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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Röhrenfahrt; Röhrenherzen; Röhrenquallen; Röhrenschnecken; Röhrenschwamm; Röhrenwal; Röhrenwürmer

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Röhrenfahrt - Röhrenwürmer.

innen und außen glasiert. Steinröhren werden aus Sand- und Kalksteinen von genügend dichtem Gefüge durch Bohren hergestellt. Glasröhren hat man bis zu 10 cm Weite hergestellt, doch sind sie zu brüchig und zu teuer für eine allgemeine Verwendung. Holzröhren werden meist aus den jüngern Stämmen der Fichten und zwar durch Handbohrung hergestellt. Biegsame R. oder Schläuche werden aus Gummi, Guttapercha, Leder und wasserdicht gemachten Hanfgeweben hergestellt, wenn die Rohrleitung nicht nur biegsam, sondern auch transportabel sein soll. Um gußeiserne R. zu verbinden, gießt man entweder an den Röhrenenden auf dem Achsenmittel senkrecht stehende kreisrunde Scheiben (Flantschen) an und verbindet je zwei zusammenstoßende Flantschen mit Schrauben (Fig. 3), oder gießt das eine Rohrende auf ein kurzes Stück so weit, daß das nächste Rohr eingeschoben und gedichtet werden kann (Muffenverbindung, Fig. 4). Soll die Verbindung jederzeit leicht gelöst werden können, so macht man die R. vollkommen cylindrisch und schiebt über die Stoßflächen sogen. Überschub- oder Doppelmuffen. Fig. 5 zeigt eine solche Verbindung, wobei in Talg und Teer getränkte Hanfseile als Dichtungsmaterial dienen. Dabei bedeuten: a und b die R., c die Muffe, d Hanfseile, welche durch die Knoten e und f an die R. befestigt und durch Drehung der Muffe so lange um die R. gewunden werden, bis der Hohlraum der Muffe ausgefüllt ist. Die allgemein verwendeten Dichtungsmaterialien sind für Flantschenverbindungen: Ringscheiben aus Blei, Gummi, Filz, Leder, Pappdeckel und für Muffenverbindungen: Blei-, Mennige- und Bleiweißkitt, geteerte Hanfseile, Asphalt, Gummiringe, Schwefel etc. Führt die Leitung heiße Luft, so macht man die Dichtung mit Kupferdraht, namentlich mit Kupferringen von ^[img]- oder ^[img]-^[dreieckigem oder H-förmigen] Querschnitt, die sich dicht an die Verbindungsflantschen anlegen, oder Eisenkitt, und damit die R. bei Temperaturwechseln sich verschieben können, ohne undicht zu werden, schaltet man sogen. Kompensatoren ein. Bei Schmiedeeisenröhren schneidet man an die zusammenstoßenden Röhrenenden behufs der Verbindung Gewinde, bestreicht sie mit Mennige und schraubt eine Muffe darüber. Bei Bleiröhren treibt man das Rohrende trichterförmig auf, schiebt das andre Rohr einige Zentimeter weit ein und lötet die Teile zusammen oder börtelt die zusammenstoßenden Enden auf und schiebt oder lötet durch Schrauben zu verbindende Flantschen darüber. Bei Kupferröhren macht man Flantschenverbindungen wie bei Bleiröhren oder schraubt ein Rohrende in das andre oder stößt die Enden stumpf zusammen und schiebt eine gemeinschaftliche Muffe darüber. Das Gleiche gilt von Messingröhren. Thonröhren werden ausschließlich durch gewöhnliche Muffenverbindung, Asphaltröhren mit Überschubmuffen und Zementröhren durch Zementmörtel verbunden. Um zwei Holzröhren zu verbinden, treibt man zwischen die Stoßflächen einen eisernen Ring ein. Soll eine Holzröhre mit einer Metallröhre verbunden werden, so gibt man der letztern entweder Flantschen, die man mit dem Holz durch Holzschrauben oder Hakenschrauben verbindet, oder erweitert die Holzröhre am Ende zu einer Muffe und dichtet die Metallröhre ein.

^[Abb.: Fig. 3. Flantschenverbindung. Fig. 4. Muffenverbindung. Fig. 5. Doppelmuffenverbindung.]

Röhrenfahrt, eine Reihe aneinander gefügter Röhren zur Auskleidung der Erdbohrlöcher; beim süddeutschen Salzbergbau die Röhrenleitung zur Einführung von Wasser in die Sinkwerke oder zur Abführung der gesättigten Sole.

Röhrenherzen, s. Leptokardier.

Röhrenquallen, s. v. w. Siphonophoren, s. Hydromedusen, S. 839.

Röhrenschnecken, s. Schnecken.

Röhrenschwamm, s. Boletus.

Röhrenwal, s. v. w. Finnfisch; Röhrenwale (Balaenopterida), Familie der Wale (s. d.).

Röhrenwürmer (Tubicolae), Gruppe der Anneliden oder Ringelwürmer, leben in Röhren, welche entweder in ihrer ganzen Masse von dem Tier selbst herrühren und dann schleimig, pergamentartig oder verkalkt sein können, oder aus Schlamm, Sandkörnchen, Stücken von Muschelschalen etc. bestehen, die von dem Tier mittels einer schleimigen Absonderung verkittet worden sind. Bei den ausgesprochensten Formen der R. sind die Gehäuse oft ungemein dick und hart, an ihrer Unterlage (Steinen, Korallen etc.) befestigt und bei gewissen Arten mit einem Deckel verschließbar. Manche R. vermögen sich mitsamt ihren Gehäusen kriechend zu bewegen oder wohl dieselben eine Zeitlang ganz zu verlassen, so daß eine scharfe Grenze zwischen den Röhrenwürmern und den schwimmenden Anneliden (s. d.) nicht zu ziehen ist. Die Jugendformen der R. schwämmen übrigens alle noch frei umher und beginnen erst später das Leben auf dem Meeresboden. Über ihren innern Bau s. Anneliden. Man teilt die R. in zahlreiche Familien. Zu den Opheliadae gehört die Gattung Polyophthalmus Quatr. mit zahlreichen, an den Seiten des ganzen Körpers angebrachten Augen. Unter den Arenicolidae ist Arenicola Lam. bemerkenswert (s. Fischersandwurm). Die Hermellidae bauen Röhren aus Sand; zu ihnen gehört Hermella Sav. (s. Tafel "Würmer"). Am bekanntesten sind viele Vertreter der großen Familie der Serpulidae, die wiederum in die Sabellinae mit lederartigen und Serpulinae mit kalkigen Röhren zerfallen. Bei den Gattungen Serpula L., Vermilla Phil. (s. Tafel "Würmer") u. a. sind ein oder zwei Kiemenfäden in einen von einem Faden getragenen keulenförmigen Deckel umgewandelt, der beim Zurückschlüpfen des Tiers in die Röhre letztere schließt. Die sehr zahlreichen Arten finden sich über alle Meere zerstreut und werden auch in