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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Reichsvikare; Reichsvizekanzler; Reichswährung; Reichthal; Reichtum; Reid

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Reichsvikare - Reid.

Minderjährigkeit des Königs u. im Fall, daß derselbe durch Krankheit zur Regierung unfähig wurde, die einstweiligen Verwalter der königlichen Würde. Die Ernennung der R. war anfangs dem König überlassen; aber schon die Goldene Bulle von 1356 erkannte es als altes Herkommen an, daß der Herzog von Sachsen in den Landen sächsischen Rechts und der Pfalzgraf bei Rhein in den schwäbischen, rheinischen und fränkischen Landen das Reichsverweseramt von Rechts wegen zu führen habe. Als die deutsche Nationalversammlung 1848 ein neues Deutsches Reich herzustellen sich bemühte, entschied sie sich 28. Juni für Einsetzung eines Reichsverwesers an Stelle des Bundestags und ernannte 29. Juni den Erzherzog Johann von Österreich (s. Johann 13) zum provisorischen unverantwortlichen Inhaber der deutschen Zentralgewalt unter dem Titel "Erzherzog-Reichsverweser" (s. Deutschland, S. 889).

Reichsvikare, s. Reichsverweser.

Reichsvizekanzler, s. Reichskanzler.

Reichswährung, die durch Gesetz vom 30. April 1874 im Deutschen Reich eingeführte Währung, welche die Mark (s. d.) als Münzeinheit einführte.

Reichthal, Stadt im preuß. Regierungsbezirk Breslau, Kreis Namslau, an der Studnitza, hat eine evangelische und eine kath. Kirche, ein schönes, neues Rathaus, Bierbrauerei und (1885) 1364 Einw.

Reichtum, ein relativer Begriff, welcher ein gegenüber den eignen Bedürfnissen und dem Besitz andrer verhältnismäßig großes Vermögen bezeichnet. Derselbe ist demnach zeitlich und örtlich wandelbar. Der Nationalreichtum begreift alle Güter in sich, über welche ein Volk in seiner Gesamtheit verfügt. Die Bedeutung desselben für Volkswohl und Kultur hängt nicht allein von seiner Größe, sondern auch ganz vorzüglich davon ab, in welchem Maß er den einzelnen Gliedern des Volkes zu gute kommt.

Reid (spr. rihd), 1) Thomas, schott. Philosoph, geb. 26. April 1710 zu Strachan in der schottischen Grafschaft Kincardine, studierte Theologie, wurde 1737 Pfarrer zu New Machar in Aberdeenshire, 1752 Professor der Moralphilosophie am King's College zu Aberdeen und 1764 zu Glasgow, trat jedoch 1780 von seinem Amt zurück und starb 7. Okt. 1796. R. ist der Urheber der Philosophie des sogen. gesunden Menschenverstandes (common sense), welche er dem von ihm so genannten "Idealsystem", d. h. der Lehre, daß wir keine äußern Dinge, sondern nur gewisse "Ideen" (Bilder, Eindrücke in uns) wahrnehmen, entgegen stellte. Letztere, von Locke ausgegangen und von Berkeley fortgesetzt, führe, wie Humes Beispiel lehre, zum Skeptizismus und könne nur durch die Überzeugung, von welcher der gesunde Menschenverstand durchdrungen sei, daß die Natur uns sowohl von unserm eignen als von dem Dasein der sinnlichen Dinge außer uns eine unmittelbare Gewißheit gewähre, überwunden werden. Dieselbe bildet mit einer Anzahl andrer (theoretischer und praktischer) "Grundwahrheiten" den unverlierbaren Besitz des "gesunden Menschenverstandes", welcher durch keine wissenschaftliche Überlegung erschüttert, von welchem aus aber alle dem Geist wahrhaft fruchtbringende (theoretische und praktische) Wissenschaft abgeleitet werden kann. Die Ausbildung derselben hat die sogen. schottische Schule (Beattie, Oswald, Thomas Brown, Dugald Stewart) und ihre Anhängerschaft in England, wo später James Mackintosh und besonders W. Hamilton diese Lehre mit andern Lehren zu verschmelzen suchten, u. in Frankreich (Maine de Biron, Jouffroy, Royer-Collard) übernommen. Reids Hauptwerk ist: "An inquiry into the human mind on the principle of common sense" (Edinb. 1765; deutsch, Leipz. 1782). Den Inhalt desselben wiederholte er in weitläufiger Ausführung in den beiden Werken: "Essays on the intellectual powers of man" (Edinb. 1785, neue Ausg. 1884) und "Essays on the active powers of man" (das. 1788), welche später als "Essays on the powers of the human mind" (Lond. 1803, 3 Bde.) zusammen erschienen. Gesamtausgaben seiner Schriften besorgten D. Stewart (Edinb. 1804, 4 Bde.) und Sir W. Hamilton (6. Aufl. 1863, 2 Bde.). Vgl. Ferrier, R. and the philosophy of common sense (in dessen "Lectures", Bd. 2, Edingb. ^[richtig: Edinb. für Edinburgh] 1866).

2) Sir William, Meteorolog, geb. 1791 in Fifeshire, wurde in der Militärakademie zu Woolwich erzogen, trat 1809 als Leutnant in das Geniekorps, diente bis 1814 unter Wellington in Spanien, kämpfte 1815 bei Waterloo und begleitete 1816 Lord Exmouth nach Algier. 1831 ging er zur Wiederherstellung der durch einen Sturm zerstörten Regierungsgebäude nach Barbados, und 1838 wurde er zum Gouverneur der Bermudasinseln, 1846 von Barbados ernannt. Nach rühmlicher, sehr erfolgreicher Verwaltung dieser Kolonien kehrte er nach England zurück und wurde 1848 Kommandant von Woolwich, 1851 Vorsitzender des Exekutivkomitees der Weltausstellung und, nachdem er zum Ritter geschlagen, Gouverneur von Malta, wo er besonders während des Krimkriegs durch seine musterhafte Verwaltung glänzte. 1856 kehrte er zurück und starb 31. Okt. 1858 in London. Auf Barbados begann er meteorologische Studien, deren sehr bedeutsame Resultate er in dem Werk "An attempt to develop the law of storms, by means of facts arranged according to place and time" (1838, 3. Aufl. 1850) veröffentlichte. Die Fortsetzung dieser Studien auf den Bermudas und auf Barbados verarbeitete er in dem Werk "Progress of the development of the law of storms" (1849).

3) Mayne, engl. Romanschriftsteller, geb. 1818 im Norden Irlands, war für den geistlichen Stand bestimmt, begab sich aber aus Neigung zum Abenteuerlichen 1838 nach Nordamerika, wo er von New Orleans aus mehrere Jahre lang Handels- und Jagdzüge den Red River und Missouri hinauf bis in die Felsengebirge unternahm. Nachdem er seit 1843 fast alle Staaten der Union bereist, machte er 1846 den Krieg gegen Mexiko mit und avancierte bis zum Kapitän. Sein Vorhaben, 1849 mit einer Freischar der ungarischen Revolution zu Hilfe zu kommen, wurde durch die in Paris ihn treffende Kunde von der Besiegung des Aufstandes vereitelt; er ließ sich nun in London nieder, wo er seine reichen Erlebnisse schriftstellerisch verwertete. Seine ersten Werke waren die Romane: "Rifle rangers" (1850) und "The scalp hunters" (1850), Schilderungen des Lebens in den Wäldern und Prärien des Westens, denen nun eine lange Reihe ähnlicher Erzählungen nachfolgte. Wir nennen nur: "The boy hunters" (1853); "The Quadroon" (1856); "The young voyageurs" (1857); "The hunter's feast" (1860); "The Maroon" (1862); "The white gauntlet" (1865); "The headless horseman" (1866); "The child wife" (1868); "The yellow chief" (1870); "The finger of fate" (1872); "The death shot" (1873); "Flag of distress" (1876); "Gwen Wynn" (1877) u. a. In diesen Romanen, die meist auch in deutschen Übersetzungen und Bearbeitungen für die Jugend erschienen, ist von künstlerischer Verarbeitung des überreichen Stoffes wenig zu finden; aber die anziehenden Schilderungen, der Reflex des Selbsterlebten, die mit lebhaften Farben entworfenen