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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Ros mellis; Rosmīni-Serbāti; Rosny; Rosocyanin; Rosoglio; Rosolīne; Rosōlsäure

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Ros mellis - Rosolsäure

officinalis L. (gemeiner Rosmarin, Anthoskraut), ein 0,6-2 m hoher, sparrig-ästiger Strauch mit gegenständigen, zwei- bis dreijährigen, linienförmigen, fast sitzenden, lederartigen, am Rand stark zurückgerollten, oberseits grünen, runzeligen, kahlen, unterseits weiß- oder graufilzigen Blättern und blaßblauen Blüten mit weißer Längsbinde in achselständigen Blütentrauben, wächst auf trocknen, felsigen Anhöhen in Südeuropa, Nordafrika und dem Orient und wird vielfach kultiviert. Sehr reich an Rosmarin sind Lesina und andre Inseln Dalmatiens, Italien, Südfrankreich und Südspanien. Man benutzt das offizinelle Kraut in Italien und Frankreich als Küchengewürz, auch als Abortivmittel, bereitet daraus medizinische Präparate, unter andern das Aqua reginae Hungariae, welches von der Königin Elisabeth von Ungarn, Mutter Ludwigs d. Gr., zuerst angewandt wurde; namentlich aber gewinnt man aus den Blättern durch Destillation ein ätherisches Öl (1 Proz.), welches farblos oder gelblich, dünnflüssig ist, durchdringend riecht, bei mehr als 166° siedet und neben einem Kohlenwasserstoff auch einen sauerstoffhaltigen Körper enthält. Man benutzt das Öl und daraus bereitete Präparate zu Einreibungen, reizenden Verbänden etc., zu Firnissen und Pomaden, zur Vertilgung schädlicher Insekten und besonders zur Denaturierung des Olivenöls. Rosmarin war schon bei den Alten geschätzt. Die Griechen nannten ihn Libanotis, zählten ihn zu ihren Kranzpflanzen und benutzten ihn bei feierlichen Gebräuchen; auch bei den Römern war er als Ros maris hochgeschätzt, und der Gebrauch desselben pflanzte sich später ins Abendland fort. Noch jetzt tragen Landleute bei Leichenbegängnissen Rosmarinzweige als Schmuck, wie man anderseits auch die Braut mit Rosmarin schmückt. Karl d. Gr. beförderte den Anbau des Krauts, und Arnoldus Villanovacus stellte bereits das ätherische Öl daraus dar. Wilder Rosmarin, s. v. w. Sumpfporst (Ledum palustre). Vgl. Unger, Der Rosmarin und seine Verwendung in Dalmatien (Wien 1868).

Ros mellis, s. Honigtau.

Rosmīni-Serbāti, Antonio, ital. Philosoph, geb. 25. März 1797 zu Roveredo in Tirol aus vornehmer Familie, am Lyceum zu Trient und an der (damals österreichischen) Universität zu Padua gebildet, wählte 1821 mit dem Vorsatz, eine Philosophie zu begründen, welche im stande wäre, der Theologie eine solide Unterlage zu bieten, den geistlichen Stand, trat durch die Stiftung einer religiösen Genossenschaft, die der Brüder und Schwestern der Liebe, 1828 als kirchlicher Reformator auf, schloß sich seit 1830 an Piemont und seit 1848 an Papst Pius IX. an, wurde unter dem päpstlichen Reformministerium Rossi päpstlicher Unterrichtsminister, zog sich aber beim Ausbruch der römischen Revolution von der Öffentlichkeit zurück und starb 1. Juli 1855 in Stresa. Als Philosoph hat R. von Cartesius und Bonald, als Rechtsphilosoph insbesondere von K. L. v. Haller Anregungen empfangen. Um dem Zweifel und Unglauben entgegenzuarbeiten, suchte er dem Glauben eine vernünftige Begründung zu geben. Zu dem Zweck wollte er dem durch Gioja und Romagnosi in Italien eingeführten und verbreiteten Sensualismus und Empirismus einen im wesentlichen an Descartes sich anlehnenden Idealismus entgegenstellen, welcher mit der Lehre der Kirche im Einklang stehen sollte. Diese Unterwürfigkeit gegen die Kirche sowie seine Hingebung an die Person des Papstes, dem er ins Exil nach Gaeta gefolgt war, vermochten aber nicht zu hindern, daß seine Schrift "Über die fünf Wunden der Kirche" auf Betreiben der Jesuiten auf den Index gesetzt ward. Von seinen zahlreichen Werken (gesammelt Mail. 1842-44, 17 Bde.; "Opere postume", Turin 1859-74, 5 Bde.) sind die wichtigsten: der "Nuovo saggio sull' origine delle idee" (Mail. 1835, 3 Bde.; 6. Aufl. 1876), wozu 1836 als 4. Band seine Streitschrift gegen Mamiani ("Il rinnovamento della filosofia in Italia proposto dal C. F. Mamiani della Rovere") erschien, und die "Filosofia del diritto" (das. 1844). Sein "Philosophisches System" erschien in deutscher Übersetzung (Regensb. 1879). Vgl. Tommaseo, Antonio R. (Turin 1855); Franc. Paoli, Della vita di A. R. (Tur. u. Roveredo 1880-84, 2 Bde.); Lockhart, Life of A. R. (2. Aufl., Lond. 1886, 2 Bde.; ital. Übersetzung mit Zusätzen von Sernagiotto, Vened. 1888). Der Philosophie Rosminis dienen gegenwärtig mehrere Zeitschriften. Vgl. Werner, R. und seine Schule (Wien 1884); Kraus in der "Deutschen Rundschau" 1888.

Rosny (spr. rohni), Dorf im franz. Departement Seine-et-Oise, Arrondissement Mantes, an der Seine und der Bahnlinie Paris-Rouen, mit einem schönen Schloß (Geburtsstätte Sullys) und 675 Einw. - 2) Dorf im franz. Departement Seine, Arrondissement Sceaux, 10 km östlich von Paris, an der Ostbahn am Fuß des Mont Avron gelegen, mit einem zur Befestigung von Paris gehörigen Fort und 1924 Einw.

Rosny (spr. rohni), Léon de, franz. Orientalist und Ethnolog, geb. 5. Aug. 1837 zu Loß (Nord), studierte in Paris Geschichte und Sprachen des Orients, erhielt 1863 die Professur des Japanischen an der kaiserlichen Bibliothek daselbst und ist seit 1868 Professor des Japanischen an der Spezialschule für orientalische Sprachen. Er schrieb: "Introduction à l'étude de la langue japonaise" (1857); "Aperçu général des langues sémitiques et de leur histoire" (1858); "Dictionnaire japonais-français-anglais" (1858-70, unvollendet); "Manuel de la lecture japonaise" (1859); "Les écritures figuratives et hiéroglyphiques des différents peuples" (2. Aufl. 1870); "Recueil de textes japonais" (1863); "Dictionnaire des signes idéographiques de la Chine" (1864-66); "Études asiatiques de geographie et d'histoire" (1864); "Aperçu de la langue coréenne" (1867); "Vocabulaire chinois-coréen-aino" (1867); "Variétés orientales" (3. Aufl. 1872); "Cours de Japonais" (1869); "L'interprétation des anciens textes Mayas" (1875); "Guide de la conversation japonaise" (3. Aufl. 1883); "Les peuples de l'Indo-Chine" (1874); "Les peuples orientaux, connus des anciens Chinois" (1882, preisgekrönt); "Les populations danubiennes" (1882-85, mit Atlas); "Le pays des dix milles lacs", Reisebilder aus Finnland (1886), und mehrere Bände in der von ihm herausgegebenen "Bibliothèque ethnographie" (über Siam, Rumänien, Korea etc.). Auch veröffentlichte er verschiedene japanische und chinesische Werke in französischer Übersetzung und redigiert das "Bulletin" der 1858 von ihm gegründeten Gesellschaft für amerikanische und asiatische Ethnographie.

Rosocyanin, s. Kurkumagelb.

Rosoglio (spr. -solljo, Rossoli), verschiedene feine, aus Italien kommende, aus Blüten oder Früchten, namentlich Orangeblüten, bereitete Liköre; auch s. v. w. Maraschino.

Rosolīne, s. Citrus, S. 148.

Rosōlsäure C20H16O3 ^[C_{20}H_{16}O_{3}], Bestandteil des Steinkohlenteers, welcher 1834 von Runge entdeckt wurde, entsteht durch Erhitzen eines Gemenges von Phenol und