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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Ránkherlein; Rankine; Rankkorn; Rankweil; Rann; Ranquele; Ransbach; Ranters; Rantzau

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Ránkherlein - Rantzau.

der meisten andern Krebse) einen ungegliederten Körper mit drei Beinpaaren und schwärmen eine Zeitlang unter mehrfachen Häutungen im Meer umher. Dann setzen sie sich mit dem Kopfende an allerlei Gegenstände (Pflanzen, Steine, schwimmendes Holz, Schiffskiele etc.) fest, wobei aus den Fühlern der Kitt der Zementdrüsen ausströmt, erlangen andre Gliedmaßen (Rankenfüße) und bilden eine Kalkschale aus. Eine besondere Gruppe unter ihnen heftet sich an den Hinterleib von höhern Krebsen an, verliert sämtliche Gliedmaßen, den Darm etc. und besteht dann nur noch aus einem wurstförmigen Schlauch mit Hode und Eierstock; in diesem so sehr weit getriebenen Fall von Schmarotzertum geschieht die Ernährung auf Kosten des Wohntiers, indem der R. durch die Haut desselben hindurch eine Menge fadenartiger Fortsätze (sogen. Wurzeln) schickt, welche die Eingeweide umspinnen und aus dem Krebsblut die schon verdaute Nahrung für sich auffangen. Diese Gruppe der R. wird als Wurzelkrebse (Rhizocephala) bezeichnet. Die übrigen R. zerfallen in mehrere Familien. Sehr bekannt sind unter ihnen die sogen. Entenmuscheln (Lepadidae, s. Tafel "Krebstiere"), deren Kopf in einen langen, biegsamen Stiel ausgezogen ist, und aus denen nach einer im Mittelalter aufgekommenen Sage sich die Bernikelgänse entwickeln sollten (diese wurden daher als Fische betrachtet und waren somit eine willkommene Fastenspeise), sowie die Seepocken oder Meereicheln (s. d., Balanidae). Einige R. hausen in der Haut von Waltieren, andre bohren sich in Muschelschalen oder Korallen ein. In Brackwasser leben nur vereinzelte Arten, im Süßwasser gar keine. Fossil finden sie sich schon im Jura vor, doch ist erst die Kreide und die Tertiärformation reich an ihnen.

Ránkherlein (ungar. Ránk), Badeort im ungar. Komitat Abauj-Torna, 10 km von Kaschau, mit einem sehr merkwürdigen, im J. 1874 von Zsigmondy gebohrten artesischen Brunnen von 404 m Tiefe, aus dem das Wasser, ein alkalisch-muriatischer Eisensäuerling, in periodischen Zwischenräumen von etwa 12 Stunden, ähnlich den isländischen Geisern, 7 Minuten lang bis zu einer Höhe von 18 m emporsprudelt. Die Therme hat eine Temperatur von 22° C., ist milchfarbig, schmeckt vor der Eruption säuerlich, während derselben hingegen salzig, exhaliert dabei eine bedeutende Menge von Kohlensäure und wird bei chronisch-katarrhalischen Erkrankungen des Schleimhautsystems mit Erfolg benutzt.

Rankine (spr. rânkin), William John Macquorn, Ingenieur, geb. 5. Juli 1820 zu Edinburg, studierte daselbst, bildete sich dann zum Ingenieur unter der Leitung seines Vaters und Sir John Mac Neills, lehrte mehrere Jahre als Professor des Ingenieurwesens und der Mechanik in Glasgow und war der erste Präsident des Schottischen Ingenieurvereins. Er machte sich zuerst bekannt durch seine Arbeiten über die Wärme und die Theorie der Motoren, förderte auch in der Folge die mechanische Wärmetheorie durch mehrfache Untersuchungen und lieferte außerdem physikalische Arbeiten über die Erhaltung der Kraft und über das Licht. Er starb 24. Dez. 1872. Von seinen Schriften sind hervorzuheben: "Manual of applied mechanics" (10. Aufl., Lond. 1882); "Manual of the steam-engine and other prime movers" (11. Aufl. 1884); "Manual of civil engineering" (16. Aufl. 1884; deutsch von Kreuter, Wien 1880); "Useful rules and tables" (6. Aufl. 1882); "Ship-building" (1869); "Manual of machinery and millwork" (6. Aufl. 1887). Eine Auswahl aus seinen "Miscellaneous scientific papers" gab Tait heraus (1880).

Rankkorn (Gerstenkorn), alter Name für eine beim Schwein vorkommende Milzbrandform mit Bildung von anfangs hellen, dann violett und schwarz werdenden Blasen auf der Maulschleimhaut bei gleichzeitigem hochgradigen Allgemeinleiden, raschem Verlauf, meist tödlichem Ausgang.

Rankweil, Marktflecken in Vorarlberg, Bezirkshauptmannschaft Feldkirch, an der Mündung des Laternser Thals in das Rheinthal und der Staatsbahnlinie Feldkirch-Bregenz, hat lebhafte Industrie (Baumwollspinnerei, Bleicherei, Papierfabrikation etc.) und (1880) 2481 Einw. In der Nähe die Landesirrenanstalt Valduna. R. hieß früher Vinomna und hatte schon im 7. Jahrh. eine Reichsmalstätte, später ein kaiserliches Landgericht. Von R. aus wird am besten der aussichtsreiche Hohe Freschen (2001 m) bestiegen.

Rann, s. Ran.

Ranquele (Distelindianer), Indianerstamm im südlichen Argentinien, etwa 10,000 Seelen stark, haust namentlich, ohne feste Grenzen, am Rio Salado und wurde in der letzten Zeit berühmt durch seine erfolgreichen Kämpfe gegen die Argentinische Republik. Die R. sind erst nach der spanischen Besiedelung von W. in die Pampas eingewandert; ihre körperliche Erscheinung gleicht jener der Pampasindianer, Patagonier und Araukaner, denen sie sich auch in Bezug auf Kleidung anschließen. Vielweiberei herrscht bei ihnen; alte Frauen werden totgeschlagen. Die R. betreiben ausgedehnte Rinder- und Pferdezucht und sind sehr verwegene Reiter. Nahrung gewähren ihnen zunächst ihre zahlreichen Stutenherden; außerdem lassen sie durch ihre Sklaven Maisbau treiben, und die Pampas liefern Strauße, Rehe, Guanakos, Hasen. Ihren Stammesgenossen verhandeln sie gegen Pferde, Vieh oder Straußfedern die im N. gefangenen Sklaven, während sie von den Argentinern Silber, Branntwein, Wein, Zucker eintauschen. Die R. sind ausgezeichnete Silberschmiede, und die Frauen verstehen es, schön gefärbte Wollenstoffe anzufertigen. Wenn auch einige Häuptlinge sich haben taufen lassen, so sind die R. doch noch vollständige Heiden, welche einen guten und einen bösen Geist (Gualitschu) verehren; dem erstern werden Trankopfer gebracht, für den letztern alte Weiber geschlachtet. Sie haben keine Priester und glauben an ein andres Leben in Form einer Seelenwanderung. An der Spitze dieser Raubnomaden steht ein Kazike mit beschränkter Gewalt. Mit den Argentinern sind die R. in fortwährende Fehden verwickelt, und die Zahl der unter ihnen lebenden, von jenen erbeuteten Sklaven (meist Frauen) wird nach Tausenden geschätzt.

Ransbach, Dorf im preuß. Regierungsbezirk Wiesbaden, Kreis Unterwesterwald, am Montabaurer Wald und an der Linie Engers-Siershahn der Preußischen Staatsbahn, hat (1885) 1163 meist kath. Einwohner und ist Mittelpunkt des sogen. Kannenbäckerlandes (s. d.) und seiner Thonwarenindustrie.

Ranters (spr. rännters, "Schwärmer, Schreier"), schwärmerische, radikal-religiöse Partei in England unter Cromwell; seit 1820 auch ein schwärmerischer Auswuchs des Methodismus.

Rantzau (Rantzow), altes adliges Geschlecht in Dänemark, Holstein und Mecklenburg, blüht gegenwärtig in den drei Linien: Rastorff, die 1727, Breitenburg, die 1728, und Schmoel und Hohenfelde, die 1650 in den deutschen Reichsgrafenstand erhoben wurde. Die erstere teilt sich wieder in den ältern Zweig (R.-Ascheberg oder Oppendorff), repräsentiert durch den Grafen Christian von R., geb. 23. Sept. 1830, und den jüngern Zweig, dessen