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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Provence

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Provence.

sind nur die Chronik des Albigenserkriegs von Wilhelm von Tudela und einem Ungenannten (hrsg. von Fauriel, Par. 1837; am besten von P. Meyer, das. 1875) und die gereimte Geschichte des Kriegs von Navarra von Guillem Anelier (hrsg. von Fr. Michel, das. 1856) vorhanden. - Die didaktische Dichtung wurde nächst der lyrischen am meisten gepflegt. Außer den kleinern Gedichten lehrhafter Tendenz, die sich bei den Troubadouren finden, gibt es eine Anzahl umfangreicherer Werke dieser Art, welche entweder der allgemeinen Sittenlehre oder der Belehrung bestimmter Berufsklassen gewidmet sind. Einige sind förmliche Encyklopädien des Gesamtwissens der Zeit. Dahin gehören: der "Breviari d'amor" von Matfre Ermengau (hrsg. von Azaïs, Par. 1871 ff.) und der "Tezaur" des Peire de Corbiac (hrsg. von Sachs, Brandenb. 1859). Von andern sind zu nennen: das Lehrgedicht über die Jagdvögel: "Li auzel cassador" von Daude de Pradas (hrsg. von Sachs, Brandenb. o. J., unvollendet), die Unterweisung für einen jungen Ritter von Guillen de Marsan (in Bartsch' "Provençalischem Lesebuch"), verschiedene Unterweisungen für Spielleute etc., endlich eine Anzahl rein religiöser Gedichte. Zu letztern gehören auch die Dichtungen der Waldenser, insbesondere "La noble leyczon", die in einer provençalischen Nebenmundart geschrieben, aber erweislich erst aus dem 15. Jahrh. sind. Von dramatischer Dichtung sind aus der besten Zeit nur ein kleines Bruchstück eines Mysteriums aus dem 14. Jahrh., die dramatisierte Legende von St. Agnes (hrsg. von Bartsch, Berl. 1869), und ein Fragment des "Ludus Sancti Jacobi" erhalten. Die Prosalitteratur der Provençalen besteht zum größten Teil aus Übersetzungen oder aus Schriften für praktische Zwecke, naturwissenschaftlichen, medizinischen etc. Von litterarisch wichtigen Originalwerken in Prosa sind nur zu nennen: die Biographien der Troubadoure, welche ihren Gedichten in den Handschriften vorangehen und die Hauptquelle für ihr Leben bilden (hrsg. von Mahn, 2. Aufl., Berl. 1878), und der noch unedierte Prosaroman "Philomena" aus dem Anfang des 13. Jahrh. Unter den neuprovençalischen Dichtern, den Mitgliedern des Bundes der Félibres (s. oben), sind neben Mistral (s. d.), dem Dichter des Epos "Miréio", besonders Joseph Roumanille und Theodor Aubanel, der Verfasser von "La miougrano entraduberto" (Avignon 1860), hervorzuheben.

Eine vollständige, kritisch bearbeitete Sammlung der Gedichte der Troubadoure ist noch zu erwarten. Auswahlen gibt es von Raynouard ("Choix des poésies originales des troubadours", Par. 1816-1821, 6 Bde.), Brinckmeier ("Blumenlese aus den Werken der Troubadours", Halle 1849), Mahn ("Die Werke der Troubadours", Berl. 1846-84, 4 Bde.; "Gedichte der Troubadours", das. 1856-71, 4 Bde.), Delius ("Ungedruckte provençalische Lieder", Bonn 1853), Bartsch ("Denkmäler der provençalischen Litteratur", Stuttg. 1856, und "Chrestomathie provençale", 4. Aufl., Elberf. 1880), Bayle ("Anthologie provençale", Aix 1879). Einige der wichtigern Troubadoure sind einzeln herausgegeben worden. Die Geschichte der provençalischen Poesie ist am vorzüglichsten behandelt von Diez in "Die Poesie der Troubadours" (2. Aufl., Leipz. 1883) und "Leben und Werke der Troubadours" (2. Aufl., das. 1882); in neuerer Zeit außerdem von Hüffer ("Troubadours; history of provençal life and literature in the middle ages", Lond. 1878) und Balaguer ("Historia politica y litteraria de los trovadores", Madr. 1878-1880, 6 Bde.). Nur mit Vorsicht zu gebrauchen ist Fauriels "Histoire de la poésie provençale" (Par. 1846, 3 Bde.). Die vollständigste Übersicht gibt Bartsch in seinem "Grundriß zur Geschichte der provençalischen Litteratur" (Elberf. 1872). Die spanischen Troubadoure behandeln Milá y Fontanals in dem Werk "De los trovadores en España" (Barcel. 1861) und V. Balaguer in "De la poesia provenzal en Castilla y en Leon" (Madr. 1877). Übersetzungen liegen vor von Brinckmeier ("Rügelieder der Troubadours", Halle 1847) und Kannegießer ("Gedichte der Troubadours", 2. Aufl., Tübing. 1855). Vgl. auch Galvani, Osservazioni sulla poesia de' trovadori (Mod. 1829); Cabrié, Le troubadour moderne (Par. 1844); Böhmer, Die provençalische Poesie der Gegenwart (Halle 1877); Gröber, Die Liederhandschriften der Troubadours (Straßb. 1877).

Provence (spr. -wangs, v. lat. provincia), früher eine Provinz oder ein Generalgouvernement im südlichen Frankreich, bildet jetzt die drei Departements Rhônemündungen, Var und Niederalpen; ein Teil ist zum Departement Vaucluse, ein andrer zu dem der Seealpen geschlagen. Nach ihrem Naturverhältnis unterscheidet man die Oberprovence oder den nördlichen Teil von der Niederprovence oder dem südlichen Teil. Über die natürliche Beschaffenheit des Landes s. die betreffenden Departements. Die Bewohner der P., die Provençalen, sprechen eine eigne altromanische Mundart, welche näher mit dem Italienischen als mit dem Französischen verwandt ist (s. Provençalische Sprache und Litteratur). - Die Ureinwohner der P. waren die Sallusier, ein ligurischer Volksstamm. Dieselben wurden 125 v. Chr. vom römischen Konsul Fulvius geschlagen und 123 vom Konsular Sextius den Römern völlig unterworfen. So wurde Südgallien nach und nach zur römischen Provinz und erhielt in diesem Sinn den Namen Provincia im Gegensatz zu dem freien Gallien. Doch umfaßte die damalige gallische Provincia nicht bloß die jetzige P., sondern auch Languedoc, die Dauphiné und Savoyen. Auch nachdem das übrige Gallien durch Cäsars Eroberung zur Provinz geworden war, blieb die Benennung Provincia für jenen Teil, welcher bei der unter Augustus erfolgten Einteilung Galliens Gallia Narbonensis benannt wurde, vorzugsweise üblich. Nachdem der größte Teil von Languedoc 415 von den Westgoten, das Land vom Genfer See bis gegen die Durance (die heutige Dauphiné) von den Burgundern (seit 443) eingenommen worden war, beschränkte sich der römische Besitz und zugleich der Name Provincia auf das Land zwischen der Durance und dem Mittelmeer. Auch jener Rest der alten Provincia wurde den Römern um 470 durch die Westgoten entrissen. Unter Theoderich d. Gr. wurde die P. ein Teil des ostgotischen Reichs. 536 trat sie der ostgotische König Vitiges dem fränkischen König Theodebert ab. Unter der Regierung der spätern Merowinger wurde sie zum Teil die Beute der Sarazenen, bis Karl Martell deren Herrschaft ein Ziel setzte. Beim Verfall des Frankenreichs wurde sie 879 dem burgundischen oder cisjuranischen Königreich einverleibt, welches Graf Boso von Vienne stiftete, 933 mit dem transjuranischen Königreich zum Reich Arelat vereinigt, und 1032 fiel sie an Deutschland (s. Burgund). Im Besitz des größten Teils der P. waren aber die Grafen von Arles, die daher auch Grafen von P. hießen und in geringer Abhängigkeit von den Königen standen. Als der Mannesstamm derselben 1112 erlosch, fiel ihr Land durch Erbschaft an den Grafen Raimund Be-^[folgende Seite]