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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Pr. W. - Psammetich.

Pr. W., bei naturwissenschaftl. Namen Abkürzung für Prinz Maximilian von Wied (s. d.).

Prytanen (griech., "Vorsteher"), Vorsteher der Regierungsgewalt in Athen, vor Solon Name der Archonten, dann der Mitglieder des Ausschusses des Rats, welcher an der Spitze der Geschäfte stand. Man teilte nämlich den Rat nach der Zahl der Phylen in 10 Abteilungen (jede aus 50 Mitgliedern bestehend), von denen eine nach der andern eine bestimmte Zeit (36 oder 35 Tage) die Geschäfte leitete. Die Reihenfolge wurde durch das Los bestimmt. Die Funktion eines der 50 P. sowie die Zeitdauer dieser Funktion hieß Prytanie. Den P. lag es ob, den Rat zu versammeln und das Programm der zu verhandelnden Dinge öffentlich aufzustellen; bisweilen beriefen sie auch das Volk. Der Ort ihrer Versammlung war das Prytaneion (s. Athen, S. 997).

Przasnic, Stadt, s. Prasnysch.

Przemsza, linker Nebenfluß der Weichsel, entspringt als Schwarze P. unweit der Quellen der Warthe in Russisch-Polen, fließt westlich, dann südlich, vereinigt sich bei Myslowitz mit der ihr von links zufließenden Weißen P. und mündet nach 82 km langem Lauf an der Grenze von Preußisch-Schlesien und Galizien bei Auschwitz.

Przemysl, Stadt in Galizien, am San, über den eine 180 m lange Brücke führt, und an der Karl-Ludwigsbahn, von welcher hier die Erste ungarisch-galizische Eisenbahn abzweigt, ist Sitz einer Bezirkshauptmannschaft, eines Kreisgerichts, einer Finanzbezirksdirektion, eines römisch-katholischen und griechisch-unierten Bischofs, hat 2 Kathedralen und 4 andre Kirchen, 2 theologische Diözesanlehranstalten, ein Obergymnasium, eine Lehrerinnenbildungsanstalt, 3 Klöster und (1880) 22,040 Einw. (darunter 7700 Juden), welche regen Handel und einige Industrie (Fabriken für landwirtschaftliche Maschinen, Spiritus und Likör, Spodium, Petroleum, Holzwaren, eine Dampfmühle und Ziegelei, eine Eisenbahnwerkstätte) betreiben. Wegen der strategischen Wichtigkeit seiner Lage ist B. in neuester Zeit zu einer starken Festung umgestaltet und mit Außenforts, Kasernen, Magazinen etc. versehen worden. Auf einem nahen Hügel liegen die Ruinen eines Schlosses, das angeblich von Kasimir d. Gr. erbaut worden ist. P. wurde 981 von Wladimir d. Gr. und 1018 von Boleslaw d. Gr. erobert, kam 1031 unter rotrussische Herrschaft und fiel 1340 unter Kasimir d. Gr. an Polen.

Psaligraphie (griech., von psalis, Schere), s. Ausschneidekunst.

Psallieren (griech.), Psalmen singen oder lesen.

Psalliota, Pilzgattung, s. Agaricus V.

Psalmen (griech., "Lieder, Gesänge"; auch Psalter), Titel der Sammlung von 150 religiösen Liedern im alttestamentlichen Kanon, welche zunächst im nachexilischen Tempel gesungen wurden. Ihrem Inhalt nach lassen sie sich einteilen in: Lob- und Dankpsalmen, in denen Gott gepriesen wird; Nationalpsalmen, die sich auf die Offenbarungen Gottes in Israels früherer Geschichte beziehen; Zions- und Tempelpsalmen; messianische oder Königspsalmen (Ps. 2, 20, 24, 45, 72, 110); Klagepsalmen, die reichhaltigste Klasse, zu der über ein Drittel der ganzen Sammlung gehört (auch die sieben sogen. Bußpsalmen, s. d.); Lehrpsalmen, in welchen die religiöse und sittliche Weltanschauung Israels zum Ausdruck gelangt. Die Sammlung ist allmählich im Verlauf geraumer Zeit entstanden und erst nach den Makkabäerzeiten, denen noch zahlreiche P. entstammen, zum Abschluß gebracht worden. Von den Juden wurde das Psalmbuch in fünf Bücher abgeteilt (1-41, 42-72, 73-89, 90-106, 107-150), deren jedes mit einer Doxologie schließt. Mit Sicherheit kann die neuere Kritik die Verfasserschaft fast keines einzigen Psalms feststellen. Die Aufschriften, die dies versuchen, sind sämtlich spätern Ursprungs und unzuverlässig. Dieselben geben außer den angeblichen Verfassern noch bald die Veranlassung der Abfassung, bald musikalische und liturgische Bestimmungen, bald mehreres davon zugleich an. So gibt es z. B. auch in unsern lutherischen Bibeln sogen. "Lieder in höherm Chor", die im Hebräischen aber "Stufenlieder", d. h. Wallfahrtspsalmen, heißen. Die P. sind der Ausdruck des lebendigsten Gottvertrauens, gegründet aus tiefpoetischer Welt- und Lebensbetrachtung, hohe Muster religiöser Lyrik von unvergänglicher Schönheit. Zeigt sich in den P. auch kein bestimmtes Metrum, so tritt doch an dessen Stelle ein gewisser, in parallelen Sätzen sich darstellender Takt (der sogen. Parallelismus der Glieder). Auch in der christlichen Kirche sind die P. vielfach zu musikalischen Kirchengesängen benutzt worden, und namentlich hat sie die reformierte Kirche zu Kirchenliedern umgearbeitet. In frühern Zeiten gab es wohl keinen Kirchenkomponisten und Kontrapunktisten, der sich nicht in der Komposition von P. versucht hätte, und zwar meist in Motetten- oder Kantatenform, die alsdann aber, als Musikstücke, immer auch den Namen Psalm führten. In neuern Zeiten findet man auch manches Vokalmusikstück unter dem Namen Psalm, das keinen eigentlichen Psalm aus der Bibel zum Text hat, sondern nur eine in Psalmenweise gedichtete Ode. Von den zahlreichen neuern Übersetzungen und Erklärungen der P. sind anzuführen: Ewald (3. Aufl., Götting. 1866), De Wette (5. Aufl., Heidelb. 1856), Lengerke (Königsb. 1847, 2 Bde.), Tholuck (2. Aufl., Gotha 1873), Olshausen (Leipz. 1853), Delitzsch (4. Aufl., das. 1883), Hupfeld (3. Aufl. von Nowack, Gotha 1888 ff.), Hengstenberg (2. Aufl., Berl. 1849-52, 4 Bde.) und Hitzig (Leipz. 1863-65, 2 Bde.).

Psalmist (kirchenlat.), s. v. w. Psalmendichter, insbesondere David.

Psalmodie (griech.), Psalmengesang mit dem Charakter eines melodielosen, eintönigen Recitierens; dann der antiphonische oder Kollektengesang des Predigers, der von der Gemeinde beantwortet wird, und sonstige liturgische Gesänge, unter denen des Ambrosius P. die weiteste Verbreitung fand.

Psalmograph (griech.), ein über die Psalmen Schreibender; auch s. v. w. Psalmist.

Psalter (griech. Psalterion), das Buch der Psalmen (s. d.); altes Saiteninstrument, dessen Saiten mit den Fingern oder einem Plektron gerissen wurden: das Kinnor der Hebräer, die Rotta der Deutschen (Cithara teutonica), eine dreieckige Spitzharfe; bei den Katholiken ein langer Rosenkranz, den die Nonnen mehrerer Orden tragen; in der Zoologie s. v. w. Blättermagen (s. Wiederkäuer).

Psammenitos, s. Psammetich 3).

Psammetich, Name dreier Könige von Ägypten:

1) P. I., Sohn Nechos, des assyrischen Statthalters von Memphis und Sais, der 672 v. Chr. von Assarhaddon eingesetzt worden war, erhielt ebenfalls vom assyrischen König eine Statthalterschaft, empörte sich aber 655 und befreite mit Hilfe des Königs Gyges von Lydien und der Ionier durch die Schlacht bei Momemphis Ägypten von der assyrischen Herrschaft, über das er nun bis 610 regierte. Er sicherte die Nordostgrenze des Reichs, indem er ionische und ka-^[folgende Seite]