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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Riego; Riehl; Riehm; Riem; Riemann

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Riego - Riemann.

1873 ff.). Als das Oktoberdiplom 1860 die endgültige Konstituierung einer tschechischen Nationalpartei zur Folge hatte, stellte sich R. nebst seinem Schwiegervater Palacky offen an die Spitze derselben. Als ihr Organ traten die "Národni Listy" in das Leben. Von 1863 an, als die Tschechen auf Riegers Betrieb beschlossen hatten, den Reichsrat nicht mehr zu beschicken, blieb seine Wirksamkeit auf den Landtag Böhmens sowie auf die tschechischen Vereine und Körperschaften beschränkt. Unermüdlich agitierte er im Verein mit den Ultramontanen und Feudalen für die Wiederherstellung der Selbständigkeit der Wenzelskrone, begab sich 1867 zu der großen panslawistischen Demonstration nach Moskau und leitete 1871 unter dem Ministerium Hohenwart die Verhandlungen mit diesem über eine föderalistische Gestaltung Österreichs und die Rekonstruktion des böhmischen Königreichs. Die Maßlosigkeit seiner Forderungen führte das Scheitern der Verhandlungen herbei. Als die Tschechen 1878 wieder in den Landtag und 1879 in den Reichsrat eintraten, ward er einer der Führer der regierungsfreundlichen föderalistischen Mehrheit.

Riego (spr. ri-ego), Rafael del, span. Revolutionär, geb. 1785 in Asturien, kämpfte seit 1808 gegen die Franzosen, ward gefangen und in der Gefangenschaft mit den Ideen der Revolution bekannt. Nach seiner Freilassung 1814 Oberstleutnant im Regiment Asturien, erhob er, während das Regiment in San Juan auf die Einschiffung nach Amerika wartete, 1. Jan. 1820 die Fahne des Aufstandes, ward nach dem Sieg der Empörung Feldmarschall und Generalkapitän von Aragonien, 1. Sept. 1821 aber wegen radikaler Agitationen wieder abgesetzt, benahm sich überhaupt lächerlich eitel. 1822 ward er Mitglied und Präsident der Cortes, 1823 Befehlshaber der Truppen in Malaga, im Kampf gegen die Franzosen schwer verwundet und gefangen, dann der spanischen Regierung ausgeliefert, zum Tod verurteilt und 7. Nov. 1823 gehenkt. Er ist der Verfasser der revolutionären "Riego-Hymne", welche noch jetzt bei revolutionären Erhebungen gesungen wird. Vgl. M. del Riego, Memoirs of the life of R. and his family (Lond. 1824); Nard und Piral, Vida militar e politica de R. (Madr. 1844).

Riehl, Wilhelm Heinrich, Schriftsteller, geb. 6. Mai 1823 zu Biebrich a. Rh., studierte in Marburg, Tübingen, Bonn und Gießen, redigierte seit 1846 mit Giehne die "Karlsruher Zeitung", begründete dann mit Christ den "Badischen Landtagsboten" und gab, nachdem er zum Mitglied der deutschen Nationalversammlung gewählt worden, 1848-51 die konservative "Nassauische allgemeine Zeitung" heraus, während er zugleich mit der musikalischen Leitung des Hoftheaters in Wiesbaden betraut war. Nachdem er 1851-53 bei der Redaktion der Augsburger "Allgemeinen Zeitung" thätig gewesen, folgte er 1854 einem Ruf als Professor der Staats- und Kameralwissenschaften nach München, wo er 1859 die Professur für Litteraturgeschichte übernahm und 1862 Mitglied der Akademie der Wissenschaften ward. 1885 wurde er zum Direktor des bayrischen Nationalmuseums ernannt. Er schrieb: "Naturgeschichte des Volkes" (Stuttg. 1853-69, 4 Bde.; Bd. 1: "Land und Leute", 8. Aufl. 1883; Bd. 2: "Die bürgerliche Gesellschaft", 8. Aufl. 1885; Bd. 3: "Die Familie", 9. Aufl. 1882; Bd. 4: "Wanderbuch", 2. Aufl. 1870); "Kulturgeschichtliche Novellen" (das. 1856, 3. Aufl. 1864); "Die Pfälzer" (das. 1857, 2. Aufl. 1858); "Kulturstudien aus drei Jahrhunderten" (das. 1859, 3. Aufl. 1873); "Die deutsche Arbeit" (das. 1861, 3. Aufl. 1884); "Geschichten aus alter Zeit" (das. 1863-65, 2 Bde.); "Musikalische Charakterköpfe" (das. 1853-77, 3 Bde.; 7. Aufl. 1886); "Hausmusik" (Liederkompositionen, das. 1856, 2. Aufl. 1859; 2. Folge, Leipz. 1877); "Neues Novellenbuch" (Stuttg. 1867, 2. Aufl. 1873); "Freie Vorträge" (das. 1873, 2. Sammlung 1885); "Aus der Ecke, neue Novellen" (Bielef. u. Leipz. 1875); "Gesammelte Geschichten und Novellen" (Stuttg. 1871, 2 Bde.); "Am Feierabend", 6 neue Novellen (das. 1880); "Lebensrätsel", 5 Novellen (das. 1888), und eine Reihe kulturgeschichtlicher Abhandlungen in den Denkschriften der Münchener Akademie und der Augsburger "Allgemeinen Zeitung". Auf Anregung Riehls und unter seiner Leitung erschien 1859-67 die "Bavaria", eine umfassende geographisch-ethnographische Schilderung Bayerns. 1870-79 gab er das von Raumer begründete "Historische Taschenbuch" heraus. - Seine Tochter Helene machte sich als Landschaftsmalerin bekannt; sein Sohn Berthold, Dozent der Kunstgeschichte an der Münchener Universität, schrieb: "Geschichte des Sittenbildes in der deutschen Kunst bis zum Tod P. Brueghels des ältern" (Stuttg. 1884); "Kunsthistorische Wanderungen durch Bayern" (Münch. 1888).

Riehm, Eduard Karl August, protest. Theolog, geb. 20. Dez. 1830 zu Diersburg in Baden, wurde 1853 Vikar zu Durlach, 1854 Garnisonsprediger in Mannheim, habilitierte sich 1858 an der theologischen Fakultät in Heidelberg, wurde 1861 daselbst und 1862 zu Halle außerordentlicher, am letztern Ort 1866 ordentlicher Professor; starb 5. April 1888. Unter seinen Schriften nennen wir: "Die Gesetzgebung Mosis im Lande Moab" (Gotha 1854); "Der Lehrbegriff des Hebräerbriefs" (Ludwigsb. 1858 u. 1859); "Die besondere Bedeutung des Alten Testaments für die religiöse Erkenntnis" (Halle 1864); "Herm. Hupfeld" (das. 1867); "Die messianischen Weissagungen" (Gotha 1875, 2. Aufl. 1885); "Der Begriff der Sühne im Alten Testament" (das. 1877); "Religion und Wissenschaft" (das. 1881); "Der biblische Schöpfungsbericht" (Halle 1881); "Zur Revision der Lutherbibel" (das. 1882); "Handwörterbuch des biblischen Altertums" (Bielef. u. Leipz. 1884, 2 Bde.).

Riem (Riemen, Reemen), seemänn. Ausdruck für Ruder (während unter Ruder in der Seemannssprache speziell das Steuerruder verstanden wird).

Riemann, 1) Georg Friedrich Bernhard, Mathematiker, geb. 17. Sept. 1826 zu Breselenz bei Dannenberg in Hannover, studierte seit 1846 zu Göttingen und Berlin, habilitierte sich 1854 in Göttingen, wurde 1857 zum außerordentlichen, 1859 nach Dirichlets Tod zum ordentlichen Professor ernannt, starb aber bereits 20. Juli 1866 in Selasca am Lago Maggiore. Trotz seines frühen Todes hat R. mit Erfolg auf verschiedenen Gebieten der Mathematik gearbeitet, vor allen aber sind seine Arbeiten über die Funktionen komplexer Veränderlichen und deren Integrale hervorzuheben. Seine "Gesammelten mathematischen Werke" hat H. Weber veröffentlicht (Leipz. 1876), seine Vorlesungen über "Partielle Differentialgleichungen" (3. Aufl., Braunschw. 1882) u. über "Schwere, Elektrizität u. Magnetismus" (Hannov. 1876) Hattendorff.

2) Hugo, Musikgelehrter und Komponist, geb. 18. Juli 1849 zu Groß-Mehlra in Schwarzburg-Sondershausen, studierte zu Berlin und Tübingen Philosophie, ward 1871 Schüler des Konservatoriums zu Leipzig und promovierte 1873 in Göttingen auf Grund der Schrift "Über das musikalische Hören", die unter dem Titel: "Musikalische Logik" (Leipz. 1874) im