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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Raubzeug; Raucēdo; Rauch

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Raubzeug - Rauch.

blütern, die sie lebend erbeuten; manche fressen aber auch Aas. Vor der Verdauung erweichen sie die aufgenommene Speise im Kropf, aus dem sie die zusammengeballten Federn und Haare als Gewölle ausspeien. Sie bewohnen die ganze Erde vom Äquator bis zu den Polen, und manche Eulen- und Falkengattungen sind Kosmopoliten; sie treten aber stets in verhältnismäßig geringer Individuenzahl auf. Die nördlich wohnenden sind meist Zugvögel, viele leben als Strand- und Strichvögel. Sie nisten (horsten) auf Bäumen, Felsen, Mauern oder Türmen; die größern legen kaum mehr als ein oder zwei, die kleinern bis sieben Eier. In der Regel brütet das Weibchen allein, dagegen beteiligt sich das Männchen an der Herbeischaffung der Nahrung für die hilflosen Jungen. Viele schaden durch ihre Räubereien, manche werden aber überwiegend nützlich durch Vertilgung von Mäusen etc. oder durch Auszehrung von Aas; auch werden einige zur Jagd benutzt. Fossil treten die ersten R. im Eocän aus. Man kennt etwa 100 Gattungen und 500 Arten R. und gruppiert sie zu vier Familien:

1) Eulen (Strigidae), Augen groß, Gefieder locker, Schwanz kurz, Beine niedrig, mit Wendezehe, Ohr meist mit Deckel, Kropf und Blinddärme fehlen; kosmopolitische Dämmertiere. Etwa 20 Gattungen mit 200 Arten. 2) Falken (Falconidae oder Accipitridae), die typischen R., Oberschnabel meist mit einem Zahn, Kopf und Hals befiedert, Flügel lang und spitz, Beine mittellang, mit starken Krallen. Ausgezeichnete Flieger mit weitem Jagdrevier, in dem sie meist einsam hausen; kosmopolitisch. Etwa 70 Gattungen mit 320 Arten (der Fluß- oder Fischadler [Pandion] wird häufig als besondere Familie [Pandionidae] abgetrennt); hierher die Unterfamilien Habichte (Sperber, Habicht, Weih), Bussarde, Adler und Falken. 3) Sekretäre (Gypogeranidae oder Serpentariidae), sehr groß, Hals, Flügel, Schwanz und Läufe lang, Schnabel gebogen; einzige Art Gypogeranus serpentarius (Sekretär, Kranich- oder Stelzengeier, s. d.), in Afrika. 4) Geier (Vulturidae), sehr groß, Kopf und Hals meist nackt, am Nacken vielfach ein Federkragen, Flügel breit und abgerundet, Füße kräftig, mit schwachen Zehen und stumpfen Nägeln. Ausdauernde Flieger, nähren sich meist von Aas; fehlen in Australien. 10 Gattungen mit etwa 25 Arten; Unterfamilien: Kondore (Grypomorphae, Cathartidae) und Geier (Vulturidae).

Die Vertilgung der der Jagd schädlichen R. bewirkt man durch den Fang im Habichtskorb (s. d.) und im Tellereisen (s. d.). Außerdem werden sie auf der Schießhütte (s. d.) sowie an den Horsten erlegt. Die alten Vögel sind sehr scheu und lassen sich nur selten anschleichen, dagegen sitzen sie beim Brüten, namentlich in der letzten Zeit vor dem Auskommen der Jungen, sehr fest auf den Eiern und müssen oft erst durch Anklopfen an den Baum, auf welchem der Horst steht, zum Abstreichen veranlaßt werden. Will man sie beim Füttern der Jungen schießen, so muß man sich verdeckt beim Horst aufstellen und sehr ausdauernd warten, denn sie kommen nicht an den Horst heran, sowie sie etwas Verdächtiges gewahren. Die Jungen nimmt man entweder beim Erklettern des Horstes aus, oder schießt sie, bevor sie ausfliegen, aber so weit erwachsen sind, daß sie sich auf den Rand des Horstes stellen. Auch später lassen sich die bereits ausgeflogenen und auf hohen Bäumen sitzenden Jungen bei trübem, regnerischem Wetter anschleichen; sie verraten sich dem Jäger durch ihr Schreien, mittels dessen sie die Alten zum Füttern herbeizulocken suchen. Abbildungen auf beifolgender Tafel und den Tafeln "Adler", "Eulen", "Geier". Vgl. v. Riesenthal, Die R. Deutschlands (Kassel 1876-78); Derselbe, Die Kennzeichen unsrer R. (4. Aufl., Berl. 1888).

Raubzeug, alle Jagdtiere (Säugetiere und Vögel), welche der Wildbahn Schaden thun. S. die Artikel: Raubtiere (am Schluß), Raubvögel etc.

Raucēdo (lat.), Heiserkeit.

Rauch, die aus brennenden oder auch nur bis zu einem gewissen Grad erhitzten Körpern sich in Form eines Nebels erhebenden Materien. Diese sind teils dampf- oder gasförmiger Natur, teils äußerst fein zerteilte feste Stoffe, welche von den gasförmigen mit fortgerissen werden und sich samt den durch die Abkühlung kondensierten Materien an kältern Körpern niederschlagen. Der Niederschlag heißt, wenn er schwarz aussieht, Ruß. Rauchbildung ist bei den gewöhnlichen Brennmaterialien stets ein Zeichen unvollkommener Verbrennung, und eine Feuerung ist daher um so schlechter, je mehr R. zur Esse hinausgeht. Starke Säuren rauchen bei gewöhnlicher Temperatur an der Luft, indem sich die aus ihnen entwickelnden Säuredämpfe mit dem Wasserdampf in der Luft verbinden und als Nebel niederschlagen.

Rauch, Christian Daniel, Bildhauer, geb. 2. Jan. 1777 zu Arolsen, wurde daselbst zum Hofbildhauer Valentin in die Lehre gegeben, wo er jedoch nur im Ornamentfach einige Übung erlangte, und kam dann nach Kassel zum Bildhauer Ruhl und 1797 als Kammerdiener des Königs nach Berlin. Doch hatte er dabei Gelegenheit, sich in der Kunst weiterzubilden, brachte 1802 einen schlafenden Endymion auf die akademische Ausstellung und modellierte 1803 eine Büste der Königin Luise, zu deren Ausführung in Marmor er 1804 nach Rom ging. Hier fand er an dem preußischen Minister W. v. Humboldt einen Gönner, und die bedeutendsten Künstler jener Stadt, namentlich auch Thorwaldsen und Canova, schenkten ihm freundschaftliche Teilnahme. Zu seinen ersten in Rom vollendeten Bildwerken gehören die Büste des Dichters Z. Werner, die lebensgroßen Büsten der Königin Luise, des Grafen Wengerski und des Malers Raphael Mengs für den damaligen Kronprinzen Ludwig von Bayern. 1811 ward er vom König von Preußen nach Berlin berufen, um mit andern Künstlern Entwürfe zu einem Denkmal der Königin Luise einzureichen. Rauchs Entwurf erhielt des Königs Genehmigung. 1812 ging er zum zweitenmal nach Italien, um seine Arbeit zu vollenden, was in Carrara und Rom geschah. Dieses edle Werk, welches die Königin auf einem Sarkophag schlummernd darstellt und 1815 zu Charlottenburg in einem eigens dazu errichteten Mausoleum aufgestellt ward, begründete den Ruhm des Künstlers (s. Tafel "Bildhauerkunst VIII.", Fig. 1). Noch mehr gelungen ist ein zweites, ähnliches Denkmal der Königin, welches im Park von Sanssouci aufgestellt wurde. 1815 erhielt R. vom König den Auftrag, die Statuen der Generale Scharnhorst und Bülow in Marmor auszuführen. Die erste Anlage machte er in Carrara; die Vollendung der Statuen erfolgte aber in Berlin, wo dieselben 1822 zu den Seiten des neuen Wachtgebäudes aufgestellt wurden. In Carrara begann er auch die Statue des Kaisers Alexander für den Grafen Ostermann-Tolstoi. Im ganzen führte er neben seinen Standbildern bis 1824 über 70 Büsten und darunter 20 kolossale eigenhändig aus. Wir nennen davon: die Büsten des Königs und der Königin, des Fürsten von Hardenberg, des Kaisers Alexander, des damaligen Großfürsten Nikolaus und seiner Gemahlin, des Generalfeldmarschalls York v. Wartenburg, die von Goethe, F. A.