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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Rodomónte; Rodosto; Rodriguez; Roebuck; Roélas; Roer; Röer

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Rodomonte - Röer.

gegen Havre, eroberte 1762 Martinique, wurde dafür zum Baronet und 1763 zum Gouverneur des Hospitals zu Greenwich ernannt. Im amerikanischen Krieg erfocht er 1780 einen glänzenden Sieg über die spanische Flotte unter Langara beim Kap St. Vincent und lieferte im Mai d. J. der französischen Flotte unter dem Grafen von Guiche auf der Höhe von Martinique drei unentschiedene Gefechte. Im Februar 1781 eroberte er die Inseln St.-Eustache, Martin und Saba, wobei gegen 200 Kauffahrtei- und mehrere Kriegsschiffe in die Hände der Engländer fielen, nahm darauf die holländischen Kolonien Essequibo, Demerara und Berbice sowie im März die Insel St.-Barthélemy. Seinen glänzendsten Sieg erfocht R. jedoch 12. April 1782 über die französische Flotte unter dem Grafen von Grasse auf der Höhe von San Domingo, für den ihn sein König zum Peer und Baron mit dem Titel Rodney von Rodney-Stoke ernannte. R. starb 21. Mai 1792. Vgl. "Life and correspondence of admiral R." (Lond. 1830).

Rodomónte, prahlerischer Held in Bojardos "Orlando innamorato"; daher Rodomontade, Prahlerei, Aufschneiderei.

Rodosto (türk. Tekirdagh, das alte Rhädestos oder Bisanthe), Stadt im türk. Wilajet Edirne, am Marmarameer, Sitz eines griechischen Erzbischofs und eines Mutessarifs, hat viele Moscheen, 7 christliche Kirchen, eine griechische Schule, eine vorzügliche Reede, Bäder, lebhaften Handel, Gemüse- und Weinbau und 18,600 Einw. (zur Hälfte Griechen). R. ist Sitz eines deutschen Konsulats.

Rodriguez (spr. -drīgeds, Diego-R., Diego-Ruys), eine der Maskareneninseln, östlich von Madagaskar, 275 qkm (5 QM.) groß mit 1500 Einw. und gutem Hafen, liefert Reis, Weizen, Mais, Rinder, Schildkröten, Austern etc. R. wurde 1645 von den Portugiesen entdeckt, gehörte dann längere Zeit den Franzosen und seit 1814 den Engländern, die es als Dependenz von Mauritius verwalten.

Rodriguez (spr. -drīgeds), J. Barbosa, Botaniker, geb. 22. Juni 1842 in Minas, widmete sich dem Kaufmannsstand, wandte sich aber früh naturwissenschaftlichen Studien zu und wurde dann Sekretär der Handelsschule und Zeichenlehrer in Minas, später Industrieller. Er lieferte seit 1868 eine "Iconographie des orchidées du Brézil" in 14 Bänden mit 1000 kolorierten Tafeln, erhielt 1871 von der kaiserlichen Regierung den Auftrag, das Thal des Amazonas zu erforschen und die "Genera Palmarum" von Martius zu ergänzen, und brachte drei Jahre mit der Erforschung der Flüsse Capim, Tapajos, Trombetas, Jamundá, Urubu und Jatapu zu, über welche er 1875 fünf Berichte veröffentlichte. Auf diesen Reisen sammelte er das Material zu seiner "Enumeratio Palmarum novarum" (62 neue Spezies, Rio de Janeiro 1875). Im J. 1876 durchwandert er Minas Geraës und sammelte hier Material zu seinem "Sertum Palmarum". Außerdem schrieb er: "Antiguidades do Amazonas" (1879), "O primeiro idolo asmonico", "Las Lendas e as crenças indigenas", "A dansa e o canto selvicola", "O Muizacitan". Über seine Verdienste um die Wissenschaft gab H. Giglioli die Schrift "Lo estudio dell' etnologia al Brazile" heraus.

Roebuck (spr. rohböck), John Arthur, brit. Politiker, geb. 1801 zu Madras in Ostindien, bildete sich seit 1824 in England zum Rechtsgelehrten aus, beteiligte sich an den politischen und sozialen Bewegungen der Zeit und wirkte in der Presse sowie in Volksversammlungen für die Parlamentsreform. 1832 wurde er von der Stadt Bath ins Parlament gewählt, schloß sich hier den äußersten Radikalen an und gründete mit Molesworth die "Westminster Review". 1836 von dem Parlament der Kolonie Niederkanada zum Agenten in England ernannt, widersetzte er sich 1837 im Haus der Gemeinen vergeblich dem Plan der Regierung, den Widerstand Kanadas gegen ihre Maßregeln durch Beschlüsse des britischen Parlaments zu brechen. Den Whigs und Tories gleich verhaßt, verlor er durch die Koalition derselben bei den Wahlen von 1837 seinen Sitz im Parlament, fand aber trotzdem im Januar 1838 bei der Beratung des Regierungsantrags auf Suspension der Verfassung von Niederkanada als Agent der Kanadier vor beiden Häusern des Parlaments Gehör und ward 1841 von Bath wieder ins Unterhaus gewählt. An Cobdens Freihandelsbestrebungen beteiligte er sich eifrig. Dessenungeachtet trat er der liberalen Regierung wiederholt entgegen, wie er auch in seiner "History of the Whig ministry of 1830" (Lond. 1852, 2 Bde.) die Whigverwaltung mit rücksichtsloser Strenge beurteilte und auch in den Verhandlungen des Parlaments über den orientalischen Krieg als entschiedener Gegner des Ministeriums auftrat. Auf seinen Antrag erfolgte im Januar 1855 die Niedersetzung einer parlamentarischen Untersuchungskommission über die Mißbräuche in der Armeeverwaltung, die Aberdeens Sturz und Palmerstons Erhebung zum Premierminister herbeiführte. 1859 und 1867 unterstützte er die von den Tories eingebrachten Reformbills und bekämpfte das letzte Mal sogar die liberalen Amendements zu Disraelis Vorschlägen. Während in dem italienischen Krieg die öffentliche Meinung von ganz England auf seiten Italiens stand, zeigte R. sich als einen Bewunderer Österreichs. Im amerikanischen Sezessionskrieg sprach er sich in Übereinstimmung mit der englischen Aristokratie für die Sache des Südens aus; auch in der irischen Debatte von 1868 ergriff er gegen die Liberalen Partei. Bei den Orientdebatten 1876-78 unterstützte er das Ministerium Beaconsfield aufs entschiedenste gegen die Angriffe der Liberalen und wurde dafür 14. Aug. 1878 zum Mitglied des Geheimen Rats ernannt. Er starb 30. Nov. 1879.

Roélas, Juan de las, span. Maler, geboren um 1560 zu Sevilla, bildete sich in Italien nach den Venezianern, wurde 1624 Kanonikus an der Kirche zu Olivares bei Sevilla und starb 23. April 1625 daselbst. Er hat nur Heiligenbilder gemalt, welche ein glühendes Kolorit mit lebendig-naturalistischer Darstellung verbinden. Seine Hauptwerke sind: ein Altar mit der heiligen Familie, der Geburt Christi und der Anbetung der Könige in der Universitätskirche, der Apostel Jacobus in der Schlacht bei Clavigo in der Kathedrale und der Tod des heil. Isidor in San Isidoro zu Sevilla.

Roer (spr. rūr, Ruhr), rechter Nebenfluß der Maas, entspringt im preuß. Regierungsbezirk Aachen am Botranche auf dem Hohen Venn, 579 m ü. M., fließt anfangs in nordöstlicher, dann in nordwestlicher Richtung durch Rheinpreußen, nimmt hier rechts die Urft, links die Inde und Wurm auf und mündet nach 208 km langem Lauf bei Roermonde in der niederländischen Provinz Limburg.

Röer, Hans Heinrich Eduard, Sanskritist, geb. 26. Okt. 1805 zu Braunschweig, widmete sich unter Herbart in Göttingen philosophischen Studien und las seit 1833 in Berlin mehrere Jahre über philosophische Disziplinen. Von der religiösen und philosophischen Entwickelung der Hindu angezogen, trat