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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Rhusma - Rhythmus.

Geschwüre, selbst Lähmung der Glieder, während andre keinen Schaden leiden. Früher wurden die Blätter medizinisch benutzt. Einige japanische Arten haben technische Bedeutung; so enthält R. vernix L. (R. vernicifera Dec., Firnissumach, Firnisbaum), ein Strauch mit gefiederten Blättern, violettem Blattstiel und grünlichweißen Früchten, einen weißen, an der Luft bald schwarz werdenden Saft, woraus der schöne und dauerhafte japanische Firnis bereitet wird, und R. succedanea L., ein kleiner Baum oder Strauch, ebenfalls mit gefiederten Blättern, liefert das japanische Wachs. R. semialata Murr., ein Baum mit fünf- bis siebenjochig gefiederten Blättern, eiförmigen, zugespitzten, gesägten, unterseits weichhaarigen Blättchen, in Nordindien, China, Japan, liefert die durch den Stich einer Blattlaus (Aphis chinensis Doubl.) an den Blattstielen und Blättern entstehenden chinesischen Galläpfel.

Rhusma, s. Arsensulfide.

Rhyakolith, s. Sanidin.

Rhyl, beliebtes Seebad in Flintshire (Wales), an der Mündung des Clwyd, mit (1881) 6029 Einw.

Rhymney (Rumney), Stadt im nordwestlichen Winkel von Monmouthshire (England), zwischen Tredegar und Merthyr Tydvil, mit Eisenhütte, Kohlengruben und (1881) 8663 Einw.

Rhynchites, Blattroller.

Rhynchocephalinen, s. Reptilien, S. 738.

Rhynchoprion, Sandfloh, s. Flöhe.

Rhynchoteuthis, s. Tintenschnecken.

Rhyndakos, wichtiger kleinasiatischer Fluß, der heutige Adirnás Tschai, entspringt am Nordabhang des Dindymosgebirges (heute Murad Dagh) in Phrygien, fließt in nordwestlicher Richtung durch Mysien, südlich am mysischen Olymp vorbei, dann nördlich gewendet durch den Artyniasee (Abullonia Gol), nimmt bei Miletopolis (Muhalitsch?) den Makestos (Susurlu Tschai) auf und mündet in die Propontis. Am R. besiegte 73 v. Chr. Lucullus den Mithridates.

Rhyolith, s. Trachyt.

Rhyparographie (griech.), s. Rhopographie.

Rhypia, s. Schmutzflechte.

Rhyssa, s. Schlupfwespen.

Rhythmik (griech.), die Lehre vom Rhythmus (s. d.) in der Sprache und in der Musik. Rhythmisch, takt- oder versmäßig, wohl abgemessen.

Rhythmus (griech.), im allgemeinen jede taktmäßig abgemessene Bewegung, welche durch regelmäßige Wiederkehr von Gegensätzen entsteht, z. B. beim Tanz, in der Musik, besonders aber in der kunstvollen sprachlichen Darstellung. Bei den Römern hieß der R. numerus (Zahl), d. h. kunstgemäße Abmessung der langen und kurzen Silben, und man spricht von steigendem, wenn er von der Kürze sich zur Länge erhebt, von sinkendem oder fallendem R., wenn er von der Länge zur Kürze herabsteigt. Der R. in letzterm Sinn ist entweder metrisch bestimmt, sobald er durch das Metrum eine bestimmte Gliederung erfährt, wie in der Poesie, oder er ist ohne solche Gliederung, wie in der Rede oder rhetorisierenden Prosa, wo man sich im Altertum im Anfang der Periode des sinkenden, am Schluß des steigenden R., im Innern derselben aber rhythmischer Reihen zu bedienen pflegte, die den Eindruck der kunstvollen Satzgliederung für das Ohr erhöhten. Die Anwendung von Versen galt aber dabei für fehlerhaft. Unrhythmisch ist sowohl fortschreitende gleiche Betonung der Silben bei aneinander gereihten Längen als auch fortgesetzte tonlose Kürze der Silben. Bewegt sich aber der rhythmische Wechsel zwischen langen und kurzen, betonten und unbetonten Silben innerhalb gewisser, stets regelmäßig wiederkehrende Formen, so gestaltet er sich zum metrischen R. oder zum Metrum. Hier kommt (je nach den Sprachen und Völkern) entweder die längere oder kürzere Zeitdauer der Silben in Betracht, wonach man sie in lange, kurze und mittelzeitige einteilt (quantitierender R.), oder der Accent, d. h. der Umstand, daß gewisse Wörter oder Silben durch stärkern Nachdruck der Stimme hervorgehoben, andre dagegen mit gesenkter Stimme gesprochen werden (accentuierender R.). Die antiken Sprachen huldigen jenem, die modernen dem letztgenannte Prinzip (vgl. Metrik u. Prosodie). Die Silbe, bei der sich die Stimme hebt, wird als Arsis, die, bei der sie sich senkt, als Thesis bezeichnet. Neuere Rhythmiker haben indessen angefangen, im Anschluß an die Alten jene beiden Benennungen gerade im umgekehrten Sinn zu gebrauchen, so daß also Arsis (wie in der Musik) die kurze, Thesis die lange Silbe bezeichnet, was dem Prinzip nach auch vollkommen richtig ist. Hebung und Senkung ist eigentlich die Grundlage eines jeden R., während das Zeitverhältnis der Silben vorzugsweise dem Metrum anheimfällt. Eine Verbindung von mehreren Silben zu einer rhythmischen Einheit, worin sich Hebung und Senkung gegenüberstehen, heißt Fuß (lat. pes, eine unglückliche Benennung, welche auch nach und nach der richtigern, Takt, zu weichen beginnt). Ein solcher Fuß kann mehrere Hebungen haben, aber Eine wird stets vorwiegen und als Mittelpunkt die Einheit des Versfußes bewirken. Nach der Anzahl der rhythmischen Punkte, die in einem Fuß sich vereinigen, gibt es zwei-, drei-, vier- und mehrsilbige. Unter den von den Metrikern überlieferten "Füßen" sind zweisilbig: der Pyrrhichius (^^), Spondeus (- -), Iambus (^-), Trochäus (-^); dreisilbig: der Molossus (- - -), Tribrachys (^^^), Anapäst (^^-), Daktylus (-^^), Bacchius (-^-^), Antibacchius oder Palimbacchius (^- -), Amphibrachys (^-^), Amphimacer oder Creticus (-^-); viersilbig: der Proceleusmaticus (^^^^), Doppelspondeus (- - - -), Doppeliambus (^-^-), Doppeltrochäus (-^ -^), Choriambus (-^ ^-), Antispastus (^- -^), der steigende Ionicus (^^- -), der sinkende Ionicus (- -^^), der erste Päon (-^^^), der zweite Päon (^-^^), der dritte Päon (^^^-^), der vierte Päon (^^^-), der erste Epitritus (^- - -), der zweite Epitritus (-^-), der dritte Epitritus (- -^-), der vierte Epitritus (- - -^). Leicht läßt sich die Anzahl dieser Füße im Fortschreiten durch Kombination der Zeitmomente (morae) sowie durch Zerlegung der langen Silben in zwei kurze zu fünf- und sechssilbigen und weiter vermehren. Außerdem kann man die Fuße auch nach der Zahl der Hebungen einteilen in einfache und zusammengesetzte; jene haben nur eine Hebung, wie der Trochäus, diese zwei, wie der Doppeltrochäus. Die Wirkung ist verschieden, je nachdem die Hebung herabsinkt (wie -^, - ^^) oder die Senkung zur Hebung ansteigt und in ihr beharrt (wie ^-, ^^-). Durch Verbindung mehrerer Füße zu einem rhythmischen Ganzen entsteht der Vers (s. d.). Während die alten Metriker von dem Grundsatz ausgingen, daß die Kürze als eine Zeit oder More (mora), die Länge aber als aus zwei Moren bestehend anzusehen sei, machten die Rhythmiker darauf aufmerksam, daß die Länge nicht bloß zwei-, sondern auch dreizeitig sowie eine unvollkommen Länge sein, die Kürze aber außer ihrer einzeitigen