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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Quetschwunden - Quicherat.

fang der Zerreißung. In leichten Fällen (Beulen) wird das Blut resorbiert, die getrennten Teile verheilen ohne Eiterung, der anfangs heftige Schmerz verschwindet, es bleiben keine Spuren der Q. zurück. Hohe Grade der Q., wie sie bei Maschinen- und Eisenbahnunfällen, Verschüttungen, Überfahren etc. vorkommen, erzeugen große Quetschwunden, die, wenn überhaupt ohne Amputation heilbar, meist schlechter verlaufen als scharf geschnittene Wunden (s. d.). Sehr übel steht es um den Kranken, wenn edle Organe, Lungen, Leber, Nieren oder das Gehirn, verletzt sind. Hierbei kann der Tod sofort oder infolge der sich an die Q. anschließenden Entzündung folgen. Die Nervenerschütterung ist oft enorm, der Schmerz bewältigend, Ohnmacht folgt auf Ohnmacht, Lähmung ganzer Muskelbezirke, so daß die Behandlung vor allem dem drohenden Kollapsus durch Reizmittel, Wein, Eis u. dgl., begegnen muß.

Quetschwunden, s. Quetschung und Wunde.

Quetta (Ketta, Schalkot), Distrikt im N. Belutschistans unter britischer Verwaltung, wurde 1876 mit Zustimmung des Chans von Kelat von britischen Truppen besetzt, welche in der gleichnamigen Stadt ein befestigtes Lager bezogen und ein altes Fort besetzt haben. Der Distrikt hat eine große militärische Wichtigkeit, da die Straße durch den Bolanpaß nach Pischin und Kandahar in dem von rauhen Bergen eingefaßten, 32 km langen und 8 km breiten Thal, welches den Distrikt ausmacht, fortläuft. England unterhält in Q. einen politischen Agenten und zahlt an den Chan jährlich 2500 Pfd. Sterl. Das Klima ist Europäern nicht zuträglich. Q. wird nach Vollendung der Bolan- und Sind-Pischin-Eisenbahn sehr an Bedeutung gewinnen.

Queue (franz., spr. köh, "Schwanz"), militärisch die letzten Reihen eines Truppenteils, das Ende einer Kolonne (im Gegensatz zu Tête); eine Reihe einzeln oder zu zweien hintereinander stehender Personen, welche die Öffnung eines Lokals etc. erwarten, daher Q. machen; auch der Billardstock.

Quevedo y Villegas (spr. kewedo i wiljegas), Don Francisco de, span. Schriftsteller, geb. 26. Sept. 1580 zu Madrid, studierte in Alcalá de Henares, wo er sich schon in seinem 15. Jahr den Grad eines Doktors der Theologie erwarb, daneben aber ausgezeichnete Studien in den klassischen Litteraturen, in Jurisprudenz und Mathematik machte. Durch seine gelehrten und satirischen Schriften verschaffte er sich die Bekanntschaft ausgezeichneter und einflußreicher Männer, so insbesondere des bekannten Herzogs von Osuna (s. d.). Ein Duell, in welchem er das Unglück hatte, seinen Gegner zu töten, nötigte ihn 1611, nach Sizilien zu fliehen, wo inzwischen der Herzog von Osuna Vizekönig geworden war. Nach verschiedenen wichtigen diplomatischen Missionen wurde ihm im folgenden Jahr die Erlaubnis zur Rückkehr nach Spanien vermittelt, wo er später abermals als diplomatischer Agent in die Dienste des Herzogs trat und als solcher mehrere Jahre lang den thätigsten Anteil an der Politik nahm. Nach dem Sturz Osunas wurde Q. als sein vertrauter Ratgeber zur Untersuchung gezogen und hatte eine drittehalbjährige Haft zu bestehen, wußte aber nach seiner Freilassung den Herzog von Olivarez für sich einzunehmen, bis er 1639 wegen der Urheberschaft verschiedener satirischer Pamphlete gegen seinen Gönner zu schwerer Kerkerstrafe verurteilt wurde. Erst der Sturz des Herzogs gab ihm 1643 seine Freiheit wieder. Aber seine Gesundheit war zerrüttet; er starb 8. Sept. 1645 in Villanueva de los Infantes. Q. ist einer der fruchtbarsten, vielseitigsten und geistreichsten spanischen Schriftsteller. Am berühmtesten hat er sich durch seine satirischen und humoristischen Schriften gemacht, unter welchen besonders zu bemerken sind: die "Cartas del Caballero de la tenaza", die "Sueños y discursos", welche fast in alle gebildeten Sprachen übersetzt wurden (vgl. Moscherosch), und die "Historia de la vida del Buscon" (gewöhnlich "Historia del Gran Tacaño" genannt), einer der vorzüglichsten der sogen. Schelmenromane (deutsch von Keil: "Geschichte des Erzschelms, genannt Don Paul", Leipz. 1826). In seinen Gedichten ist Q. ebenso originell wie in seinen Prosaschriften und hat sich fast in allen Dichtungsgattungen versucht. Die Sprache handhabte er mit außerordentlicher Gewandtheit, hielt sich aber nicht frei von Gongorismus. Außer seinen Originalwerken hat man von Q. mehrere Übersetzungen aus dem Griechischen, so des Epiktet und des Phokylides. Die ältern Ausgaben seiner gesammelten Werke sind meistens inkorrekt und unkritisch. Besser ist die von Madrid 1791-94, 11 Bde.; die beste und vollständigste erschien in der "Biblioteca de autores españoles" (das. 1852-77, Bd. 1-3); eine Auswahl besorgte Ochoa (Par. 1873). Eine neue Ausgabe der Gedichte (mit noch Ungedrucktem) erschien unter dem Titel: "El libro verde" (2. Aufl., Madr. 1874). Vgl. Baumstark, Don F. du Q. (Freib. 1871); E. Mérimée, Essai sur la vie et les oeuvres ^[œuvres] de Fr. de Q. (Par. 1886).

Quezaltenango (spr. kedsaltenángo, Q. del Espirito Santo), Hauptstadt des gleichnamigen Departements in der Republik Guatemala, am Siguila, wichtiger Stapelplatz für den Handel in Korn, Wolle und Baumwolle zwischen Guatemala und Chiapas, hat Schafzucht, Wollweberei und 22,000 Einw. (meist Indianer). Q. wurde 1524 von Alvarado an Stelle der alten Quichéstadt Xelahue gegründet. Das Departement hatte 1886: 96,268 Einw.

Quia (lat.), weil.

Quibdó (spr. kibdo), Stadt im Departement Cáuca der südamerikan. Republik Kolumbien, am schiffbaren Rio Atrato, hat Ausfuhr von Gold u. (1870) 6858 Einw.

Qui bene distinguit, bene docet (lat.), "wer gut unterscheidet, lehrt gut".

Quiberon (spr. kib'róng), Marktflecken im franz. Departement Morbihan, Arrondissement Lorient, liegt auf der Südspitze der gleichnamigen Halbinsel, welche gegen W. eine weite, sichere, durch Batterien und das Fort Penthièvre geschützte Bucht des Atlantischen Ozeans, deren Eingang aber gefährlich ist, einschließt, und an der Eisenbahn Auray-Q., hat einen kleinen Hafen, Sardellenfischerei und (1881) 759 Einw. Die Halbinsel Q. wird bei hoher Flut vom Meer bedeckt und ist daher nur stellenweise angebaut. Sie ist besonders durch die Landung und Niederlage der vereinigten Engländer u. Emigranten im Sommer 1795 geschichtlich merkwürdig geworden (vgl. Puisaye).

Quibor, Stadt in der Sektion Barquisimeto des Staats Lara in der südamerikan. Republik Venezuela, 612 m ü. M., auf trockner Hochebene, mit bedeutender Ziegenzucht und (1873) 7727 Einw.

Quiché (spr. kitsché), Departement des mittelamerikan. Staats Guatemala, auf der Hochebene nördlich vom Atitlansee, mit (1888) 85,485 Einw. Die Hauptstadt Q. (Santa Cruz del Q.) steht an der Stelle von Utatlan, der reichen Hauptstadt des ehemaligen Reichs der Quiché, die 1524 von Alvarado eingenommen wurde.

Quicherat (spr. kisch'rá), 1) Louis Marie, franz. Philolog, geb. 12. Okt. 1799 zu Paris, war anfänglich als Professor der Rhetorik in Bourg en Bresse angestellt, führte 1827-31 die Redaktion der päda-^[folgende Seite]