Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Roscius; Roscoe; Roscoff; Roscommon; Roscrea; Rosdzin; Rose

961

Roscius - Rose.

Roscius, 1) berühmter röm. Schauspieler, als Sklave geboren um 134 v. Chr. in dem Dorf Solonium bei Lanuvium, kaufte sich später los und nahm den Namen Quintus Roscius Gallus an. Ausgezeichnet durch die Anmut und das Durchdachte seines Spiels, ward er der hochgefeierte Liebling des römischen Publikums, groß als Lehrer, gerühmt von den besten seiner Zeitgenossen, namentlich Cicero, und von Sulla durch Erhebung in den Ritterstand ausgezeichnet. Auch war er der erste der Histrionen der Tragödie und Komödie, dem das Tragen einer Maske gestattet wurde. Er starb um 61.

2) Sextus, Römer aus Ameria in Umbrien (daher Amerinus), ward unter Sulla 80 v. Chr. um seiner reichen Güter willen ermordet. Um den Verdacht von sich abzulenken, beschuldigten die Mörder den Sohn des Vatermords; doch bewirkte Cicero durch eine noch vorhandene Rede dessen Freisprechung.

Roscoe (spr. róssko), 1) William, engl. Geschichtschreiber, geb. 8. März 1753 zu Liverpool, machte sich als Clerk eines Anwalts mit der vaterländischen Litteratur bekannt und verfaßte schon in seinem 16. Jahr ein didaktisches Gedicht: "Mount-Pleasant". Später ward er selbst Sachwalter, widmete sich aber daneben den schönen Wissenschaften und trug viel zur Gründung der Royal Institution of Liverpool bei. Auch kämpfte er mit großem Eifer für die Abschaffung des Sklavenhandels, besonders in dem Gedicht "The wrongs in Africa" (1788). Die französische Revolution fand in ihm anfangs einen warmen Freund; von den Balladen, in denen er sie verherrlichte, ist die "Millions, be free!" betitelte die bekannteste. Vorübergehend auch Parlamentsmitglied, wandte er sich in seinen spätern Jahren besonders geschichtlichen Studien zu; seine historischen Hauptwerke sind: "Life of Lorenzo de' Medici" (Lond. 1797 u. öfter, zuletzt 1883; deutsch, 3. Aufl., Leipz. 1874), wozu die "Illustrations historical and critical" (Lond. 1822) gehören, und "The life and pontificate of Leo X." (Liverp. 1805, neue Ausg. 1875; deutsch, Leipz. 1806-1808, 3 Bde.). Nachdem er seine Advokatur aufgegeben, beteiligte er sich an einem Bankhaus, dessen 1816 ohne sein Verschulden erfolgtes Falliment ihm zur Befriedigung seiner Gläubiger die größten Opfer auferlegte. Er starb 30. Juni 1831. Vgl. "Life of Will. R." (Lond. 1833, 2 Bde.).

2) Henry Enfield, Chemiker, geb. 7. Jan. 1833 zu London, studierte daselbst und in Heidelberg, erhielt 1858 die Professur der Chemie an Owen's College in Manchester und wurde 1863 Fellow der Royal Society. Er begann in Heidelberg unter Bunsens Leitung die photochemischen Arbeiten, welche zuerst exakte Bestimmungen über die chemischen Wirkungen des Lichts brachten und die Grundlagen der neuern Vervollkommnungen unsers Wissens in diesem Teil der physikalischen Chemie abgaben. In der Folge beschäftigte er sich mit spektralanalytischen Arbeiten und gab Untersuchungen über die Verbindungen des Vanads und des Wolframs. Seine "Lessons in elementary chemistry" wurden in mehrere Sprachen, auch ins Deutsche ("Kurzes Lehrbuch der Chemie", 8. Aufl., Braunschw. 1886), übersetzt. Sein in Gemeinschaft mit Schorlemmer verfaßter "Treatise on chemistry" erschien deutsch als "Ausführliches Lehrbuch der Chemie" (Braunschw. 1877-85, Bd. 1-4). Außerdem veröffentlichte er: "Lectures on spectrum analysis" (4. Aufl., Lond. 1885; deutsch von Schorlemmer, 2. Aufl., Braunschweig 1873). Mit Huxley und Balfour Stewart gab er "Macmillan's science primer series" heraus und schrieb für dies Unternehmen selbst den chemischen Teil (deutsch von Rose, 4. Aufl., Straßb. 1886).

Roscoff, Hafenstadt im franz. Departement Finistère, Arrondissement Morlaix, am Kanal (La Manche) und der Flügelbahn Morlaix-R., hat lebhaften Handel mit gesalzenen Fischen, Cider, Gemüsen, Konserven etc., Seebäder und (1881) 1444 Einw. Der Gemüsebau namentlich nimmt beständig zu und versorgt Paris, London und Rotterdam. Neuerdings ist hier wie in Concarneau eine Station zum Studium des Tierlebens im Meer errichtet.

Roscommon, Grafschaft in der irischen Provinz Connaught, 2459 qkm (44,7 QM.) groß, ist zum großen Teil wellenförmig (Slieve Bawn 264 m), enthält große Strecken von Torf- und Moorboden, aber auch fruchtbares Land, wie die "Ebene von Boyle", welche für einen der gesegnetsten Weidebezirke Irlands gilt. Hauptfluß ist der schiffbare und fischreiche Shannon, welcher sich hier zu mehreren großen Seen (Allen, Corry, Boderg und Ree) erweitert und oft durch seine Überschwemmungen verderblich wird. Sein Nebenfluß Suck bildet die Südwestgrenze. Die Bevölkerung ist fortwährend sehr im Abnehmen; sie belief sich 1841 auf 253,000, 1881 nur auf 132,490 Seelen (wovon 97 Proz. katholisch). Ackerbau und Viehzucht bilden fast die einzigen Erwerbszweige. 1886 waren 19 Proz. des Areals unter dem Pflug, 61 Proz. bestanden aus Weideland, 12 Proz. aus Wald. Der Viehstand betrug: 10,845 Pferde, 9263 Maultiere und Esel, 108,623 Rinder, 150,855 Schafe, 34,880 Schweine und 10,739 Ziegen. Ausgeführt werden: Flachs, rohe Wolle, Hornvieh, Schweine und Pökelfleisch. Die gleichnamige Hauptstadt, auf der Wasserscheide zwischen dem Suck und Shannon gelegen, wurde um eine 1257 gegründete Dominikanerabtei angelegt, hat eine Schloßruine, Fabrikation irdener Waren, wichtige Kornmärkte u. (1881) 2117 Einw.

Roscrea (spr. -kreh), alte Stadt in der irischen Grafschaft Tipperary, mit Schloßruine, Rundturm und (1881) 2801 Einw.

Rosdzin, Dorf im preuß. Regierungsbezirk Oppeln, Kreis Kattowitz, am Zalenzer Wasser, hat eine kath. Kirche, Schwefelsäurefabrikation, bedeutenden Bergbau auf Steinkohlen und (1885) 4782 meist kath. Einw.

Rose (Rosa Tourn.), Gattung aus der Familie der Rosaceen, meist stachlige, aufrechte oder rebenartige oder kletternde Sträucher mit zerstreut stehenden, unpaarig gefiederten, sehr selten einfachen Blättern, gesägten Blättchen, dem Blattstiel angewachsenen Nebenblättern, einzeln oder in wenigblütigen Trugdolden stehenden Blüten und kleinen, harten, seidenhaarigen Früchten, die mit der bei der Reife fleischigen und saftigen Kelchröhre eine Scheinfrucht (Hagebutte) bilden. Die zahlreichen Rosenarten (nach Lindley 78, außerdem 24 zweifelhafte Arten, nach Wallroth 24 Arten in 135 Unterarten, nach Steudel 217 Arten) finden sich mit nur drei Ausnahmen auf der nördlichen Halbkugel zwischen 20 und 70°; die Hunds- und Zimtrosen gehen in Finnmarken über den 70.° nördl. Br. hinaus, und in Abessinien wächst eine R. unterm 9.° nördl. Br. Asien hat 39, Europa 25, Amerika 14, Afrika nur 4 Arten. Die Systematik der Rosen ist sehr schwierig, weil die Arten nach Standort, Boden und andern Verhältnissen ungemein variieren und auch häufig Bastarde bilden. Man kann acht Gruppen unterscheiden:

1) Bibernellrosen (Pimpinellifoliae), meist niedrig, selten etwas kletternd, mit geraden, ungleich langen Stacheln, bisweilen stachellos, an den jungen Trieben borstig, Blüten einzeln, selten gepaart, Blättchen