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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Rohbilanz; Rohbruch; Rohfaser; Rohfett; Rohilkand; Rohitsch; Röhl; Rohlfs

886

Rohbilanz - Rohlfs.

Rohbilanz, s. Buchhaltung, S. 566.

Rohbruch, die Eigenschaft des Schmiedeeisens, infolge unvollständigen Frischens bei der Bearbeitung zu zerbrechen und auf dem Bruch Eisen- und Stahlgefüge zusammen zu zeigen.

Rohfaser, Rohfett, s. Futter, S. 806.

Rohilkand, Regierungsbezirk in den britisch-ind. Nordwestprovinzen, zwischen Himalaja und Ganges, 28,186 qkm (512 QM.) groß mit (1881) 5,122,557 Einw., wovon 3,921,989 Hindu, 1,192,263 Mohammedaner, produziert Weizen, Reis, Gerste, Mais, Zuckerrohr, Baumwolle, Opium, Ölsaaten, Indigo, Tabak. Der Bezirk wird von der Audh- und R.- und der Kumaon- und R.-Eisenbahn durchzogen. Seinen Namen erhielt er von den Rohilla-Patan (Afghanen), die sich 1720 hier ansiedelten.

Rohitsch (slowen. Rogatec), Marktflecken in Steiermark, Bezirkshauptmannschaft Pettau, nahe der kroatischen Grenze im Sottlathal, mit Bezirksgericht, Schloß, Glasfabrik und (1880) 765 Einw. Nordwestlich davon der Badeort R.-Sauerbrunn, mit salinisch-alkalischen Eisensäuerlingen von 9-11,5° C., einer Frequenz von 2100 Kurgästen und einem Versand von jährlich 700,000 Flaschen. Dabei der in geologischer und botanischer Beziehung sowie durch seine Aussicht berühmte Donatiberg (884 m). Vgl. Hoisel, Der landschaftliche Kurort R.-Sauerbrunn (3. Aufl., Wien 1885).

Röhl., bei botan. Namen Abkürzung für J. Chr. Röhling, geb. 1757 zu Guntershausen, gest. 1813 zu Messenheim in Hessen (Flora Deutschlands, Moose).

Rohlfs, 1) Gottfried Heinrich, medizin. Schriftsteller, geb. 17. Juni 1828 zu Vegesack, studierte in Göttingen, Würzburg, Berlin, München, Prag und Paris, machte als Arzt die schleswig-holsteinischen Feldzüge von 1848 bis 1850 mit und ließ sich dann als Arzt in Vegesack, später in Bremen nieder. Seit 1873 lebt er in Göttingen. Er schrieb unter anderm: "Umrisse zur Kritik der neuern deutschen Medizin" (Münch. 1851); "Quem fructum medicinae historiae studium medico afferat?" (Brem. 1857); "Die Radikalkur des Wasserbruchs und die Punktio-Exzisionsmethode" (das. 1862); "Medizinische Reisebriefe aus England und Holland" (Leipz. 1868); "Heilkunde für Schiffsoffiziere" (4. Aufl., Halle 1885); "Die orientalische Pest" (Wien 1879); "Geschichte der deutschen Medizin" (Stuttg. u. Leipz. 1875-85, 4 Bde.). 1878 bis 1885 gab er ein "Archiv für Geschichte der Medizin" heraus.

2) Gerhard, Afrikareisender, Bruder des vorigen, geb. 14. April 1832 zu Vegesack, besuchte das Gymnasium in Bremen, kämpfte 1849 in Schleswig-Holstein, wurde nach der Schlacht von Idstedt zum Offizier ernannt, studierte dann in Heidelberg, Würzburg und Göttingen Medizin, trat als Arzt 1855 in die Fremdenlegion und wohnte der Eroberung der Großen Kabylie bis 1861 bei. Hier erlernte er die arabische Sprache und machte sich orientalische Sitten und Gebräuche in solchem Grad zu eigen, daß er es wagen durfte, als Mohammedaner nach Marokko zu wandern. Dort erwarb er sich die Gunst des in Üsan residierenden Großscherifs Sidi el Hadsch Absalom und durchreiste mit dessen Empfehlungsbrief das Land. 1862 durchzog er die marokkanische Sahara von W. nach O. und erforschte das ganze Wadi Draa. Von seinen Führern räuberisch angefallen und verwundet, blieb er hilflos in der Wüste liegen und wurde nur zufällig von zwei Marabuts gefunden und verpflegt, so daß er die französische Grenze erreichen konnte. Trotzdem ging er 1864 wieder nach Marokko und gelangte, gestützt auf seine Empfehlungsbriefe aus Üsan, durch die räuberischen Stämme des Atlas bis zur Oase Tuat, von welcher er die erste Beschreibung und Karte lieferte. Über Ghadames kehrte er nach Tripolis und von da 1865 nach Deutschland zurück, doch nur, um sogleich wieder nach Afrika und zwar nach Mursuk zu gehen, wo er während eines Aufenthalts von fünf Monaten eine handschriftliche Geschichte Fezzans übersetzte und eine umfassende Beschreibung des Landes sowie der benachbarten Landschaft Tibesti lieferte. Im Frühjahr 1866 begab er sich dann über Bilma nach Bornu und lieferte von diesem Weg die erste vollständige Skizze. In Kuka fand er gute Aufnahme, doch mußte er dem Plan, nach Wadai vorzudringen, entsagen und sich erschließen, im Dezember nach der Westküste aufzubrechen. Über Jakoba und den Handelsort Keffi Abd es Senga gelangte er durch noch gänzlich unbekannte Gegenden zum Binuë und fuhr diesen Fluß bis zur englischen Niederlassung Lokodja an seiner Einmündung in den Niger hinab. Im April fuhr er dann den Niger aufwärts bis Rabba und erreichte nach Durchwanderung der Urwälder von Joruba Ende Mai die Küste bei Lagos, wo er sich auf einem englischen Postdampfer nach Liverpool einschiffte. 1868 begleitete er die englische Armee auf der abessinischen Expedition und erhielt sodann den Auftrag, die Geschenke des Königs von Preußen an den Sultan von Bornu abzusenden. Hiermit betraute er 1869 in Tripolis den Afrikareisenden Nachtigal (s. d.), während er selbst eine Reise nach Kyrenaika und der Oase des Jupiter Ammon unternahm. Nach seiner Rückkehr (1870) nahm er seinen ständigen Wohnsitz in Weimar. Einer Aufforderung des Chedive folgend, führte er 1873-74 eine aus zehn Deutschen (darunter Zittel, Jordan, Ascherson) bestehende Expedition in die Libysche Wüste und erreichte mit dieser nach 36tägigem Marsch durch ganz von Wasser entblößte Gegenden die Oase Siuah (Jupiter Ammon). Die wissenschaftlichen Ergebnisse dieser Forschungsreisen bearbeitet von den genannten Gelehrten, erschienen in einem großen Sammelwerk. 1875 ging er nach den Vereinigten Staaten von Nordamerika u. durchreiste den Kontinent von einem Ozean zum andern. Die geographischen Gesellschaften zu London u. Paris erteilten ihm ihre goldene Medaille. Eine von R. geführte Expedition nach Innerafrika mit Stecker als Naturforscher, zu welcher die deutsche Reichsregierung 30,000 Mk. beisteuerte, sollte dem Sultan von Wadai Geschenke des deutschen Kaisers überbringen und brach 18. Dez. 1878 von Tripolis auf, wurde aber in der Oase Kufra von Suya-Arabern überfallen, so daß die Reisenden sich nur durch eilige Flucht und mit großen materiellen Verlusten retten konnten. R. kehrte über Benghasi und Alexandria nach Europa zurück. Im September 1880 begab sich R. im Auftrag des deutschen Kaisers mit Stecker nach Abessinien, um einen Brief an den Negus zu überbringen. 1885 wurde R. zum Generalkonsul in Sansibar ernannt, kehrte aber von dort nach kurzem Aufenthalt wieder nach Europa zurück. Außer vielen Aufsätzen und Berichten in Fachzeitschriften hat R. veröffentlicht: "Reise durch Marokko" (Brem. 1868; 4. Ausg., Norden 1884); "Reise durch Nordafrika 1865-67" (Ergänzungshefte zu "Petermanns Mitteilungen" 1868 u. 1873); "Im Auftrag des Königs von Preußen mit dem englischen Expeditionskorps in Abessinien" (Brem. 1869); "Land und Volk in Afrika" (das. 1870); "Von Tripolis nach Alexandria" (das. 1871, 2 Bde.); "Mein erster Aufenthalt in Marokko" (das.