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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Roßmann; Roßmäßler; Rosso antīco; Rossŏli; Roßpappel; Roßschwefel; Roßschweif; Roßtrappe; Roßtrappen

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Roßmann - Roßtrappen.

Roßmann, Wilhelm, Kunsthistoriker, geb. 29. Mai 1832 zu Seesen (Braunschweig), studierte Theologie und besonders Geschichte, habilitierte sich 1856 bei der philosophischen Fakultät in Jena und schrieb: "Betrachtungen über das Zeitalter der Reformation" (Jena 1858) und "Die makkabäische Erhebung" (Leipz. 1860). 1860 wurde R. Erzieher des Prinzen (jetzigen Erbprinzen) Bernhard von Sachsen-Meiningen, in welcher Stellung er bis 1869 verblieb. Während dieser Zeit wandte er sich vorzugsweise kunstgeschichtlichen Studien zu und bearbeitete für die Meininger Hofbühne: "Orest, Tragödie des Äschylos" (Stuttg. 1867). Den Winter 1868/69 verlebte er mit seinem Zögling in Neapel, auf Sizilien und in Rom und veröffentlichte nach der Rückkehr: "Vom Gestade der Kyklopen und Sirenen" (Leipz. 1869, 2. Aufl. 1880) und "Eine protestantische Osterandacht in St. Peter zu Rom" (Oldenb. 1871, 2. Aufl. 1872). 1872 wurde er Professor der Kunstgeschichte an der Kunstschule zu Weimar und schrieb hier bei Gelegenheit der 400jährigen Geburtsfeier Cranachs (1872) das dramatische Charakterbild "Meister Lukas" (2. Aufl., Oldenb. 1883). Im Winter 1872/73 begleitete er den Erbprinzen von Meiningen auf einer großen Reise in den Orient, deren Frucht die "Gastfahrten" (Leipz. 1880) waren. Ostern 1873 wurde R. als Professor der Kunstgeschichte an die Akademie zu Düsseldorf berufen, vertauschte aber noch in demselben Jahr diese Stellung mit derjenigen eines vortragenden Rats in der Generaldirektion der königlichen Sammlungen für Kunst und Wissenschaft zu Dresden. Er entwarf die Pläne für die künstlerische Ausschmückung des Hoftheaters und der Albrechtsburg zu Meißen und übernahm die Oberleitung der letztern (vgl. seine Schrift "Die künstlerische Ausschmückung der Albrechtsburg zu Meißen", Dresd. 1878). 1881 begann er die Herausgabe einer Sammlung von Kupferstichen nach modernen Gemälden der Dresdener Galerie, die erst nach seinem Tod abgeschlossen wurde. Er starb 6. Febr. 1885.

Roßmäßler, Emil Adolf, Naturforscher, geb. 3. März 1806 zu Leipzig, studierte seit 1825 daselbst Theologie, wandte jedoch seine meiste Zeit naturwissenschaftlichen Studien zu und ward 1827 Lehrer in Weida, 1830 Professor der Naturgeschichte an der Akademie für Forst- und Landwirte in Tharandt. 1848 in das deutsche Parlament gewählt, hielt er sich hier zur Linken und nahm auch am Rumpfparlament zu Stuttgart teil. Wegen letztern Schrittes ward er 1850 von seinem Amt entfernt und lebte seitdem zu Leipzig, wo er 8. April 1867 starb. Sein Hauptwerk, durch welches er die Kenntnis der Mollusken wesentlich förderte, ist die "Ikonographie der europäischen Land- und Süßwassermollusken" (Leipz. u. Dresd. 1835-62, 3 Bde.; fortgesetzt von Kobelt, Wiesb. 1877 ff.). Das größte Verdienst aber erwarb er sich als Volksschriftsteller. Er sah in der Bekanntschaft mit der Natur eins der vorzüglichsten Bildungsmittel und war unablässig bemüht, "die Natur als unserer aller Heimat" darzustellen. Mit Nachdruck forderte er von der Fortschrittspartei Forderung der Volksbildung und war selbst mit größtem Erfolg in Arbeiterkreisen thätig. Auf religiösem Gebiet forderte er ehrliches Bekennen der Überzeugung und wirkte in diesem Sinn als Leiter der deutschkatholischen Gemeinde in Leipzig. Von seinen Schriften sind hervorzuheben: "Der Mensch im Spiegel der Natur" (Leipz. 1850-55, 5 Bde.; neue Ausg. 1868); "Populäre Vorlesungen aus dem Gebiet der Natur" (das. 1852, 2 Bde.); "Die vier Jahreszeiten" (Gotha 1855; 6. Aufl., Stuttg. 1888); "Flora im Winterkleid" (2. Aufl., Leipz. 1856; neubearbeitet von Lutz, Stuttg. 1887); "Das Süßwasser-Aquarium" (Leipz. 1857; 3. Aufl. von Brehm, 1875); "Die Geschichte der Erbe" (Berl. 1856; 4. Aufl. von Engel, Stuttg. 1888); "Das Wasser" (Leipz. 1858, 3. Aufl. 1875); "Der naturgeschichtliche Unterricht" (das. 1860); "Der Wald" (das. 1863; 3. Aufl. von Willkomm, 1881); mit A. E. Brehm: "Die Tiere des Waldes" (das. 1863-67, 2 Bde.); "Für freie Stunden" (Bresl. 1868). 1853 unternahm R. eine naturwissenschaftliche Reise durch das südöstliche Spanien, über die er in den "Reiseerinnerungen aus Spanien" (Leipz. 1854, 2 Bde.; 2. Aufl. 1857) berichten. Er gab 1859-66 ein naturwissenschaftliches Volksblatt, "Aus der Heimat", heraus und gab in diesem die erfolgreiche Anregung zur Gründung der Humboldt-Vereine. Seine Selbstbiographie "Mein Leben und Streben im Verkehr mit der Natur" gab Ruß heraus (Hannov. 1874).

Rosso antīco (ital.), s. Marmor, S. 272.

Rossŏli, s. v. w. Rosoglio.

Roßpappel, s. Malva und Petasites.

Roßschwefel (grauer Schwefel), die erdigen Rückstände von der Sublimation des Schwefels.

Roßschweif (türk. Tugh), in der Türkei ehemals Zeichen der höchsten militärischen Würden, bestehend in einem Pferdeschweif, der wallend von einem vergoldeten halben Mond an einer oben in eine vergoldete Kugel auslaufenden Stange herabhing. Nur der Sultan, der Großwesir und die Paschas erhielten diese Auszeichnung, und zwar wurde ihnen der R. entweder im Krieg vorgetragen, oder vor ihrem Zelt aufgesteckt. Der Sultan hatte sechs Roßschweife, der Großwesir und die Paschas von dem Rang des letztern drei, die Paschas zweiten Ranges zwei, die des dritten Ranges einen. Nach Einführung der regulären Armee ist dieses militärische Abzeichen ganz außer Gebrauch gekommen, aber desto mehr unter den Türken Turkistans anzutreffen. Der Tugh entspringt einer der ältesten Sitten des turanischen Volkes, das den Gebrauch der Fahne erst später von den Persern und Arabern entlehnt hat.

Roßtrappe, Felsenpartie des Harzes im preuß. Regierungsbezirk Magdeburg, oberhalb des Dorfs Thale (s. d.) gelegen, 375 m ü. M., besteht in einer Granitklippe (Raßmannshöhe), welche am Abhang des Bodethals vorspringt und auf ihrer 202 m über dem Wasserspiegel der Bode sich erhebenden Spitze einen schönen Blick in das tief unten liegende Bodethal gewährt. Oben ist sie mit einer Vertiefung versehen, welche entfernte Ähnlichkeit mit dem Abdruck eines kolossalen Pferdehufs hat (daher der Name). Die Sage spricht von einer Prinzessin, die, von einem Riesen verfolgt, mit ihrem Roß über den Felsen weggesetzt sei und so jenen Eindruck in demselben hinterlassen habe. Archäologen halten die Felsen für eine altgermanische Opfer- und Totenstätte. Gegenüber ragt der sogen. Hexentanzplatz empor.

Roßtrappen, Felsen oder erratische Blöcke, in denen ein oder mehrere Hufeisen eingemeißelt sind, finden sich namentlich in den Ländern, wo die alten Sachsen saßen, und werden als altheidnische (auf den wasserspendenden Schimmel Odins, Sleipnir, der sein Hufeisen abwarf, bezügliche) Kultstätten gedeutet, wodurch es sich erklärt, daß solche Steine manchmal (nach der Bekehrung zum Christentum) in Kirchen- und Kirchhofsmauern eingesetzt wurden, wie zu Gudensberg am Odenberg, während die Kirchen oftmals dem christlichen Schimmelreiter St. Georg gewidmet wurden. Zahlreiche Ortssagen, die Petersen