischem Freimut (vgl. Leviten und Hoherpriester). Den alten Germanen war ein eigentlicher Priesterstand unbekannt. Bei ihnen besorgte der Hausvater für sein eignes Haus die gottesdienstlichen Handlungen, Opfer und Gebete, selbst; für die Gemeinde versah der Fürst das priesterliche Amt. Außer den Opfern und Gebeten galt es namentlich, bei allen wichtigen Handlungen den Willen der Götter zu erkunden, was durch Beobachtung des Vogelflugs, des Wasserstands der Flüsse, des Wieherns heiliger Schimmel etc., durch Zweikampf eines Gefangenen mit einem Stammangehörigen und endlich durch die Weissagung aus Los und Runen geschah. Über den Priesterstand im Christentum s. Geistliche und Hierarchie.

Priester Johannes, s. Johannes 4).

Priesterläuse, s. Bidens.

Priesterpumpe (Sackpumpe), s. Pumpen.

Priesterstädte, 13 angeblich von Josua der Familie Aarons zugeteilte Städte, welche in den Stämmen Juda, Simeon und Benjamin, also sämtlich in der Nähe von Jerusalem, lagen. Allerdings wohnten vor und nach dem Exil in einigen dieser Städte Priester; das Gesetz selbst aber ist, gleich demjenigen über die 48 Levitenstädte, rein theoretischer Natur und niemals ausgeführt worden.

Priesterstand, s. v. w. Klerus.

Priesterweihe, s. Ordination.

Priestley (spr. prihstli), Joseph, Theolog, Philosoph, Chemiker und Physiker, geb. 13. März 1733 zu Fieldhead bei Leeds, studierte Theologie, ward 1755 Predigergehilfe der Independentengemeinde zu Needham-Market in Suffolkshire, bald darauf Pastor zu Namptwitch in Cheshire, 1761 Lehrer der schönen Wissenschaften an der Akademie zu Warrington, 1768 Pastor einer Dissentersgemeinde zu Leeds, 1770 Bibliothekar des Lords Shelburn zu Paris, 1780 Pastor einer Dissentersgemeinde zu Birmingham und später einer solchen zu Hackney. Durch seine theologischen Schriften, in welchen er die Kirche für eine Feindin der Wahrheit erklärte, die Lehre von der Notwendigkeit verteidigte etc., geriet er mit den Theologen in erbitterten Streit, welcher ihn veranlaßte, 1794 nach Nordamerika überzusiedeln. Er ließ sich zu Northumberland in Pennsylvanien nieder, gründete daselbst mehrere streng unitarische Gemeinden und starb 6. (9.) Febr. 1804 auf seinem Landgut bei Philadelphia. Seine rein chemischen und physikalischen Arbeiten fanden allgemeine Anerkennung, namentlich seine "History and present state of electricity" (Lond. 1767), die "History and present state of discoveries relating to vision, light and colours" (das. 1772; deutsch, Leipz. 1775, 2 Bde.), die "Observations on different kinds of air" (Lond. 1772 ff., 6 Bde.; deutsch, Wien 1778-80 u. Leipz. 1778-81, 3 Bde) u. a. Er entdeckte den Sauerstoff, Chlorwasserstoff, das Ammoniak, die schweflige Säure, das Stickstoffoxydul, Kohlenoxyd etc. und lieferte mehrere sehr wichtige Arbeiten, welche Lavoisier zum Aufbau seines Systems benutzte. Von seinen theologischen Schriften sind hervorzuheben: "Examination of the doctrine of common sense" (Lond. 1775); "Disquisition of matter and spirit" (das. 1777); "The doctrine of philosophical necessity" (das. 1777); "History of the corruptions of christianity" (das. 1782); "History of the Christian church" (1803, 4 Bde.); "Theological and miscellaneous works of J. P." (hrsg. von Rutt u. Hackney 1817, 25 Bde.). Seine übrigen zahlreichen Schriften umfassen auch die Gebiete der Pädagogik, Rhetorik, Geschichte, Naturphilosophie und Politik. Vgl. "Memoirs of Jos. P." (Lond. 1806-1807, 2 Bde.). Seine Biographie schrieben Corry (Birmingh. 1850) u. Fonvielle (Par. 1875).

Prikas (russ.), Gerichtshof, Kollegium etc.

Prillwitz, Dorf im mecklenburg-strelitzschen Kreise Stargard, am Liepssee, hat ein Schloß, (1885) 187 Einw. und ist bekannt durch die hier aufgefundenen obotritischen Götzenbilder, die jedoch jetzt allgemein für nicht echt gehalten werden.