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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Rjetschiza; Rjukan; rm; Roanne; Roanoke; Roastbeef; Roatán; Robben

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Rjetschiza - Robben.

Rjetschiza, 1) Kreisstadt im russ. Gouvernement Minsk, am Dnjepr und an der Eisenbahn Schabinka-Homel, hat (1885) 6956 Einw. - 2) Dorf im russ. Gouvernement Moskau, Kreis Bronnizy, mit 1800 Einw. und bemerkenswerter Fabrikation von Fayencegeschirren.

Rjukan ("Raucher"), berühmter Wasserfall in der norweg. Landschaft Thelemarken, vom Fluß Maanelv gebildet, mit einer senkrechten Höhe von 245 m.

rm, Abkürzung für Raummeter (besonders im Holzhandel; vgl. Festmeter).

Roanne (spr. roánn), Arrondissementshauptstadt im franz. Departement Loire, an der hier schiffbar werdenden Loire, am Kanal von R. nach Digoin und der Eisenbahn von Revers nach Lyon (mit Abzweigung nach Paray le Monial), hat ein neues Stadthaus mit Museum und Bibliothek, 2 hübsche moderne Kirchen; ein altes Schloß mit Antiquitätensammlung, (1886) 29,354 Einw., vorzüglichen Weinbau (Renaison und St.-André), Baumwollspinnerei und -Weberei, Färberei und Gerberei, ein Handelsgericht und ein Collège. - R. ist das alte Rodumna, eine Stadt der Segusianer, und war im Mittelalter Hauptort des Herzogtums Roannez. 12 km nordwestlich von R. liegt der besuchte Badeort St.-Alban (Behandlung mit Kohlensäuregas, Kaltwasserheilanstalt).

Roanoke (spr. ro-änóck), Insel an der Küste des nordamerikan. Staats Nordcarolina, zwischen den Haffen Albemarle und Pamlicosund, wurde von Burnside 10. Febr. 1862 den Konföderierten entrissen.

Roanoke (spr. ro-änóck), Fluß in Nordamerika, entsteht bei Clarksville im Staat Virginia aus der Vereinigung des Staunton und des Dan, tritt dann in den Staat Nordcarolina über und fällt bei Plymouth in den Albemarlesund des Atlantischen Ozeans. Seine Stromlänge beträgt 260 km, einschließlich der des Staunton 490 km. Bei Weldon, 130 km oberhalb seiner Mündung, bis wohin sich Ebbe und Flut bemerkbar machen, wird die Schiffahrt durch Wasserfälle unterbrochen. Dieselben werden jedoch durch einen Kanal umgangen, und für Boote ist selbst der Staunton auf eine beträchtliche Strecke schiffbar.

Roastbeef (engl., spr. róhstbif), nach englischer Weise gebratene Rindslende.

Roatán (Ruatan), eine der Bai-Inseln (s. d.) im W. des Karibischen Meers, ist etwa 275 qkm (5 QM.) groß, stark bewaldet, an der Nordküste von Riffen umsäumt, aber mit mehreren guten Häfen an der Südküste, unter welchen Puerto Real (Port Royal) der beste ist. Die Einwohner (etwa 2000), meist Neger, betreiben Landbau, Schildkrötenfang und das Einsammeln von Kokosnüssen.

Robben (Flossensäugetiere, Pinnipedia, hierzu Tafel "Robben"), Ordnung der Säugetiere, im Wasser lebende, behaarte Tiere, welche nach Gebiß u. Lebensweise den Raubtieren am nächsten stehen und auch wohl als Wasserraubtiere direkt zu ihnen gerechnet werden, obwohl ihre äußere Gestalt und gesamte Körperform an die Wale erinnert. Der mit kurzem, dicht anliegendem, glattem Haar bedeckte Körper ist lang gestreckt, spindelförmig, der Kopf auffallend klein, kugelig, mit stumpfer Schnauze und aufgewulsteten Lippen, meist ohne äußere Ohrmuschel. Der Rumpf endet mit einem kurzen, flachen, konischen Schwanz ohne Flosse; die vier kurzen Extremitäten, von denen die hintern nach rückwärts stehen, sind Schwimmfüße, indem die fünf bekrallten Zehen durch eine derbe Haut zu einer breiten Ruderflosse verbunden sind. Das Gebiß mit seiner meist vollständigen Bezahnung weist auf eine räuberische Lebensweise hin; die Schneidezähne sind meist klein, die obern zahlreicher als die untern die äußern obern mitunter verlängert. Die Eckzähne selbst ragen verhältnismäßig weniger als bei den Raubtieren hervor, nur beim Walroß sind sie außerordentlich lang (Stoßzähne). Der Zahnwechsel findet bei manchen Arten schon vor der Geburt statt. Das Gehirn ist ziemlich hoch entwickelt. Das Auge besitzt ein drittes Lid (Nickhaut); Ohr und Nase sind gegen das Eindringen von Wasser verschließbar. Der Magen ist sehr einfach, kaum weiter als der Darm. An der untern Hohlvene ist, wie bei den Walen, eine Erweiterung angebracht. Es sind zwei oder vier am Bauche gelegene Zitzen vorhanden. Die R. finden sich in allen Meeren, besonders in den gemäßigten und Polarzonen, einzelne auch am Kaspi- und Baikalsee, und manche Arten steigen weit in die Flüsse hinauf. Sie leben gesellig, oft scharenweise vereinigt, schwimmen gut, sind aber auf dem Land unbehilflich und schleppen sich auf Klippen etc. nur, um zu schlafen oder ihren Körper zu sonnen, sowie behufs der Fortpflanzung. Das Weibchen wirft ein, selten zwei Junge. Die ältesten fossilen Reste gehören dem Miocän an und sind in den Vereinigten Staaten sowie in Frankreich gefunden worden. Man teilt die R. in drei Familien: 1. Familie: Ohrrobben (Otariidae), mit Ohrmuschel, weit hervorragenden Beinen und nackter Sohle, in den gemäßigten und kalten Teilen des Großen Ozeans. Hierher Otaria, Seebär, u. Seelöwe. 2. Familie: Seehunde (Phocidae), ohne Ohrmuschel, mit schwachen Beinen und behaarter Sohle, in allen gemäßigten und kalten Meeren sowie in den genannten Landseen. Hierher unter andern: Cystophora (Blasenrobbe, Rüsselrobbe), und Phoca (Seehund). 3. Familie: Walrosse (Trichechidae) mit weit hervorragenden Beinen, ohne Ohrmuschel, mit außerordentlich großen obern Eckzähnen. Nur die Art Trichechus rosmarus (Walroß) in den nördlichen Polarmeeren. Die R. bilden ihres Thrans und der Haut halber einen Gegenstand eifriger Nachstellung (Robbenschlag), und von wenigstens 20 Arten kommen Felle auf den Markt. Die meisten R. werden im hohen Norden gefunden, nur einige Arten in der Südsee. Dort ist oder war viel Robbenschlag bei den Falklandinseln, Neuseeland, Südaustralien, den Sandwichinseln etc.; manche ehemals reiche Plätze sind aber jetzt durch Ausrottung oder Verscheuchung verödet. Die größten und nachhaltigsten Ernten macht man auf Neufundland, Neuschottland und Labrador, wohin viele R. auf schwimmenden Eisfeldern getrieben werden. Die Jagd besteht wesentlich in einer Überraschung der sich sonnenden Tiere, die bei ihrer Unbehilflichkeit auf dem Land leicht zu bewältigen sind und durch einen Schlag auf die Nase getötet werden. Die vorsichtigern alten Tiere erlegt man mit Schießgewehren. Durch internationale Verträge ist für die R. zwischen 67 und 75° nördl. Br. und zwischen 5° östl. und 17° westl. L. v. Gr. eine Schonzeit vereinbart worden (die kaiserlich deutsche Verordnung verbietet den Robbenschlag vor dem 3. April jedes Jahrs). Die Robbenfelle sind 1-3 m lang und 0,6-1,9 m breit, sie werden an der Luft getrocknet oder häufiger eingesalzen. Viele verarbeitet man auf Leder, andre werden mit dem Haar gegerbt und zu Überzügen von Koffern, Tornistern etc. benutzt, und einige müssen zu den Pelzwaren gezählt werden. Man unterscheidet Haarseehunde (Hair Seals), mit straff anliegendem kürzern Oberhaar, und Pelz- oder Biberseehunde (Fur Seals) von Kamtschatka, Nordamerika, besonders aus der Südsee, die besten von Australien, den Lobos- und Falkland-^[folgende Seite]