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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Rizinusöl; Rizinussame; Rizos-Nerūlos; Rizzio; Rjäsan; Rjashsk; Rjeschiza

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Rizinusöl - Rjeschiza.

Straßburg-Basel, hat eine große Tapetenfabrik, eine lithographische Anstalt, Buchdruckerei und (1885) 3134 meist kath. Einwohner.

Rizinusöl, s. Ricinus.

Rizinussame, s. Ricinus.

Rizos-Nerūlos, Jakowakis, griech. Staatsmann und Dichter, geb. 1778 zu Konstantinopel aus einer altadligen Familie, förderte, seit 1816 Mitglied der Hetärie, als Staatssekretär des Innern in der Moldau die nationale Erhebung der Griechen mit Aufopferung seines ganzen Vermögens, hielt dann seit 1822 zu Genf Vorträge über die Geschichte Griechenlands, ging 1827 über Paris nach London, begleitete Kapo d'Istrias nach Griechenland, ward hier außerordentlicher Kommissar der Kykladen und 1828 erster Sekretär der Nationalversammlung von Argos. Im Mai 1832 wurde er zum Minister des Kultus, 1833 zum Nomarchen der Ägeischen Inseln, im Mai 1834 aber zum Minister des königlichen Hauses und des Äußern sowie bald darauf auch des Unterrichts ernannt, verlor aber 1837 diese Ämter und trat erst 1841 wieder auf kurze Zeit als Staatssekretär des Auswärtigen und des Kultus in das Ministerium. Als Unterrichtsminister stiftete er die Griechische Archäologische Gesellschaft. Er starb im Dezember 1850 in Konstantinopel. Als Dichter hat sich R. durch zwei Tragödien (in gereimten Versen): "Aspasia" (1813) und "Polyxena" (1814), das in Prosa abgefaßte Lustspiel "Korakistika" ("Das Kauderwelsch", 1813), eine Verspottung der übertriebenen Neuerungen, welche die Anhänger des Korais in die Sprache einzuführen suchten, und ein heroisch-komisches Gedicht: "Der Raub des Truthahns" (1816), einen rühmlichen Namen gemacht. Außerdem veröffentlichte er: "Cours de la littérature grecque moderne" (Genf 1826; deutsch, Mainz 1827) und "Histoire moderne de la Grèce" (Genf 1828; deutsch, Leipz. 1830).

Rizzio, s. Riccio.

Rjäsan (Rjasanj), russ. Gouvernement, grenzt im N. an das Gouvernement Wladimir, im O. und S. an Tambow, im W. an Tula und Moskau und umfaßt 42,098 qkm (764,5 QM.). Die Bodenbeschaffenheit ist auf beiden Seiten der das Gouvernement durchschneidenden Oka gänzlich verschieden: im nördlichen, tiefer gelegenen Teil ist das Land flach, sandig, stellenweise sumpfig und stark bewaldet, im südlichen, höhern dagegen teils eben, teils von tiefen Flußthälern durchschnitten, dabei trocken und äußerst fruchtbar. Der größte Teil des Gouvernements gehört der Steinkohlenformation an; auf Bergkalk liegen in mächtigen Schichten Sand, Sandstein und Gerölle, welchen im SW. tiefer, fetter, nach der Oka zu in Lehm übergehender Humus (Tschernosem) aufgelagert ist. Inselartig tritt die Juraformation zu Tage; im äußersten Süden zeigt sich nebst Steinkohlenablagerungen die jüngere devonische Formation mit ihren charakteristischen Versteinerungen. R. gehört zwei Flußsystemen an, dem der Oka (mit den schiffbaren Zuflüssen Pronja, Para und den flößbaren Issja, Schtscholkina und Pra) und dem des hier noch unbedeutenden Don. Der Norden ist reich an Seen, von denen die bedeutendsten der Swiatoje-, Welikoje-, Dubowoje- und Kolpsee sind. Ausgedehnte Sümpfe hindern im Frühjahr den Verkehr und hauchen schädliche Dünste aus. Sonst ist das Klima gesund, die mittlere Jahrestemperatur +4,6° C. (Februar -16,2°, Juli +19,3° C.); die jährliche Regenmenge beträgt 53,2 cm. Die Zahl der Einwohner beläuft sich auf (1885) 1,783,958 (41 auf 1 qkm), die größtenteils Großrussen sind; es gibt ca. 5300 Tataren und 500 Deutsche. Dem Glaubensbekenntnis nach waren 1870: 11,195 Raskolniken, 1100 Katholiken, 261 Protestanten, 377 Juden und 5236 Mohammedaner, den Rest bilden Orthodoxe. Es wurden geboren 1885: 86,425 und starben 62,828; die Zahl der Eheschließungen war 13,979. Die Getreideernte übersteigt den eignen Bedarf des Gouvernements; sie betrug 1885: 3,8 Mill. hl Hafer, 6,7 Mill. hl Roggen und 2,6 Mill. hl Kartoffeln; ferner Weizen, Gerste, Buchweizen, Erbsen, Hirse, Lein, Hanf, Tabak, Hopfen, Rüben, Früchte etc. Die Viehzucht ist nur im südlichen Teil höher entwickelt; 1883 zählte man 350,400 Pferde, 271,000 Stück Hornvieh, 849,800 Schafe (darunter 3300 Merinos), 125,100 Schweine und 1743 Ziegen. Die Jagdtiere sind die gewöhnlichen Zentralrußlands; der Fischfang in den Flüssen ist bedeutend, auch die Bienenzucht verbreitet. Das Mineralreich bietet Steinkohlen, Eisenerze, Mühlsteine, Kalksteine und Töpferthon. Vom Areal kommen 55,5 Proz. auf Ackerland, 16,2 Proz. auf Wiesen, 20 Proz. auf Wald und 8,3 Proz. auf Unland und Gebäude. Die Industrie erreicht einen Produktionswert von (1884) 16½ Mill. Rubel. Hauptsächlichste Zweige sind: Spiritusbrennerei (7,357,000 Rub.), Baumwollspinnerei (3,275,000 Rub.), Baumwollweberei, Flachsspinnerei, Glasindustrie, Zementfabrikation und Ziegelbrennerei, Gerberei, Färberei. Die dörfliche Hausindustrie liefert Filz- und Matten- (Ragosch-) Gewebe, Pech und Teer, Sensen und kleine Holzwaren. Das Frachtfuhrgewerbe, einst blühend, ist zurückgegangen. Der Handel beschäftigt sich vorwiegend mit dem Vertrieb von Getreide nach den Gouvernements Moskau und Wladimir; die früher bedeutende Schiffahrt auf der Oka ist gänzlich gefallen, indem sich der Verkehr der Eisenbahn zugewendet hat. Dagegen blüht noch die Holzflößerei. Die Zahl aller Unterrichtsanstalten ist (1885) 728 mit 49,526 Schülern, nämlich 706 Volksschulen, 19 Mittelschulen und 3 Fachschulen (ein geistliches, ein Lehrerseminar und eine Handwerkerschule). R. wird in zwölf Kreise eingeteilt: Dankow, Jegorjewsk, Kassimow, Michailow, Pronsk, Ranenburg, R., Rjashsk, Saposhok, Saraisk, Skopin, Spassk.

Die gleichnamige Hauptstadt liegt am rechten, hohen Ufer des schiffbaren Trubesch, 2 km von dessen Mündung in die Oka, an der Bahnlinie Moskau-Koslow, hat 26 Kirchen (darunter eine protestantische), 3 Klöster, 2 Gymnasien, ein Seminar, eine öffentliche Bibliothek, ein Theater und (1885) 30,327 Einw. Die Gewerbthätigkeit leistet nur in Baumwollweberei, Talgsiederei und Lichtefabrikation, Bierbrauerei und Brennerei Nennenswertes; der Handel aber ist sehr lebhaft und befördert namentlich Getreide und Vieh nach Moskau; außerdem ist der Leinsaat-, Salz- und Holzhandel entwickelt. Kommerzielle Anstalten sind: die Filiale der Staatsbank, die Stadtbank und die Rjäsaner Handelsbank. R. ist Sitz eines Erzbischofs. Unfern der Stadt, an der Oka, liegt das Dorf Altrjäsan, lange Zeit Residenz des Fürsten von R.

Rjashsk, Kreisstadt im russ. Gouvernement Rjäsan, an der Chupta, Knotenpunkt der Eisenbahnstrecken Rjäsan-Koslow, R.-Wjasma und R.-Morschansk, hat (1885) 4563 Einw. R. wird 1571 zuerst erwähnt und war im 17. Jahrh. stark befestigt.

Rjeschiza, Kreisstadt im russ. Gouvernement Witebsk, am Flüßchen R. und der Eisenbahn St. Petersburg-Warschau, mit einer orthodoxen und einer protest. Kirche und (1885) 10,149 Einw. (darunter 3000 Juden). R. wurde 1285 von Wilh. v. Harburg als Schutzwehr gegen Letten und Litauer angelegt.