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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Röhrenzähner; Rohrgras; Rohrkarpfen; Rohrkolben; Rohrpalme; Rohrpost

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Röhrenzähner - Rohrpost.

Aquarien gehalten, wo sie mit ihrem vor der Mündung der Röhre entfalteten zarten Kiemenfächer einen anziehenden Anblick gewähren.

Röhrenzähner (Solenoglypha), Unterordnung der Schlangen, s. d.

Rohrgras, s. Calamagrostis.

Rohrkarpfen (Leuciscus Gthr.), Gattung aus der Ordnung der Edelfische und der Familie der Karpfen (Cyprinoidei), gedrungen gebaute Fische mit endständigem, schief nach aufwärts gestelltem Maul und einreihig stehenden Schlundzähnen. Die Plötze (Rotfeder, Rotauge, Furn, Schwall, Leuciscus rutilus L.), über 50 cm lang und 1,5 kg schwer, ändert je nach Aufenthalt und Nahrung Form und Färbung, meist auf dem Rücken blau- oder grünschwarz, an den Seiten heller, gegen den Bauch silberglänzend; mit roten Bauch- und Afterflossen, gräulichweißen Brustflossen und grauen, rötlich angeflogenen Rücken- und Schwanzflossen, findet sich in ganz Mitteleuropa und Nordasien in Seen, Teichen, Flüssen und schwachsalzigen Meeren, lebt gesellig, nährt sich von Würmern, Insekten, Fischrogen, kleinern Fischen und Wasserpflanzen, welche sie zum Teil am Boden im Schlamm sucht, und laicht im Mai oder Juni in Flüssen an grasigen Plätzen. Die Vermehrung ist sehr stark, das Fleisch wird wenig geschätzt, der oft massenhaft gefangene Fisch aber doch weit versandt, gedörrt, auch als Futter für Schweine und Edelfische benutzt. S. auch Aland.

Rohrkolben, s. v. w. Typha.

Rohrpalme, s. v. w. Calamus.

Rohrpost, Anlage zur Beförderung von Briefen, Karten und Telegrammen mittels Luftdrucks in unterirdischen Rohrsträngen. Im J. 1854 nahmen Cazalet und Clark ein Patent auf die Beförderung von Paketen durch Luftdruck: Ihre Einrichtung, von Rammel bedeutend verbessert, kam in London 1862 zur Ausführung. Die Pneumatic Despatch Company baute eine etwa 600 m lange Linie zur Beförderung von Paketen und Briefsäcken und benutzte unterirdische weite gußeiserne Röhren, auf deren unterer, fast ebener Fläche zwei Schienen lagen. Die auf letztern laufenden Wagen schlossen sich an die Röhrenwandungen an, und ein Zentrifugalventilator konnte die Luft im Rohr verdünnen oder verdichten. Diese Versuchslinie bewährte sich nicht, und 1874 wurde der Betrieb eingestellt. Die pneumatische Post, die gegenwärtig in London, Manchester und andern Städten Englands besteht, schließt sich den Einrichtungen an, die inzwischen in Berlin und Paris getroffen waren. In Berlin waren schon 1865 einige pneumatische Verbindungen hergestellt, durch welche Telegramme zwischen dem Haupttelegraphenamt, der Börse und einigen andern Stadttelegraphenstationen befördert wurden. In Paris wurde 1867 ein pneumatisches Röhrennetz zu gleichem Zweck angelegt. Die erste für den öffentlichen Verkehr dienende und zur Beförderung von Briefen und Postkarten bestimmte R. wurde 1876 in Berlin mit 15 Stationen und einer Gesamtröhrenlänge von 26 km eröffnet. Bei der Berliner Rohrpostanlage bestehen die Röhren aus gezogenem Schmiedeeisen mit einem Durchmesser von 65 mm im Lichten. Sie besitzen einen genau kreisrunden Querschnitt und im Innern vollkommen glatte Oberfläche. Zur Verbindung der einzelnen Röhren dienen Flantschen, welche an beiden Rohrenden aufgeschraubt und verlötet sind; je zwei solcher Flantschen werden an den Stoßenden durch Schraubenbolzen zusammengepreßt und mittels eines dazwischenliegenden Kautschukringes gedichtet. Im allgemeinen liegen die Röhren in einer Tiefe von 1,25 m unter den Trottoirs. Von den einzelnen Rohrpostämtern ausgehend, sind die Stränge bis auf ca. 50 m Entfernung mit einigem Gefälle verlegt; an den tiefsten Punkten befinden sich gußeiserne Behälter zur Ansammlung des Kondensationswassers. Mit jedem Rohrstrang ist ein Telegraphenkabel zur elektrischen Verbindung der Rohrpostämter untereinander eingelegt. Die Briefe, Karten oder Telegramme werden zum Transport in cylindrische Kapseln aus getriebenem Stahlblech von nahezu dem lichten Rohrdurchmesser gelegt und diese zu 10-20 in einem Zug vereinigt. Als letzte Kapsel wird ein Dichtungskolben mit Ledermanschette verwendet. Nachdem dieses ganze System in die Rohrleitung eingefügt ist, wird durch Öffnen eines Hahns der Druck der komprimierten Luft auf die Sendung wirksam gemacht, während gleichzeitig auf der Empfangsstation das Ausströmen der in der Rohrleitung enthaltenen Luft durch Öffnen eines andern Hahns gestattet wird. In besondern Fällen bedient man sich des Aussaugens der Luft von der Empfangsstation aus, wobei dann an der Abgangsstation der Luftzutritt gestattet werden muß. Die Geschwindigkeit der Bewegung beträgt ca. 1000 m in der Minute. Auf den Maschinenstationen wird die zum Betrieb erforderliche verdichtete und ver-^[folgende Seite]

^[Abb.: Rohrpostapparat.]