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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Rauchbilder; Räucheressenz; Räucheressig; Räucherkerzchen; Räuchern des Fleisches

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Rauchbilder - Räuchern des Fleisches.

Wolf etc. 1826 vollendete R. das Modell zur 4,5 m hohen Statue Blüchers, welche in Bronze gegossen und in Breslau aufgestellt ward. Eine andre kolossale Bronzestatue Blüchers, ein Meisterwerk an Energie des Ausdrucks und plastischer Geschlossenheit der Komposition, ward 1826 zu Berlin zwischen dem königlichen Palais und dem Opernhaus aufgestellt. R. hat ferner Anteil an den zwölf Statuen, welche das in Eisen gegossene Nationaldenkmal auf dem Kreuzberg bei Berlin schmücken. 1826 fertigte er das Modell zum Monument Franckes in Halle, worin er, wie in seinen Feldherrenbildern, mit Glück das moderne Kostüm anwendete. Dies ist auch mit dem Standbild Goethes der Fall, welches die Stadt Frankfurt a. M. 1826 zu setzen beschloß, sowie mit einer meisterhaften Statuette dieses Dichters. 1829 vollendete R. zu München die sitzende Statue des Königs Maximilian von Bayern, die, von Stiglmaier gegossen, 1835 auf dem Max Josephs-Platz aufgestellt wurde. Ein Denkmal Albrecht Dürers wurde, von Burgschmiet gegossen, 1838 in Nürnberg aufgestellt. 1840 kamen die Statuen der Polenkönige Mieczyslaw und Boleslaw Chrobry im Auftrag des Grafen Raczynski für die Hauptkirche in Posen zur Ausführung. Für das Grabdenkmal des Generals Scharnhorst lieferte er die Basreliefs am Sarkophag. Ein liebliches Bild, einer Legende entnommen, ist die kleine Statue der Jungfrau Lorenz von Tangermünde auf dem Rücken eines Hirsches. Für die Walhalla führte er seit 1833 sechs kolossale Viktorien in Marmor aus, deren Typus er für unsre Zeit festgestellt hat, und die zu seinen schönsten Werken idealen Charakters gehören (Fig. 2). Zwei andre Viktorien Rauchs, welche 1837 der König von Preußen in Bronze bestellte, zieren seit 1840 die Piedestale vor dem kleinen Pavillon im Garten zu Charlottenburg. Als Seitenstück zu dem Grabdenkmal der Königin Luise führte er dasjenige des Königs Friedrich Wilhelm. III. in gleicher Anlage aus. An diese Werke reihen sich noch zahlreiche Büsten und Basreliefs. Unter den letztern ist das 1838 in Marmor ausgeführte eins der trefflichsten Werke des Meisters. Es zeigt zwei weibliche und eine männliche Figur, einen Panther tränkend. Als Meisterwerke der Porträtbildnerei sind hervorzuheben: die Bildnisse der Könige Friedrich Wilhelm II. und Friedrich Wilhelm III. von Preußen, Yorks v. Wartenburg, Albrecht Dürers, für die Walhalla bestimmt (1837), Thorwaldsens, in Lebensgröße und kolossal, für den König von Dänemark (1827), Hufelands, Schleiermachers u. a. In der letzten Zeit beschäftigte den Künstler vornehmlich das großartige Monument Friedrichs d. Gr. zu Berlin, welches 1851 daselbst enthüllt ward (Fig. 3), und in welchem er, als seinem Hauptwerk, die Summe seines Könnens in monumentaler Haltung und realistische Porträtbildnerei zusammenfaßte. Zu seinen besten Werken gehören auch die in karrarischem Marmor ausgeführten Statuetten des Glaubens, der Liebe und der Hoffnung, die er seiner Vaterstadt Arolsen zum Geschenk machte, sowie das Grabmonument, welches er 1847 im Auftrag des Königs Ernst August von Hannover für dessen Gemahlin vollendete, und zu welchem später das des Königs hinzukam. R. starb 3. Dez. 1857 in Dresden, wo er sich einer Kur wegen aufhielt. Nach seinen Vorarbeiten wurden nach seinem Tod noch die Bronzestatuen Gneisenaus und Yorks vollendet. R. war einer der ersten Bildhauer seiner Zeit, gleich groß in Idealdarstellungen wie in Porträtgestalten, in denen er poetische Auffassung mit außerordentlicher Naturtreue zu vereinigen wußte. Er hat die Berliner Bildhauerschule begründet, die noch heute in seinem Geist fortarbeitet. 1865 wurden seine sämtlichen Werke in Modellen und Abgüssen zu einem Museum in Berlin vereinigt. Vgl. Fr. und K. Eggers, Chr. D. Rauch (Berl. 1873-87, 4 Bde.).

Rauchbilder (ital. Fumi), eine eigentümliche Art von Zeichnungen, welche die Laune der deutschen Künstler in Rom erfand. Dieselben pflegten nämlich ihre leer gegessenen Teller umzukehren und deren Rückseite über dem Licht zu schwärzen, um Karikaturen mit dem Zahnstocher auf der angeschwärzten Fläche einzuritzen. Landschafter wählten gewöhnlich Mondscheineffekte. Man nahm von einer solchen Porzellanplatte einen aquatintaähnlichen Abdruck, indem man angefeuchtetes Papier auf den Teller und darüber eine Serviette legte, welche mit einem Löffel gestrichen ward. Übrigens dampft man die Porzellanplatte nicht gleichmäßig schwarz an, sondern da am tiefsten, wo die dunkelsten Schatten und hellsten Lichter hingehören; die Luft macht man sogleich durch den Ruß wolkig, so daß nur wenig durch Zeichnung nachgeholfen zu werden braucht. Hat man dann mit Stiften von verschiedener Dicke hineingezeichnet, so dampft man, wenn einige Stellen zu grell geworden sein sollten, diese wieder etwas an, wodurch man Tinten von der größten Zartheit erlangen kann. Es gelang mit der Zeit, die Bilder zu fixieren. Der Geschichtsmaler Gally brachte das Rauchzeichnen zur größten Vollkommenheit; Zeichnungen von ihm, von denen er indes keinen Abdruck nahm, kamen 1845 in Mailand zur Ausstellung. In neuerer Zeit pflegte diese Technik besonders August Schleich in München (gest. 1866), der zahlreiche Werke darin geliefert hat. Er fand eine Anzahl von Nachahmern, welche die Manier indes zu keiner weitern Vollendung brachten.

Räucheressenz (Räucherwasser), Lösung aromatischer Stoffe in Alkohol, welche man auf den Ofen tropft, um die Luft eines Raums zu parfümieren. Man bereitet die R. durch Digerieren von Pflanzenteilen mit Alkohol und Lösen ätherischer Öle in der erhaltenen Tinktur.

Räucheressig, s. Essige, aromatische.

Räucherkerzchen, aus aromatischen brennbaren Substanzen bestehende Kegelchen, welche, indem sie verglimmen, die Luft eines Raums parfümieren. Gute R. dürfen kein Holz enthalten, weil dieses beim Verglimmen stets übelriechende Dämpfe entwickelt. Man mischt z. B. gute Holzkohle (Bäckerkohle) mit Benzoe, Tolubalsam, Vanille, Gewürznelken, Sandelholzöl, Neroliöl und Salpeter, knetet die Masse mit Tragantschleim zu einer plastischen Masse an und formt aus derselben die R., die gut getrocknet werden müssen.

Räuchern des Fleisches, Behandlung gesalzenen Fleisches mit aus einer Holzfeuerung sich entwickelndem Rauch, um es möglichst lange zu konservieren. Das aus dem Pökelfaß genommene Fleisch muß etwa zwei Tage in einer luftigen Kammer abtrocknen, und das zur Rauchentwickelung benutzte Holz muß trocken sein, weil sich aus grünem so viel Wasserdämpfe entwickeln, daß das Fleisch zu feucht wird. Zum Räuchern der Fische bevorzugt man Erlen- und Eichenholz und erzielt die beliebte gelbbraune Farbe der Ware durch Lohe oder Fichtennadeln. Bisweilen räuchert man noch in weiten Essen; viel besser sind aber die Räucherkammern, welche gewöhnlich auf dem Boden neben der Esse angelegt werden. Man verbindet dann letztere mit der Kammer durch zwei schmale, lange Öffnungen, von denen die eine am Boden, die andre an der Decke der Kammer sich befindet. Zwischen beiden ist ein Schieber angebracht,