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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Rauschen - Ravaillac.

unter der Brust, am Hals oder zu beiden Seiten des Kopfes entstehen schnell diffuse Anschwellungen durch blutige Infiltration, es tritt Fieber und Appetitmangel ein, die Herzthätigkeit wird beschleunigt. Zuweilen wird die Haut an den Geschwülsten brandig oder das blutige Infiltrat unterliegt der Verjauchung. Beim Einschneiden in diese Masse entsteht ein knisterndes Geräusch (daher der Name). Der R. führt regelmäßig zum Tod. Bei der Sektion werden blutige Ergüsse in die Bauchhöhle, in die Brusthöhle und den Herzbeutel, außerdem gelbsulzige Infiltrationen in das Gekröse oder um die großen Gefäßstämme und blutige Herde an den serösen Häuten gefunden. Die Leber ist leicht geschwollen, die Milz aber gewöhnlich nicht verändert. In den Muskeln sitzen bald ausgebreitete, bald mehr begrenzte blutige Infarkte. Als Ursache des Rauschbrandes gelten die in den Geschwülsten befindlichen Bakterien, welche mit den Milzbrandbacillen nicht identisch sind. Denn wenn Milzbrandbacillen in das Blut eines gesunden Tiers gelangen, so verursachen sie die Erkrankung des letztern an Milzbrand. Beim R. dagegen entsteht keine erhebliche Krankheit und namentlich keine Geschwulstbildung, wenn das Blut eines kranken Tiers in die Zirkulation eines gesunden gebracht wird, ohne daß hierbei ein Teil desselben in das Unterhautgewebe gelangt. Ja es scheint, als werde durch diese Blutinjektion die Fähigkeit zu weiterer Erkrankung am R. getilgt. Vgl. Heß, Über R. (Leipz. 1888).

Rauschen, vom Schwarzwild s. v. w. sich begatten.

Rauschenbach, 1) Groß-R., Stadt, s. Nagy-Röcze. - 2) Ober-R., Badeort bei Pudlein, im ungar. Komitat Zips, mit inkrustierender, salinisch-erdiger Therme, die aus einem Kalktufffelsen einem 20 m tiefen, 5,4 m breiten Bassin entquillt. Daselbst finden sich auch mehrere Mofetten (Fumarolen).

Rauschenberg, Stadt und Luftkurort im preuß. Regierungsbezirk Kassel, Kreis Kirchhain, 282 m ü. M., hat eine evang. Kirche, eine Burgruine, ein Amtsgericht, eine Oberförsterei und (1885) 1159 meist evang. Einwohner. Neuerlich wurden bei R. ausgedehnte alte germanische Gräberstätten (wahrscheinlich aus dem 4. Jahrh.) aufgegraben.

Rauscher, Joseph Othmar: Ritter von, Kardinal und Fürst-Erzbischof von Wien, geb. 6. Okt. 1797 zu Wien, erhielt 1823 die Weihen, ward 1829 Professor des Kirchenrechts und der Kirchengeschichte am Lyceum zu Salzburg, 1832 Direktor der k. k. orientalischen Akademie und infulierter Abt von Monostor ob Komorn. Als solcher ward er Lehrer des jetzigen Kaisers Franz Joseph in der Philosophie. 1848 ward er zum Bischof von Seckau, 1853 zum Fürst-Erzbischof von Wien ernannt. Zum Lohn für den Abschluß des Konkordats vom 18. Aug. 1855, welches R. im Rate des Kaisers durchgesetzt hatte, verlieh ihm der Papst 17. Dez. die Kardinalswürde. Seiner innigen Beziehungen zum Kaiser und seiner treuen deutsch-österreichischen Gesinnung wegen erlangte er auch politischen Einfluß und verfocht bei aller kirchlichen Gläubigkeit und Unterwürfigkeit gegen den Papst die österreichische Reichsidee den föderalistischen Bestrebungen gegenüber mit Aufrichtigkeit und Entschiedenheit. 1860 in den Reichsrat berufen, förderte er die Februarverfassung sowie die Regierung Schmerlings und trat als Mitglied in das Herrenhaus, in dem er zwar das Konkordat, aber auch die liberale Verfassung verteidigte. Auf dem Konzil 1870 zeigte er sich der Verkündigung des Unfehlbarkeitsdogmas, welches er in einer Denkschrift bekämpfte, abgeneigt und verließ Rom vor der Abstimmung, verkündete aber später das Dogma in seiner Diözese. Die moderne Wissenschaft, namentlich die deutsche Philosophie, bekämpfte er in Hirtenbriefen und Predigten; dagegen förderte er die kirchliche Kunst durch Kirchenbauten und Restaurationen. Er starb 24. Nov. 1875. Von seinen Schriften erwähnen wir die unvollendete "Geschichte der christlichen Kirche" (Sulzb. 1829, 2 Bde.).

Rauschgelb, s. v. w. Auripigment.

Rauschgold, s. Flittergold.

Rauschrot, s. v. w. Realgar, s. Arsensulfide.

Raute, in der Geometrie s. v. w. Rhombus (vgl. Parallelogramm); rautenförmig, einem verschobenen Viereck ähnlich.

Raute, Pflanzengattung, s. Ruta. Syrische R., s. Peganum.

Rautenfries, s. Fries, mit Fig. 10 u. 11.

Rautengewächse, s. Rutaceen.

Rautenglas, auf einer Seite ebenes, auf der andern facettiertes Glas.

Rautenkranz, in seiner heutigen Gestalt ein Schrägbalken, der oben mit Rautenblättern besetzt ist, ein problematisches Wappenbild, welches im sächsischen Wappen (s. Abbild.) vorkommt, aber noch nicht befriedigend erklärt ist. Der R. hat die Eigentümlichkeit, daß er nur als Nebenfigur und nur in Verbindung mit Heroldsfiguren auftritt, am häufigsten in Sachsen und Thüringen. Fürst von Hohenlohe ("Der sächsische R.", Stuttg. 1863) erblickt in der ursprünglichen Figur einen natürlichen Laubkranz, was wohl das Richtige ist.

Rautenkrone, Orden der, königlich sächs. Hausorden, von Friedrich August I. 20. Juli 1807 zur Auszeichnung höherer Staatsdiener und zu Beweisen der Freundschaft für Regenten gestiftet. Ordenszeichen ist ein achteckiges, hellgrünes Kreuz mit weiß emaillierter Einfassung, dessen silberner Mittelschild auf beiden Seiten mit einem grünen, 16blätterigen Rautenkranz umgeben ist. Auf der Vorderseite zeigt es die Namenschiffer des Stifters "F. A." mit Krone darüber, auf der Rückseite die Ordensdevise "Providentiae memor". An einem breiten, grünen, gewässerten Band wird es von der rechten Schulter zur linken Seite getragen; dazu auf der linken Brust ein achteckiger silberner Stern, in dessen hellgelbem Mittelschild die Ordensdevise, von einem Rautenkranz umgeben, in Silber sich zeigt. Der Orden hat nur eine Klasse. S. Tafel "Orden", Fig. 3.

Rautenöl, äther. Öl, welches aus Blättern und Blüten der Gartenraute durch Destillation mit Wasser erhalten wird. Es ist farblos oder gelblich, riecht stark und angenehm, schmeckt bitterlich scharf, spez. Gew. 0,83-0,84, erstarrt bei -1° und besteht aus einem Kohlenwasserstoff und Methylkaprinol C11H22O ^[C<sub>11</sub>H<sub>22</sub>O]. Es gibt bei Oxydation Pelargonsäure und Essigsäure. Man benutzt das R. zuweilen zu Kräuteressigen und aromatischen Toilettegegenständen, auch zur Darstellung von Önanthäther und von Silberspiegeln.

Rautenschlange, s. Lachesis.

Rautenspat, s. Dolomit.

Rautenstein, s. Edelsteine, S. 314.

Rautenstich, in der Stickerei ein Stich, welcher kleine rechtwinkelige oder verschobene Vierecke bildet.

Ravage (franz., spr. -wahsch), Verheerung.

Ravaillac (spr. rawajack), François, Mörder des französischen Königs Heinrich IV., geb. 1578 zu Angoulême, war erst Schreiber, dann Schullehrer in