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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Prophetenkuchen - Proportion.

gerottet wurden. Auch im Reich Juda wütete König Manasse gegen die Propheten. Als ihr Widerspiel erschienen die Pseudopropheten, falsche Propheten, welche die gegenteiligen politischen Prinzipien verfochten. Erst um 800 v. Chr. fingen die Propheten an, ihre Aussprüche niederzuschreiben; später, während des Exils, hielten auch manche nur geschriebene Reden und schickten sie bei den Volksgenossen umher. Die Blüte des Prophetentums fällt in die Zeiten der assyrischen Vorherrschaft. Damals traten die kräftigsten und begeistertsten Propheten, z. B. Amos, Hosea, Jesaias, Micha, auf. In der chaldäischen Periode vor und bald nach dem Fall Jerusalems wirkten vor allen Jeremias und Hesekiel. Während des Exils ging das Streben der Propheten dahin, das Volk der väterlichen Religion treu zu erhalten, es von aller Hinneigung zum Götzendienst vollends zu reinigen und durch den Hinweis auf die Rückkehr zu trösten. So waren die Propheten jederzeit die eigentlichen Träger des bessern sittlichen und religiösen Bewußtseins im Volk; sie läuterten und vertieften die Gottesidee, versittlichten und vergeistigten zuweilen auch die Zukunftshoffnungen. Zwar sahen sie, Jeremias voran, den Untergang des Reichs voraus; Israel aber, als Jehovahs Lieblingsvolk, kann nie ganz untergehen, und so erwuchs ihre Hoffnung auf eine dereinstige Wiederherstellung der Nationalblüte, wie sie unter David gewesen. Insofern sich derartige Weissagungen meist an die Person des künftigen Retters und idealen Königs anknüpfen, heißen sie messianische (s. Messias). Während noch im Exil ein hervorragender Vertreter des Prophetismus, der sogen. zweite Jesaias, geweissagt hatte, traten nach Wiederaufrichtung des Reichs wahrscheinlich nur noch Haggai, Sacharja und Maleachi als Propheten auf, und seit letzterm gilt die Prophetenrede in Israel als verstummt. Die Form derselben bestand in einem eigentümlichen, gehobenen, halb rhetorischen, halb poetischen Stil. Nicht selten sucht auch der P. durch eine bedeutsame symbolische Handlung die Aufmerksamkeit der Zuhörer zu erregen, woran er dann zur Erläuterung die prophetische Rede anknüpft. Von 16 Propheten sind uns Schriften im Alten Testament erhalten; nach dem Umfang ihrer Werke teilt man sie jetzt (anders im jüdischen Kanon, s. Bibel, S. 879) ein in die vier großen Propheten (Jesaias, Jeremias, Hesekiel und Daniel) und in die zwölf kleinen Propheten (Hosea, Joel, Amos, Obadja, Jonas, Micha, Nahum, Habakuk, Zephanja, Haggai, Sacharja und Maleachi). Überdies sind uns aber noch die Namen einer ganzen Reihe andrer Propheten im Alten Testament und (denn das Christentum machte sich zunächst als erneute Prophetie geltend) im Neuen Testament erhalten. Weitere prophetische Erscheinungen bieten die Montanisten und Wiedertäufer dar. Vgl. Duhm, Die Theologie der Propheten als Grundlage für die innere Entwickelungsgeschichte der israelitischen Religion (Bonn 1875); Maybaum, Die Entwickelung des israelitischen Prophetentums (Berl. 1883).

Prophetenkuchen, Kuchen aus dünn aufgetriebenem Butterteig, mit fein gehackten Mandeln, Zucker und Zimt bestreut.

Prophetie (griech.), Vorhersagung, Weissagung; auch die Gabe eines Propheten (s. d.). Prophezeien, in die Zukunft schauend vorhersagen.

Prophyláktisch (griech.), vorbeugend, verhütend.

Prophyláxis (griech.), die "Verhütung" von Krankheiten, ist von um so größerer Bedeutung, als sehr viele Krankheiten, wenn sie einmal den Menschen befallen haben, in ihrem Verlauf nicht unterbrochen, noch durch ärztliche Kunst verkürzt werden können. Die P. ist erst in neuerer Zeit mehr und mehr zu einem eignen Wissenszweig in der Medizin ausgebildet worden, denn alle Aufgaben, welche die öffentliche und private Gesundheitspflege (s. d.) oder Hygieine zu erfüllen hat, bezwecken eine möglichst umfassende P. Im engern Sinn bezeichnet man gewisse Heilverfahren als prophylaktische, z. B. nennt man so einen Luftröhrenschnitt, welcher bei drohender, aber noch nicht eingetretener Erstickungsgefahr gemacht wird, oder man reicht prophylaktisch Chinin bei Reisenden, welche sich der Ansteckung mit Malariagift erst aussetzen wollen, aber noch nicht daran erkrankt sind.

Prophylla, s. Vorblätter.

Propination (lat., "Vortrinken"), in Schlesien und Posen Brau- und Brenngerechtigkeit eines Gutes.

Propinquität (lat.), Nähe, nahe Verwandtschaft.

Propionsäure C3H6O2 ^[C_{3}H_{6}O_{2}] findet sich in den Früchten von Gingko biloba, im Fliegenschwamm, in den Blüten von Achillea millefolium, im Holzessig und entsteht bei Einwirkung von Jodwasserstoffsäure auf Milchsäure, von kaustischen Alkalien auf Kohlehydrate etc., auch beim Vergären von Lederabfällen, Weizenkleie etc. Zur Darstellung tröpfelt man Cyanäthyl in Kalilauge und destilliert das entstandene propionsaure Kali mit Schwefelsäure. P. ist eine farblose Flüssigkeit vom spez. Gew. 0,992, riecht eigentümlich penetrant, der Essigsäure ähnlich, schmeckt stark sauer, ätzend, mischt sich mit Wasser, Alkohol und Äther, wird aber aus der wässerigen Lösung durch Chlorcalcium abgeschieden. Sie erstarrt bei niederer Temperatur, siedet bei 140°, bildet kristallisierbare, in Wasser bis auf das Silbersalz leicht lösliche Salze, welche sich trocken fettig anfühlen und auf Wasser rotieren. Mit Alkohol und Schwefelsäure destilliert, gibt das Natronsalz Propionsäureäthyläther C3H5O2.C2H5 ^[C_{3}H_{5}O_{2}.C_{2}H_{5}], welcher obstartig riecht und bei 100° siedet; der Amyläther C3H5O2.C5H11 ^[C_{3}H_{5}O_{2}.C_{5}H_{11}], aus amylschwefelsaurem und propionsaurem Kali erhalten, riecht nach Ananas, siedet bei 155° und wird, wie der vorige, zur Bereitung von Fruchtäthern benutzt.

Proplásma (griech.), Vorbild, Modell.

Propolium (griech.); Vorkaufsrecht.

Proponieren (lat.), in Vorschlag bringen, beantragen; Proponent, Antragsteller.

Propóntis, s. v. w. Marmarameer.

Proportion (lat.), Verhältnismäßigkeit, Ebenmaß; in der Mathematik die Verbindung zweier gleicher Differenzen oder Quotienten (Verhältnisse) durch das Gleichheitszeichen (=). Im ersten Fall ist die P. eine arithmetische, wie a - b = c - d; im letztern eine geometrische, wie a / b = c / d, wofür man gewöhnlich a : b = c : d schreibt. Die vier Zahlen a, b, c und d heißen die Glieder der P. und werden nach ihrer Stellung als erstes, zweites, drittes und viertes Glied unterschieden; a und d heißen äußere, b und c innere Glieder. Sind die innern Glieder gleich, b = c = m, so heißt in der arithmetischen P. a - m = m - d die Größe m = ½ (a + d) das arithmetische Mittel aus a und d; in der geometrischen P. a : m = m : d aber heißt m = ^[img] das geometrische Mittel aus a und d oder die mittlere Proportionale zwischen a und d. In jeder arithmetischen P. sind die Summen, in jeder geometrischen die Produkte der innern und der äußern Glieder gleich groß. Hiernach läßt sich aus drei Gliedern einer P. das