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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Reichenau; Reichenbach

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Reichenau - Reichenbach.

Kreishauptmannschaft Bautzen, Amtshauptmannschaft Zittau, an der Linie Zittau-Markersdorf der Sächsischen Staatsbahn, aus den beiden Gemeinden R. klösterlichen und R. Zittauer Anteils bestehend, hat eine evangelische und eine kath. Kirche, Spinnerei, Orléansfabriken, Färbereien nebst Appreturanstalten, Leimsiederei, Maschinenfabrikation, Ziegelbrennerei, Braunkohlenwerke, eine Farbholzmühle und (1885) 5561 meist evang. Einwohner. - 6) Ein von den Bischöfen von Chur erbautes Schloß im schweizer. Kanton Graubünden, am Zusammenfluß des Hinter- und Vorderrheins. Hier blühte die vom Bürgermeister Tscharner von Chur errichtete Erziehungsanstalt, deren Miteigentümer H. Zschokke war, und an welcher der Herzog von Chartres (der nachmalige König Ludwig Philipp) 1793-94 unter dem Namen Chabot als Lehrer der französischen Sprache wirkte. Das Schloß ist jetzt im Besitz der Familie v. Planta.

Reichenau, Rudolf, Schriftsteller, geb. 1817 zu Marienwerder, studierte in Königsberg und Bonn Rechtswissenschaft und widmete sich in seiner Vaterstadt dem Staatsdienst, den ihn Kränklichkeit jedoch bald zu verlassen zwang. Er siedelte nun (1859) nach Berlin über, wo er sich schriftstellerischer Thätigkeit zuwandte und 17. Dez. 1879 starb. Quell und Inhalt seiner mit Beifall aufgenommenen Schriften war ausschließlich das deutsche Familienleben, dessen einzelne Stadien er in seiner Beobachtung poesievoll und mit Laune zu schildern verstand. Es sind: "Aus unsern vier Wänden", in drei Abteilungen: "Kinderleben" (11. Aufl. 1868), "Knaben und Mädchen" (1864) und "Auswärts und Daheim" (1864); ferner "Liebesgeschichten. Neues aus den alten vier Wänden" (1868); "Am eignen Herd. Aus den neuen vier Wänden" (1873) und "Die Alten. Letzte Bilder" (1876). Eine Gesamtausgabe erschien Leipzig 1877.

Reichenbach, linksseitiger Zufluß der obern Aare in der Schweiz, kommt von der Großen Scheideck, nimmt bei dem Bad Rosenlaui den Abfluß des Rosenlauigletschers auf und stürzt sich, Meiringen gegenüber, mit einer Reihe von sieben Fällen, deren oberster 90 m hoch ist, in das Hauptthal. Diese Fälle, an der vielbegangenen Paßroute, welche Oberhasle und Grindelwald verbindet, gelegen, gehören zu den schönsten des Berner Oberlandes.

Reichenbach, 1) Kreisstadt im preuß. Regierungsbezirk Breslau, an der Peile, am Fuß des Eulengebirges und an den Linien Kamenz-Raudten und R.-Langenbielau der Preußischen Staatsbahn, 259 m ü. M., hat eine evangelische und eine kath. Kirche, eine Synagoge, ein Schlachthaus, ein neues Rathaus, ein Realgymnasium, ein Amtsgericht, eine Reichsbanknebenstelle, Baumwollwarenfabrikation, bedeutenden Garnhandel u. Wagenbau, besuchte Pferde-, Vieh- und Getreidemärkte und (1885) mit der Garnison (ein Füsilierbat. Nr. 38) 7368 meist evang. Einwohner. Dabei das Dorf Ernsdorf mit Baumwollweberei, Wagenbauerei und (1885) 6097 Einw. Der Kreis R. enthält die größten schlesischen Weberdörfer: Langenbielau (s. d.), Peilau (s. d.) u. Peterswaldau (s. d.). - R. wurde 1633 von den Kaiserlichen erstürmt und seine Befestigungen geschleift. Eine historische Bedeutung haben der Stadt verliehen: 16. Aug. 1762 der Sieg der Preußen unter dem Herzog von Bevern über die Österreicher unter Daun; 27. Juli 1790 der Kongreß und die Konvention zwischen Preußen, Polen, England, Holland und Österreich, wodurch der fernere Bestand des türkischen Reichs gesichert wurde; von Juni bis August 1813 die Verhandlungen zwischen England, Rußland und Preußen, in deren Folge ersteres daselbst 14. und 15. Juni 1813 mit den beiden letztern einen doppelten Subsidienvertrag schloß. Ein ebenfalls hier 27. Juni geschlossener Allianztraktat zwischen den Verbündeten und Österreich wurde 27. Juli 1813 zu Prag ratifiziert. Vgl. "Kurze Geschichte der Stadt R." (Reichenb. 1874). - 2) Stadt im preuß. Regierungsbezirk Liegnitz, Landkreis Görlitz, an der Linie Dresden-Görlitz der Sächsischen und R.-Langenbielau der Preußischen Staatsbahn, 244 m ü. M., hat ein Schullehrerseminar, eine Rettungsanstalt für verwahrloste Mädchen, ein Amtsgericht, eine chemische und eine Farbenfabrik, eine Maschinenbauanstalt und (1885) 1769 meist evang. Einwohner. Hier 22. Mai 1813 siegreiches Gefecht der Franzosen gegen die Russen unter Herzog Eugen von Württemberg. - 3) Stadt in der sächs. Kreishauptmannschaft Zwickau, Amtshauptmannschaft Plauen, Knotenpunkt der Linien Leipzig-Hof und R.-Eger der Sächsischen Staatsbahn, 399 m ü. M., hat 2 Kirchen, eine Realschule mit Progymnasium, ein Amtsgericht, bedeutende Fabrikation wollener Waren, Kamm- u. Streichgarnspinnerei, große Färbereien, Appreturanstalten, Eisengießerei, Maschinenbau und (1885) 18,330 Einw., darunter 403 Katholiken. In der Nähe die Städte Mylau (s. d.) und Netzschkau (s. d.) sowie der großartige Eisenbahnviadukt über das Göltzschthal (s. Göltzsch).

^[Abb.: Wappen von Reichenbach in Schlesien und Reichenbach in Sachsen]

Reichenbach, 1) Georg von, Mechaniker und Optiker, geb. 24. Aug. 1772 zu Durlach im Badischen, bildete sich in der Militärschule zu Mannheim, bereiste drei Jahre lang England und ward nach seiner Rückkehr zum Artillerieleutnant ernannt. 1804 gründete R. mit Joseph v. Utzschneider und dem Mechanikus Liebherr das mathematisch-mechanische Institut zu München und 1809 mit Fraunhofer und Utzschneider in Benediktbeuern die ebenso berühmt gewordene optische Anstalt. R. war ungemein erfinderisch und lieferte zahlreiche außerordentlich zweckmäßige und exakt gebaute Instrumente von bis dahin unerreichter Leistungsfähigkeit. 1808 zum königlichen Salinenrat ernannt, trennte er sich 1814 von Utzschneider und errichtete mit T. Ertel eine neue Anstalt, die er jedoch 1821 ganz an diesen überließ, nachdem er 1820 Chef des Wasser- und Straßenbaubüreaus für Bayern geworden war. In Wien erbaute er eine Stückbohrerei nach eignem Plan, bei Tegernsee eine Marmorschneide- und Poliermühle, verbesserte die Gewehrfabrik zu Amberg sowie die bayrischen Hochöfen und Eisengießereien und machte sich um die bayrischen Salinen Reichenhall und Berchtesgaden durch Erfindung der Wassersäulenmaschine u. Vervollkommnung des mechanischen Betriebs überhaupt, außerdem noch durch Erfindung einer neuen Bauart eiserner Brücken verdient. Er starb als Direktor des Ministerialbaubüreaus und Oberbergrat 21. Mai 1826 in München. Seine Büste ist in der Walhalla aufgestellt. Vgl. Bauernfeind, Georg v. R. (Münch. 1883).

2) Karl, Freiherr von, Naturforscher, geb. 12.